Krieg in Israel – Tag 722

5. Tishri 5786

Netanyahus Versuche, eine Art Galgenhumor[1] zu zeigen, setzte sich beim Empfang im israelischen Generalkonsulat in New York am Freitagabend fort. Als Antwort auf die Kritik an seiner Rede vor der UN am Vormittag konterte er: «Sara schreibt alle meine Reden. Sie entscheidet alles, sogar wann wir zuschlagen sollen.» Ein Körnchen Wahrheit wird schon dran sein! «Die erste Lüge ist, dass wir die Araber aus ihrem Land vertrieben haben, während die Wahrheit ist, dass die Araber uns nach Tausenden von Jahren aus unserem Land vertrieben haben.» Seine Frau Sara N., die neben ihm stand, fügte hinzu: «Das ist sehr wichtig. Niemand weiss das. Es gibt keine PR dafür.» Netanyahu schloss: «Der Kampf um die Wahrheit geht ständig weiter. In der Verleumdung gegen uns, in der Verfälschung der Geschichte – einschliesslich der der letzten Woche – befinden wir uns in einem ständigen Kampf.»

Nach dem Treffen zwischen VAE-Aussenminister Sheikh Abdulla bin Zayed und Netanyahu erklärte ein ranghoher Sprecher des Emirats, dass Israel Judäa und Samaria  nicht  annektieren wird. Bin Zayed habe beim Treffen die «entschiedene Haltung der VAE zum Abschluss der Akte über die Annexion palästinensischer Gebiete durch Israel», zum Ausdruck gebracht. Unter anderem hatte er auch erklärt, dass eine Annektierung die Abraham Akkorde gefährden könne. Auch Trump erklärte, dass «die Annexion des Westjordanlandes durch Israel nicht stattfinden wird.» Wie Netanyahu am Dienstag nach der Landung in Tel Aviv seinen Hardlinern der rechtsextremen Kamarilla, gegenübertreten will, darauf bin ich gespannt. Er hat jetzt nur die Wahl zwischen Pest und Cholera.

Einav Zangauker hat erklärt, was auf Netanyahu wartet, wenn er ohne ein unterschriebenes Abkommen aus den USA zurückkommen sollte. «Im Gegensatz zu der Lügenkampagne des Sabotage-Engels Netanyahu gibt es 48 Familien, deren Angehörige in Gefangenschaft sind, und alle müssen zurückkehren, nicht nur diejenigen, an die er sich gewandt hat», und bezog sich dabei auf die Rede vor der UNO, während der sich Netanyahu direkt an einige Familien wandte, die im Saal anwesend waren. «Wenn Sie ein weiteres Abkommen sabotieren, werden wir Sie bis ans Ende aller Tage verfolgen. Ich schaue Ihnen in die Augen, Netanyahu. Wenn Sie ohne ein Abkommen zurückkommen, erwartet Sie hier eine unbeschreibliche Hölle. Die Demonstrationen und Streiks der letzten Wochen werden im Vergleich dazu wie ein Kinderspiel erscheinen.»

Entgegen anders lautenden Meldungen erklärte die Hamas, den neuen von Trump vorgelegten Plan noch nicht erhalten zu haben. Sie erwarten den Vorschlag in den kommenden Tagen, erklären jedoch gleichzeitig, jeder Vorschlag, der nicht ihre zwei Hauptforderungen enthält, sei indiskutabel: 1. Das völlige Ende der Kämpfe und 2. Den vollständigen Abzug der IDF aus dem Gazastreifen.

© Moshik Gulst, Facebook

Mehr als 800.000 Palästinenser haben bisher Gaza-City verlassen und sich auf den Weg in einen vermeidlich sicheren Süden des Gazastreifens gemacht. Damit leben nur mehr etwa 200.000 Menschen in der laut IDF bereits eingekesselten Stadt. Netanyahu hatte in seiner Rede davon gesprochen, dass Gaza-City eine der beiden noch verbliebenen Hochburgen der palästinensischen Terror-Organisation Hamas ist. Allerdings hat er es verabsäumt, zu sagen, wo sich die zweite Hochburg befindet.

Der iranische Präsident, Masoud Pezeshkian, wies die Aufforderung von Trump weit von sich, alles noch vorhandene angereicherte Uranium abzugeben. Im Gegenzug werden die angekündigten Sanktionen um drei Monate verzögert. Pezeshkian bezeichnete den Vorschlag als ‘inakzeptabel’.

Syrien hat einen internationalen Haftbefehl in absentia gegen den ehemaligen Diktator Bashar al-Assad erlassen. Dieser geht zurück auf Vorfälle aus dem Jahr 2011. Die Anklage lautet: vorsätzlicher Mord, Folter mit Todesfolge und Freiheitsberaubung und war von den Familien von Betroffenen eingebracht worden. Der Untersuchungsrichter Tawfiq al-Ali erklärte, der Haftbefehl werde nun an Interpol weitergereicht.

Der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky erklärte während einer Pressekonferenz in Kiew, dass ein israelisches Luftabwehrsystem ‘Patriot’ seit einem Monat in der Ukraine eingesetzt wird. Zwei weitere Systeme werden im kommenden Herbst geliefert werden.  Das Luftabwehrsystem, welches in der USA gebaut wurde, wurde Ende 2024 aus dem israelischen Abwehrsystem herausgenommen.

Beim Versuch eine Strassenbombe zu legen, wurden zwei Hamas-Terroristen mit einem gezielten Drohnenangriff neutralisiert. Sie hatten versucht, sich mit Decken ‘unsichtbar’ zu machen, wurden aber von Soldaten entdeckt, die sofort die Luftwaffe um Hilfe baten.


[1] Bei seiner Rede machte er einen Witz, den aber offensichtlich niemand als solchen erkannte.  Daraufhin sagte Netanyahu: «Hier hätten sie eigentlich lachen sollen.» (Im Film bei Minute 25:17)



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