30. Tishri 5786


Bei den zwei gestern nach Israel zurückgekehrten toten Geiseln handelt es sich um Tamir Adar, 38 und Arie Zalmanowicz, 85, s’’l. Tamir wurde beim Versuch, den Kibbutz Nir Oz zu verteidigen, von den Hamas-Schlächtern ermordet. Seine sterblichen Überreste wurden nach Gaza verschleppt. Seine Grossmutter, Yaffa Adar, wurde ebenfalls verschleppt, und nach 48 Tagen freigelassen. Arie wurde aus seinem Heimatkibbutz Nir Oz verschleppt und starb während der Gefangenschaft. Das forensische Institut versucht, die Todesursache zu rekonstruieren. Zusätzlich zu den beiden identifizierten toten Geiseln wurden die sterblichen Überreste einer weiteren toten Geisel zurückgegeben. Die Familie hat den Namen noch nicht freigegeben.

Mit nur einer Stimme Mehrheit wurde in der ersten Lesung ein Gesetzesentwurf durch die Knesset gebracht, der die israelische Souveränität in Judäa und Samaria ausweiten soll. Netanyahu und sein Likud waren bei der Abstimmung nicht im Plenarsaal, bis auf Yuli Edelstein, der mit seiner Stimme dem Entwurf zum Ergebnis 25 zu 24 verhalf. Netanyahu wird das überhaupt nicht passen. Ausgerechnet heute, wo sich US-Vizepräsident JD Vance in Israel aufhält, wird über ein Gesetz abgestimmt, in dessen Text es heisst, «dass der Staat Israel seine Gesetze und Souveränität auf die Siedlungsgebiete in Judäa und Samaria anwendet, um den Status dieser Gebiete als untrennbarer Teil des souveränen Staates Israel zu festigen.» Mit anderen Worten: diese annektiert. Genau das will Trump aber nicht zulassen. Netanyahu bezeichnet die Abstimmung als ‘Provokation’, die die guten Beziehungen zu den USA schädigen soll.

Nach dem Besuch bei Präsident Isaac Herzog und seiner Frau Michal, erklärte Herzog dem US-Vizepräsidenten, der von seiner Frau Usha begleitet wurde: «Ich war immer beeindruckt von Ihrer Geschichte und der Art und Weise, wie sie erzählt wurde.» Herzog bedankte sich auch bei Trump: «Israel ist Präsident Donald Trump dankbar für sein unerschütterliches beharren darauf, voranzukommen. Wir müssen vorankommen, wir müssen Hoffnung für die Region, für Israel, für unsere palästinensischen Nachbarn und für die Zukunft unserer Kinder bieten», gleichzeitig, so Herzog, «bestehen wir darauf und wollen, dass alle unsere Geiseln zurückkehren, damit sie ein würdiges Begräbnis erhalten.» Vance schrieb in das Gästebuch: «An den Präsidenten und das Volk Israels – Sie haben ein wunderschönes Land. Vielen Dank für Ihre Freundlichkeit und Ihren Empfang!!!»

Natürlich traf sich Vance auch mit Netanyahu. Die zwei lobten sich in ihren Absichten für Gaza gegenseitig hoch, verloren dabei jedoch völlig aus den Augen, dass es bis zum Wiederaufbau des völlig zerstörten Gebietes Jahre dauern wird. Jetzt schon von der schönen neuen Welt im Nahen Osten zu träumen, das ist etwas, was Phantasten dürfen. Bei Politikern ist das lächerlich. Netanyahu lobte die «unübertroffene Allianz und Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten. Sie verändert den Nahen Osten und verändert die Welt.» Vance reagierte darauf: «Dies sind Tage des Schicksals, und wir freuen uns sehr darauf, uns zusammenzusetzen und gemeinsam am Friedensplan für Gaza zu arbeiten. Wir haben eine sehr, sehr schwierige Aufgabe vor uns.» Netanyahu freute sich: «Wir sind dabei Grossartiges zu tun. Wir schaffen gerade einen unglaublichen ‘Tag danach’, mit einer völlig neuen Vision.» Worauf Vance sagte: «Wir schaffen einen Friedensplan, eine Infrastruktur hier, wo vor einer Woche und einem Tag noch nichts existierte. Das wird viel Arbeit erfordern. Es erfordert viel Einfallsreichtum.» Er sagt weiterhin, dass«wir auf einem unglaublichen Weg sind, etwas zu tun, was noch nie zuvor getan wurde.»

Nach dem Treffen stellte Netanyahu klar, Israel würde weder die USA kontrollieren, noch sei das Umgekehrte der Fall. «Wir haben eine Partnerschaft, ein Bündnis von Partnern.» Liest man aufmerksam die Zitate Trumps der letzten Tage, so drängt sich schon die Frage auf, ob Trump Israel noch als einen selbstständigen Staat ansieht, oder ob sich hier vor unseren Augen langsam ein ungesundes Abhängigkeitsverhältnis ausbildet.
Aussenminister Gideon Sa’ar hat mit seinem Kollegen aus Bahrain, Abdul Al Zayani, über die Fortsetzung der Pläne von Trump zum Ausbau des Gazastreifens in ein Luxus-Resort gesprochen. Wer also glaubte, Trump hätte, gemeinsam mit seinem Sohn Eric und seinem Schwiegersohn Jared Kushner den irrwitzigen Plan zu den Akten gelegt oder besser noch geschreddert, der hat sich offensichtlich getäuscht. Hinter den Kulissen wird offenbar weiter daran gedreht und gebastelt. Die Gewinner sind die Familien Trump und Kushner.
Der iranische Aussenminister Abbas Araghchin erklärte der halb offiziellen ‘Tasnim’-Nachrichten-Agentur, der Iran werde erst wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren, wenn die USA von ‘unvernünftigen Bedingungen’ absehen. Vor dem 12-Tage-Krieg gegen den Iran hatte es fünf Runden von Gesprächen gegeben, die ohne Ergebnis beendet wurden. Sie wurden, so Araghchin, aufgrund von exzessiven Forderungen der USA abgebrochen.

Die Hamas setzt ihre Grausamkeiten gegen andersdenkende Palästinenser im hellen Tageslicht und ohne Angst vor der Veröffentlichung von Exekutionen und lebensbedrohenden Verletzungen fort. Ohne rechtlichen Hintergrund, ohne Anklage oder gar ein korrektes Verfahren wurden Gazaner mit verbundenen Augen und mit Handfesseln zu Boden geworfen. Anschliessend wurden ihnen mit Eisenstangen die Beine gebrochen. Das israelische Aussenministerium veröffentlichte ein Video, in dem sie nicht nur den tragischen Vorfall zeigen, sondern auch fragen, wo ‘das ohrenbetäubende Schweigen der Moralprediger’ ist. «Wo seid ihr?», fragt der Sprecher. «All die lauten Stimmen? Die Menschenrechtskämpfer? Die Moralprediger? Die Queers für Palästina?» «Sind das eure Freiheitskämpfer? Die, für die ihr marschiert? Ihr seid verschwunden. Die Hamas muss weg.» Das Wall Street Journal berichtet heute, dass Mitglieder des Majayadeh Clans den Mediatoren zugesagt hätte, die Hamas zu entwaffnen. Die misshandelten und exekutierten Männer sind überwiegend Mitglieder des Anti-Hamas Doghmush Clans. Auch die Hamas hat ihre Bereitschaft, die Exekutionen zu stoppen, erklärt.

Die Rose des Tages geht heute an Karoline Preisler, FPD-Politikerin und Rechtsanwältin, die nicht zum ersten Mal bei einer pro-Palästina-Demonstration Mut zeigte. In der einen Hand ein Schild auf dem zu lesen ist ‘Until the last hostage’ und in der anderen einen Blumenstrauss. Beide Hände halten eine grosse israelische Flagge mit der gelben Schleife. Sie wird bei ihrer eindrücklichen Demonstration gut bewacht von vier Polizisten. Preisler steht jeden Samstag dort, wo es in Berlin pro-Palästina-Demos gibt. Dann können es schon mal vier Orte sein, die sie nacheinander aufsucht. Immer im Windschatten mit dabei: zwei Polizisten. Man vermutet, dass sich unter den Organisatoren der Demos auch aktive Mitglieder der Hamas befinden. Nicht immer geht es friedlich zu, sie wird auch schon einmal von der Polizei gebeten, sich weiter zu entfernen, um ihre Sicherheit gewährleisten zu können. Das findet sie schade, denn sie hofft auf Gespräche mit den Demonstranten, ist aber einsichtig und zieht sich etwas zurück.
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