Bereshit, Noah 6:9 – 11:32

ב“ה

2./3. Cheschwan 5786                                              24./25. Oktober 2023

Shabbateingang in Jerusalem:                                                         17:17

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                         18:33

Shabbateingang in Zürich:                                                                 18:04

Shabbatausgang in Zürich:                                                                19:07

Zehn Generationen sind vergangen, seit Adam und Eva von Gott aus dem Garten Eden vertrieben worden sind. Noch einmal so lange wird es dauern, bis Avram sich, von Gott aufgefordert, auf den Weg nach Kanaan macht.

Am Anfang des wöchentlichen Abschnittes der Torah hören wir von Noah, jenem Mann, der als einziger Gnade vor den Augen Gottes fand. Was machte ihn so besonders unter den Menschen? Als Noah geboren wurde, war sein Vater Lamech 182 Jahre alt. Bei der Geburt seines Sohnes sagte er: Er wird uns aufatmen lassen von unserer Arbeit und von der Mühe unserer Hände um den Ackerboden, den der Herr verflucht hat.“ Er gab ihm den Namen Noah, abgeleitet vom Verb ruhen לנוח lanuah. Es scheint, als ob auf Noah schon bei seiner Geburt ein klares Schicksal wartete, die Erlösung vom göttlichen Fluch, der seit den ersten Menschen auf uns lastete.

Nun, zumindest, was die Familienplanung angeht, liess sich Noah tatsächlich Zeit. Er war ein alter Vater, der im Alter von 500 Jahren seine drei Söhne Sem, Ham und Jafet zeugte. Interessant ist, dass in Ber 6:2 stand: „Die Söhne der Götter sahen, dass die Töchter Adams attraktiv waren, und sie nahmen sie zu ihren Frauen, wann immer sich die Möglichkeit ergab.“

Und so kündigt er an, die Welt mit allen Wesen aus Fleisch und Blut zerstören zu wollen. War das das Ende des göttlichen Projektes? Zunächst scheint es so. Doch dann besinnt er sich, es wäre ja auch zu schade gewesen, alles Leben in Bausch und Bogen zu beenden, das er so liebevoll und mit Bedacht geschaffen hatte.

Wir kennen die Geschichte von der Arche, die Noah strikt nach den Plänen Gottes baute und auf die er anschliessend jeweils paarweise die Tiere einlud. Von den reinen Tieren jeweils sieben Paare und von den unreinen jeweils nur eines. Auch seine Familie quartierte sich auf der Riesenarche ein. Nahrung für Mensch und Tier war mit an Bord, bevor sich die Tore schlossen. Gott kündigte an, dass er in den kommenden vierzig Tagen alles Leben auf der Erde vernichten würde.

Hier hören wir erstmals von der Zahl vierzig, die immer wieder bei bedeutenden Ereignissen in der Torah auftaucht: 40 Tage dauert die Sintflut, 40 Tage wird Moshe auf dem Berg Sinai verbringen, 40 Jahren wandern die Kinder Israels durch die Wüste, 40 Tage ist die Frau nach der Geburt eines Knaben „unrein“, bei der Geburt einer Tochter sind es 2×40 Tage. So kann die Zahl 40 als Zahl für eine Prüfung gesehen werden, für eine Bewährung, aber auch als Initiation. Diese Zuschreibung finden wir auch im Leben von Moshe, dem grössten aller Propheten. Im Alter von 40 Jahren wählte ihn Gott ihn als seinen Sprecher aus. Vierzig Jahre wurde er auf verantwortungsvolles Amt vorbereitet und vierzig Jahre dauerte die Wanderung aus Ägypten bis zum Erreichen des versprochenen Landes. Moshe lebte 120 Jahre und das ist das Alter, das Gott für den Menschen festsetzt (Gen. 6:3).

Nachdem die Wasser getrocknet waren und Noah mit seiner Familie und allen Tieren die Arche verlassen konnte, brachte er als erstes ein Brandopfer dar. Es war ein gottgefälliges Werk und Noah, der alle Vorschriften eingehalten hatte, war der Garant dafür, dass Gott den Menschen nicht mehr zürnte. „Solange die Erde besteht, sollen Aussaat und Ernte, Kälte und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht sich abwechseln.“ Gott ist vorausschauend genug, nicht zu bestimmen, wie lange die Erde bestehen wird. Er tut gut daran, denn wüssten wir, dass das Ende des Erdzeitalters nahe ist, wäre es durchaus möglich, dass wir dieses grossartige Geschenk vernachlässigen würden.

Gott besiegelt den Bund mit Noah, und verspricht, fortan die Menschen zu schützen. Wenn sie sich an seine Vorgaben halten. Auch wenn es hier noch nicht ausdrücklich ausgesprochen wird, aber wir erkennen das Verbot des Mordens. „Wer Menschenblut vergiesst, dessen Blut wird durch Menschen vergossen. Denn: Als Abbild Gottes hat er den Menschen gemacht.“ (Gen 9:6)

Als Sinnbild des Bundes verspricht er, uns den Regenbogen zu schicken. Welches Kind versucht nicht, zum Ende des Regenbogens zu laufen und dort nach dem verborgenen Schatz zu graben? Der Bogen, der in den Spektralfarben schimmert, begeistert jeden, der ihn sieht. Zeigt er doch in der Regel an, dass das Gewitter und der Regen vorbei sind und die Sonne wieder scheinen wird.

Gott hätte kein schöneres Symbol für den Bund wählen können, den er mit uns geschlossen hat.

Kommen wir zu den Sprüchen der Väter.

(10) Vier Eigenschaften gibt es bei den Menschen: Wer sagt: „Was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein“, der ist ein Ungebildeter. [Wer sagt:] „Was mein ist, ist mein, und was dein ist, ist dein“, der ist ein Durchschnittsmensch, und manche sagen, das ist die Gesinnung der Bewohner von Sodom. [Wer sagt:] „Was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist dein“, der ist ein Chassid (ein frommer, gütiger Mensch, der mehr tut, als der Buchstabe des Gesetzes es verlangt). [Und wer sagt:] „Was dein ist, ist mein, und was mein ist, ist mein“, der ist ein Gesetzloser.

Es ist doch so einfach, stolz auf das Erworbene oder Ererbte zu sein und es allein für sich zu requirieren. Im Sinne von: ‚was mein ist, ist mein und du behalte das, was du dir erworben oder ererbt hast. In diesem Vers wird so ein Verhalten als Durchschnitt angesehen, also weder als besonders gescheit noch als besonders verwerflich. Warum aber wird hier die sündige Stadt Sdom genannt? Sdom galt als reiche Stadt, als ein perfekter Rechtsstaat. Nicht nur, dass jeder Bürger mehr irdische Güter gesammelt hatte, als er zum Leben brauchte. Sie sahen nur sich selbst und nicht den anderen, der vielleicht in Not war. Dass Avram die Stadt nicht retten konnte und sie von Gott zerstört wurde, lag daran, dass die Sodomiter in völliger Sünde lebten, die Gott misssfiel.

Den völligen Gegensatz lebt der Fromme. Er lebt soweit abgewendet von der Realität des Lebens, dass er weltliche Güter nicht schätzt und die wenigen, die er hat, ohne zu zögern, seinem Gegenüber überlässt. ‚Was mein ist, ist dein und das Deinige behalte auch‘. Auch er handelt nicht sehr gescheit und man wird ihn vielleicht belächeln. Irgendwie ist er jedoch auch zu beneiden. Er ist sich sicher, dass Gott für ihn sorgen wird. Hoffentlich findet sich immer ein mitfühlender Mensch, der ihn unterstützt.

Unredlich ist der, der seine Güter zusammenhält und den anderen bestiehlt oder ihm Ausgeliehenes nicht zurückgibt. ‚Alles was mein und dein ist, ist mein‘. Sein Verständnis für Eigentum ist mehr als verwerflich, es ist kriminell.

Der Vers bezeichnet denjenigen, der nach dem Grundsatz handelt: ‚was mein ist, ist dein und was dein ist, ist mein‘, als ungebildet. Ich empfinde den, der so handelt, im Gegenteil als den Vernünftigen und Wissbegierigen. Er hat verstanden, dass durch den Austausch mit anderen nicht nur etwas wirtschaftlich Vernünftiges entsteht. Niemand muss jetzt alles erwerben, um vielleicht zum Erfolg zu kommen. Durch den Austausch von wirtschaftlichen Gütern kann die Arbeit erleichtert, aber auch weiterentwickelt werden. Niemand muss dazu das Rad neu erfinden. Natürlich braucht es hierzu einen Plan, vielleicht eine Nutzungsgebühr und klare Richtlinien über die Nutzungsdauer.

Dass man bei finanziellen Mitteln ähnlich vorgehen kann, versteht sich von selbst. Aber eben nur im gegenseitigen Einverständnis.

Übrigens, Kinder verstehen diesen sinnvollen Umlauf, wenn sie z.B. mit ihren Murmeln spielen. Ein uraltes Spiel mit hohem Lerneffekt.

Shabbat Shalom

Achtung: In der Nacht von Samstag auf Sonntag werden die Uhren um zwei Uhr eine Stunde zurückgestellt.



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