24. Elul 5785
Jene Wehrdienstverweigerer, die bei der Ausreise aus Israel vom Flughafen Ben Gurion festgenommen wurden, schaffen es oft, sich trotzdem erfolgreich der Einberufung in die IDF zu entziehen. Gesetzeslücken ‘so gross wie Scheunentore’ ermöglichen es Psychiatern und Anwälten, Freistellungen zu erreichen. Das erklärte Generalmajor Dado Bar Kalifa vor dem Staatskontrollausschuss der Knesset. Bisher wurden durch entsprechende Massnahmen etwa 40 Wehrdienstverweigerer festgenommen, man rechnet damit, dass die Zahlen in den kommenden Tagen vor den ‘Hohen Feiertagen’ noch zunehmen werden. Allerdings sei der Polizeieinsatz im Prinzip nicht gerechtfertigt, weil er personelle Kräfte binde, die woanders dringend gebraucht würden. «Wir wollen keine Verhaftungen. Wir wollen Soldaten», fügt Bar Kalifa hinzu. Sind nicht vor dem Gesetz alle gleich? Ja, aber es gibt Ausnahmen. Dazu gehören ultra-orthodoxe und haredische Männer. Haben sie mit dem Studium der Torah etwa einen göttlichen Auftrag zu erfüllen?

Strategie-Minister Ron Dermer wird sich morgen mit dem syrischen Aussenminister Asaad al-Shainbani in Paris treffen, um die Möglichkeiten eines syrisch-israelischen Abkommens zur Sicherung des Südens zu diskutieren. Das Arbeitspapier wird ein Entwurf sein, den Israel vor einigen Wochen vorgelegt hat. Es basiert auf dem Übereinkommen mit Ägypten aus dem Jahr 1979, das den Sinai in drei Zonen teilte. Im Gegenzug für einen Luftkorridor, der Israel jederzeit einen Angriff auf den Iran ermöglicht, würde sich Israel von einigen Stellungen auf dem Golan zurückziehen, den Hermon aber beibehalten. Netanyahu plant, sich anlässlich der UNO-Generalversammlung mit dem syrischen Präsidenten Ahmad al-Sharaa zu treffen.

Mehr als 400.000 Gazaner, das ist knapp die Hälfte der Einwohner von Gaza-City, haben sich bisher auf den Weg Richtung Süden gemacht. Neben der Küstenstrasse, die bereits seit Tagen hoffnungslos verstopft ist, ist die IDF dabei, eine zweite Strasse, die Salah a-Din, ab heute Mittag bis zum kommenden Freitag zu öffnen.

Auffallend bei der Bodenoffensive in Gaza-City ist, dass die IDF relativ langsam vorgeht. Nach dem Massaker vom 7. Oktober 2023 drangen sie viel schneller in den Gazastreifen ein, obwohl die Verteidigung der palästinensischen Terror-Organisation Hamas damals noch viel kräftiger war als heute. Wahrscheinlich geschieht das auf Befehl von Generalstabschef Zamir, der sich bis zuletzt massiv gegen die von Netanyahu vorgegebene Vorgehensweise gewehrt hatte. Es ist ein zermürbender Krieg, der nach der Definition der IDF ‘langsam und vorsichtig’ geführt wird, anstatt mit einem Sturmangriff. Ob Netanyahu damit glücklich ist, dass für Zamir die Rückführung der Geiseln die wichtigste Aufgabe ist und dass die Armee Sorgfalt walten lassen muss, um das Menschenmöglichste zu versuchen, dass den Geiseln kein Leid zugefügt wird, kann bezweifelt werden. Zamir hat zugeben müssen, dass es an Informationen über die Aufenthaltsorte der Geiseln mangelt und dass die Hamas sie wahrscheinlich als menschliche Schutzschilde einsetzen wird. Zamir sprach auch davon, dass man leider damit rechnen muss, dass die Hamas sie als Rache für den misslungenen Angriff auf ihre Führer in Katar ermorden wird. Netanyahu hat längst aufgehört, Interesse am Schicksal der Geiseln zu zeigen. Es ist schwer zu ertragen, dass Netanyahu die Eroberung von Gaza-City anordnet, obwohl es eine klare Gefährdung für die Geiseln gibt. Diese Eroberung gibt ihm die Möglichkeit, dem Willen seiner rechten messianischen Koalitionspartner zu folgen und ganz Gaza zu besetzen und die noch dort lebenden Gazaner zu vertreiben. Es wird immer offensichtlicher, dass Netanyahu ein gescheiterter, sich selbst immer mehr in die Isolation treibender ‘Politiker’ ist, der immer noch versucht, mit allen Mitteln an der Macht zu bleiben.
In der vergangenen Nacht hat Israel 50 Ziele in Gaza angegriffen. Die IDF gibt nur wenige Kommentare ab, jedoch dürfte es sich bei den Zielen, die alle in Gaza-City lagen, um terroristische Infrastruktur handeln. Unter anderem wurde eine Waffen-Produktionsfabrik getroffen, in der nicht nur Waffen hergestellt werden, sondern auch Sprengstoffe gelagert werden, wie Sekundärexplosionen beweisen.


Die palästinensischen Telekommunikations-Organisationen mit Sitz in Judäa mussten bekannt geben, dass bei den Angriffen auf Gaza die Hauptleitungen im Gazastreifen zerstört wurden und die Bewohner deshalb von der Aussenwelt abgeschnitten sind. Weder die Telefone noch das Internet stehen zur Verfügung. Betroffen davon sind nicht nur alle, die verzweifelt versuchen, Kontakt zu ihren Familien zu halten und Neuigkeiten über den Kriegsverlauf zu erhalten. Betroffen sind auch Studenten, die versuchen, so gut es geht, ihr Studium online aufrecht zu erhalten. 90.000 sollen es derzeit sein, die trotz aller Widrigkeiten versuchen, nicht aufzugeben.
Eine von den Houthi-Terroristen abgeschossene Langstrecken-Raketen stürzte ab, kurz nachdem sie den jemenitischen Luftraum verlassen hat. Sie wurde von der IDF identifiziert, ohne dass ein Alarm ausgelöst wurde.

Der Kaktus des Tages geht an Kulturminister Miki Zohar. Er kündigte an, sämtliche Fördermittel für die ‘Ophir Awards’ streichen zu wollen, nachdem heuer ein Film über die palästinensischen Kämpfe gewann. Die Ophir Awards werden seit 1990 jährlich durchgeführt. Wer dort gewinnt, vertritt in der Regel im kommenden Jahr Israel bei der Oscar Verleihung. ‘The Sea’ geschrieben und inszeniert von Shai Carmeli-Pollak erzählt die Geschichte eines kleinen Jungen aus Judäa. Das Ministerium bezeichnet den Sieg als ‘beschämend’, weil er israelische Soldaten in einem negativen Licht erscheinen lässt. «Ab dem Haushalt 2026 wird diese erbärmliche Zeremonie [die Ophir Verleihung] nicht mehr mit Steuergeldern finanziert. Unter meiner Aufsicht werden israelische Bürger nicht aus eigener Tasche für eine Zeremonie bezahlen, die unseren heldenhaften Soldaten ins Gesicht spuckt.» In einer Erklärung sagt die israelische Akademie für Film und Fernsehen, dass der Film «ein tiefes Bekenntnis zu filmischer Exzellenz, künstlerischer Freiheit und Meinungsfreiheit widerspiegelt.» ‘The Sea’ erzählt die Geschichte eines 12-jährigen Palästinenserjungen, der sich alleine auf den Weg macht, das Meer zu sehen. Bei einem Kontrollpunkt war er zuvor von Militärposten zurückgewiesen und von seiner Klasse getrennt worden, die auf dem Weg nach Tel Aviv war. Er spricht kein Hebräisch und kennt den Weg nicht…. ‘The Sea’ wird Israel beim Oscar in der Kategorie ‘Bester internationaler Film’ vertreten. Zohar kann seine Kritik am Film äussern, das ist legitim. Den Organisatoren der ‘Ophir Award’ aber einen Maulkorb umzuhängen, ist äusserst undemokratisch und missversteht die Aufgabe der Filmbranche innerhalb der Kultur und Gesellschaft völlig. Er stellt sich damit auf die gleiche Stufe wie die, die den Auftritt eines Orchesters ablehnen, weil der Dirigent jüdisch und israelisch ist, die den Film eines jüdischen Regisseurs von der Teilnehmerliste eines Filmfestivals streichen oder die als Protest gegen die Teilnahme Israels am ESC verkünden, dass sie ihre Teilnahme absagen. Er stellt sich auch in die Reihe derer, die bei Sportwettbewerben verlangen, Israel dürfe nicht teilnehmen. Das nennen wir ‘Antisemitismus’, Zohar hat nicht begriffen, dass er nichts anderes verbreitet und das ist eine Schande für ihn, den Ewig-Gestrigen!
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