Die erste Phase der Waffenruhe – Tage 71 und 72

01. Tevet 5786

Angeblich plant Netanyahu bei seinem Besuch in Mar-a-Lago mit Trump die Möglichkeit eines erneuten Angriffes auf den Iran zu diskutieren. Das berichtet zumindest NBC News. In Israel steigt die Sorge, dass der Iran seine Produktion von ballistischen Raketen nicht nur wieder aufnimmt, sondern sogar vergrössert. Auch das Atomprogramm, das entgegen anderslautenden Beteuerungen nicht zerstört, sondern nur stark beschädigt wurde, wird wieder aufgebaut. «Das Atomwaffenprogramm ist sehr besorgniserregend. Es gibt Versuche, es wieder aufzubauen. Das ist nicht so unmittelbar», sagte eine Quelle mit Kenntnis der Pläne Israels gegenüber NBC News. «Aber die Bedrohung durch die Raketen ist sehr real, und wir konnten sie letztes Mal nicht alle verhindern», sagt eine andere Quelle. Was versteht Trump eigentlich von Militär und Waffeneinsätzen? Ich hoffe, es werden ranghohe militärische Spezialisten beim Treffen anwesend.

Die USA und Jordanien haben in der Nacht zum Samstag zahlreiche Terror-Infrastrukturen des ‘Islamischen Staats (ISIS)’ angegriffen. Dabei wurden nach Angaben der Syrer fünf Terroristen neutralisiert, darunter der Kommandant einer Drohnen-Einheit. Trump schrieb auf seiner Social-Media Seite, der Angriff sei die Rache für die Tötung von zwei US-Soldaten und einer Zivilistin in Palmyra. Jordanien erklärte: «Wir haben uns der Operation angeschlossen, um zu verhindern, dass extremistische Organisationen diese Gebiete als Ausgangspunkt nutzen, um die Sicherheit der Nachbarländer Syriens zu bedrohen.»

Khalil AL Hayya, Mediator der Hamas, und Ibrahim Kalin, Chef des türkischen Geheimdienstes, trafen sich gestern in Istanbul. Sie besprachen notwendige Massnahmen, die den Übergang zur zweiten Phase regeln sollen. Ein zweites Thema war, wie man auf die in ihren Augen ‘permanenten Verletzungen der Waffenruhe durch Israel reagieren solle. In dieser zweiten Phase soll die Hamas entwaffnet werden, was sie bisher strikt ablehnt, und eine internationale Truppe stationiert werden. Auch das wird von der Hamas ausgeschlossen, ausser die Truppe wird nach dem Modell der UNIFIL nur an der Grenze zu Israel operieren. Israel hingegen besteht darauf, dass zunächst die letzte tote Geisel, Ran Gvili, zurückgegeben wird. Also über was reden die Mediatoren, wenn es keine Übereinkunft auch nur in einem Punkt gibt?

Rettungsschwimmer und – Surfer haben gestern nicht nur am Bondi Beach, sondern auch an den anderen grossen Stränden der Region eine kurze Gedenkzeremonie abgehalten. In ganz Australien gibt es mehr als 200.000 Freiwillige, die erkennbar sind an ihren gelb-roten ‘Uniformen’. Über dem Bondi Beach kreiste während der Zeremonie ein Hubschrauber der Organisation.  Zahlreiche Lebensretter hatten sich beim Massaker vom 14.12. am ersten Abend des Chanukka Feiertages als Ersthelfer betätigt, ihre Surfbretter als Bahren eingesetzt und ‘verlorengegangene Kinder’ betreut. Yishar Koach!

Bei einer Gedenkzeremonie am Bondi Beach betonte David Ossip, einer der Vorsitzenden der jüdischen Gemeinschaft in Australien: «Ahmed al Ahmed und Geffen Bitton sowie Boris und Sofia Gurmam, s’’l, die mitten während der Schiesserei auf den Terroristen zugerannt sind, haben mit ihrem unglaublichen Mut zahlreiche Menschenleben gerettet.» Geffen Biton liegt nach seiner schweren Verwundung nach wie vor im Koma und es ist unklar, ob er überleben wird.  Bis heute hatte niemand von seinem Rettungsversuch Kenntnis. Nach dem Massaker war zunächst unklar, in welchem Spital er sich befand, weil niemand seinen Namen wusste. Erst mittels der App ‘Find my Phone’ konnte sein letzter bekannter Standort identifiziert werden. Den zweiten Hinweis gab ein Video auf dem Freunde ihn neben Ahmed al Ahmed erkannten und ihn an seinem roten Shirt identifizierten.

Ossip bedankte sich auch beim PM von New South Wales, Chris Minns, «der diese Woche keine Beerdigung, keinen Gottesdienst in der Synagoge und keine Gelegenheit verpasst hat, mit der jüdischen Gemeinde zusammen zu sein. Danke, Chris, für deine Führungsstärke.» Ossip stellt dann die Oppositionsführerin von New South Wales, Kellie Sloane, vor, die er als „Heldin“ bezeichnet. «Letzte Woche traf Kellie mitten während des Angriffs die Entscheidung, zum Bondi Beach zu fahren, dorthin, wo sich der Vorfall ereignete, und sie leistete den Verletzten Hilfe und gab denjenigen, die es brauchten, Unterschlupf … Das ist Tapferkeit, das ist Mut. Danke, Kellie.» Meine Frage an die israelischen Regierungsmitglieder: Wo wart ihr während der ersten Tage nach dem Massaker vom 7. Oktober 2023?

Der OGH gewährt dem Staat Israel eine letzte Verlängerung, um auf eine Petition der ‘Foreign Press Association (FPA)’ reagieren zu können. Die FPA fordert seit dem Beginn der Waffenruhe, also dem 10. Oktober, den uneingeschränkten Medienzugang nach Gaza. Israel hatte zunächst zugesagt, bis zum 23. November auf die Petition zu antworten, stattdessen aber zweimal um eine Verlängerung gebeten. Die neueste Fristverlängerung sollte um drei weitere Wochen erfolgen. Gewährt wurde sie aber nur bis zum 4. Januar. Sollte es bis dahin kein entsprechendes Schreiben geben, so werde man durch den OGH eine Entscheidung treffen. Es ist völlig unverständlich, warum der Staat Israel keine unabhängigen Journalisten nach Gaza zulassen will.

In der Absicht, mit diesem Schritt weitere Massnahmen gegen die Gründung eines palästinensischen Staates zu treffen, haben die Minister Smotrich und Katz angekündigt, dass auf ihr Ansuchen hin 19 Siedlungen im Gebiet von Judäa und Samaria gegründet oder bewilligt werden. Dies wurde vom Sicherheitsrat bereits am 12. Dezember beschlossen. Zwei der Siedlungen wurden während des einseitigen Rückzugs im Jahr 2005 geräumt.

Ein Haus in Gaza City, das von der IDF beschädigt wurde, stürzte in der Nacht infolge der starken Regenfälle der letzten Tage zusammen. Zwei Mädchen, Sondos und Jana Lubbad wurden von den Trümmern erschlagen, zwei weitere Kinder werden noch vermisst. Fünf weitere Überlebende konnten schnell geborgen und in ein Krankenhaus gebracht werden. Die Eltern von Sondos gelten ebenfalls als vermisst. Ich bedaure diesen Vorfall von Herzen, es ist schlimm, wenn immer noch Unschuldigen durch die Folgen des Krieges umkommen.

Der lateinische Patriarch von Jerusalem feierte eine Weihnachtsmesse in der einzigen katholischen Kirche in Gaza. Kardinal Pierbattista Pizzaballa absolviert seinen dritten Besuch in der christlichen Enklave seit dem Massaker vom 7. Oktober 2023. Im Juli hatte ein Irrläufer die Kirche getroffen. Dabei wurden drei Menschen getötet und mehrere verletzt.



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