Bereshit, Chaje Sara, 23:1-25:18

23./24. Cheschwan                                              14./15. November 2025 

Shabbateingang in Jerusalem:                                                         16:00

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                         17:18

Shabbateingang in Zürich:                                                                 16:33

Shabbatausgang in Zürich:                                                                17:39

ב“ה

Wer ist Sara? Natürlich wissen wir das! Sara ist die erste Frau Avrahams und die Mutter von Jitzhak. Natürlich wissen wir auch, dass Sara unsere erste Erzmutter, neben Rivka, Lea und Rachel ist. Gemeinsam mit ihren Ehemännern Avraham, Jitzhak und Ja‘acov nennen wir sie unsre Erzeltern.

Aber wer ist Sara? Wir wissen leider nichts von ihr. Weder von ihrer Familie noch von ihr selbst. Nur zweimal haben wir bisher von ihr gehört. In Ber. 11:29 steht „Die Frau von Avraham hiess Sarai“, im nächsten Vers erfahren wir, dass sie unfruchtbar war. Als Avraham mit ihr nach Ägypten zog und sie als seine Schwester ausgab, lesen wir in Ber. 12:12 und 12:14, dass sie eine sehr schöne Frau war. Mehr erfahren wir von ihr nicht. Sara, unsere erste Stammmutter bleibt die grosse Unbekannte.

Als Avraham mit Jitzhak aufbrach, um die letzte grosse Prüfung durch Gott zu bestehen und seinen Sohn zu opfern, erfahren wir nicht, wie Sara, die so lange auf ein Kind gewartet hatte, reagiert. Wahrscheinlich hat Avraham ihr nicht erzählt, was Gott von ihm verlangt hatte. Es wäre auch zu grausam gegenüber der Mutter gewesen. Wahrscheinlich ist er einfach morgens losgezogen, so wie an vielen anderen Tagen. Gott verhindert das Opfer des Knaben, doch die beiden Avraham und Jitzhak dürfen ihr nicht mehr freudestrahlend den guten Ausgang erzählen. Ist es deshalb, dass Avraham mit Jitzhak, nachdem sie vom Berg Morija zurückgekehrt waren, nach Be‘er Sheva weiterzogen? Warum er dort blieb und nicht zu seiner Frau ging?

Wir erfahren nur zu Beginn unseres heutigen Wochenabschnittes, dass Sara im Alter von 127 Jahren verstorben ist. Sie verstarb in Kirjat Arba, das heute eine kleine Vorstadt von Hebron in Judäa ist. Ihren Sohn hat sie nicht mehr gesehen.

Der alt gewordene Avraham hätte die mehr als 50 km lange Strecke zwischen den Orten nicht mehr innert nützlicher Frist absolvieren können. Bis Avraham von ihrem Tod erfuhr und bis er, wie wir in Ber. 23:2 lesen: „Avraham kam, um die Totenklage über sie zu halten und sie zu beweinen.“, vergingen sicher zwei bis drei Tage. Um seine Frau beerdigen zu können, muss er nach einer geeigneten Grabstätte suchen. Er sprach mit Hethitern, denen das Land um Hebron herum gehörte. גֵּר-וְתוֹשָׁב אָנֹכִ Ich bin [gleichzeitig] Fremder und Bewohner bei euch. In den folgenden Versen Ber. 23:4 – 20 entwickelt sich ein interessantes Gespräch.

Was ihn bewogen hatte, sich so weit weg von seiner doch innig geliebten Frau zu entfernen, darüber bleiben wir im Dunkeln. Mit Saras Tod endet die gemeinsame Zeit unseres ersten Erzelternpaares. Ihr Leben stellte den Beginn der langen Geschichte unserer Patriarchen dar. Sie markierten die Geburt des Volkes Israel. Gott hatte Avraham versprochen, Urvater eines grossen Volkes zu werden.

Die folgenden Verse des Wochenabschnittes erzählen die Geschichte, wie aus dem Nomaden Avraham, der frei war zu entscheiden, wo er leben wollte, ein Sesshafter wurde.

In seinen letzten Lebensjahren schien Avraham sich nur noch seinem Familienleben widmen zu wollen. Er heiratete noch ein zweites Mal und  hatte sechs weitere Söhne. Sein Erbe jedoch ging ausschliesslich an seinen zweitgeborenen Sohn, Jitzhak. Er verstarb im Alter von 175 Jahren.

An seinem Grab fand ein besonderes Treffen statt, Ishmael und Jitzhak. Sie trauerten gemeinsam um ihren Vater. Gott segnete Jitzhak, der sich in einem Ort mit dem Namen „Be’er Lahai-Roï“ in der Negev niederliess. 

Danach trennten sich die Wege der Brüder. Über Ishmael erfahren wir nur noch, dass er im Alter von 137 Jahren in der Nähe von Ägypten verstarb.

Hier endet die Geschichte des ersten Erzelternpaares.

Die Geschichte einer Frau, deren Wesen im Schatten blieb und die dennoch unsere erste Erzmutter ist, und ihres Ehemannes Avraham, dem ersten, der von Gott ausgewählt und immer wieder geprüft und für treu befunden wurde.

Freuen wir uns auf die kommenden Wochenabschnitte, die uns die Möglichkeit geben, die spannende Lebensgeschichte der kommenden Generationen mitverfolgen zu dürfen.

 Kommen wir nun zu den Sprüchen der Väter:

‘Ben Bag Bag’ gehört zu den bekannten Schülern von Hillel, möglicherweise auch einer der berühmten Proselyten, die von Hillel in der Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit der jüdischen Tradition geschult wurde. Möglicherweise ist ‘Ben Bag Bag’ identisch mit ‘Ben He He’. Der gemeatrische Zahlenwert von ‘He’ ist der gleiche wie von ‘Bag’. He = 5, Bag 2+3=5

(21) Ben Bag Bag sagte: Wende sie [die Tora] hin und wende sie her, denn in ihr ist alles enthalten; blicke tief in sie hinein, werde alt und grau über ihrem Studium und weiche nicht ab von ihr, denn für dich gibt es nichts Besseres als sie. Ben Hej Hej sagte: Entsprechend der mühsamen Anstrengung wird der Lohn sein.

Es ist für uns schon lange kein Geheimnis mehr. Je mehr wir uns mit der Torah beschäftigen, je mehr wir sie in unser tagtägliches Leben inkorporieren, desto mehr werden wir von ihr und ihren Lehren profitieren. Das ist es, was die Weisen uns beibringen und uns anraten, Tag für Tag. Warum aber sollen wir ‚tief hineinschauen‘?

Mir fallen hierzu die drei Typen von Spiegeln ein: der plane, der das wiedergegebene Bild nicht verzerrt, der konvexe Wölbspiegel, der immer ein verkleinertes, aufrechtes Bild wiedergibt und der konkave Hohlspiegel, der je nach Abstand des Objekts vergrösserte oder verkleinerte, aufrechte oder umgekehrte Bilder spiegelt. Diese Typen sind seit der Antike bekannt, wurden aber erst viel später erforscht. Ein deutsches Nachrichtenmagazin hat auf seiner letzten Seite der Druckversion immer die Kolumne ‚der Hohlspiegel‘. Hier ein aktuelles Beispiel: »Um 10 Uhr trinken wir Kaffee mit Brezel, du bist unser Gast! Parallel dazu bieten wir in unserem Gottesdienst Kinderarbeit an. Herzlich willkommen!“ Eine wunderbare Verzerrung der gewollten Aussage!

Es gibt einen vierten Typ des Spiegels: die Torah. Sie ist der göttliche Spiegel, der uns so wiedergibt, wie wir sind. Unverzerrt, als Momentaufnahme unseres Lebens. Jedes Studium, jedes neu erlernte Wissen wird unser Wesen verändern. Vielleicht wünschen wir uns manchmal andere, grössere Erfolge. Aber wir müssen jeden Schritt als den ansehen, den wir uns erarbeitet haben. Und sei er noch so klein, er ist ein Erfolg.


Shabbat Shalom



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