Die zweite Phase der Waffenruhe – Tage 16 und 17

12./13. Schwat 5786

Auf dem Platz der Geiseln in Tel Aviv fand gestern Mittag der abschliessende Kabbalat Shabbat Gottesdienst statt. Die Kibbutz-Bewegung hat an 120 Wochenenden in Folge diese Treffen organisiert. Die Treffen wurden abwechselnd von einem anderen Kibbutz geführt. Hunderte betroffene Familien, ehemalige Geiseln und Überlebende des Massakers nahmen an jedem Freitagabend teil. Der Platz der Geiseln, der während des Krieges Treffpunkt und Symbol der Hoffnung wurde, wird eine völlige Umgestaltung erfahren. Die Stadtverwaltung von Tel Aviv wird sich mit einer Arbeitsgruppe mit dem Thema auseinandersetzen. Der Vater von Omri Miran schlug vor, den Namen beizubehalten und an einer Seite des Platzes ein Denkmal zu Ehren der lebenden und toten Geiseln zu errichten. Das Treffen endete mit der HaTikwa und dem Refrain des Liedes ‘Shir HaShalom’ welches unweit von hier bei der Kundgebung gesungen wurde, bei der der damalige PM Yitzhak Rabin, s’’l, von einem rechtsradikalen jüdischen Terroristen erschossen wurde.

Die IDF hat erstmals die Zahlen des ‘Gesundheitsministeriums’ in Gaza bestätigt. Damit verloren seit dem 7. Oktober 2023 etwa 70.000 Menschen ihr Leben. Nach derzeitigem Wissen waren nur etwa 25.000 der Getöteten aktive Hamas-Kämpfer. Eine genaue Untersuchung zur hohen Zahl der getöteten Zivilisten findet noch statt. Ob die Ergebnisse veröffentlicht werden, gab die IDF nicht bekannt. Sie sollen jedoch dem ICC vorgelegt werden. Abgelehnt wurde die Zahl von bis zu 450 hungerbedingten Todesfällen. Ob diese Angaben grundsätzlich falsch sind oder ob die Toten unter Vorerkrankungen litten, konnte nicht untersucht werden. Insgesamt sind 112.000 Hilfstransporte mit mehr als 1.7 Millionen Tonnen Lebensmitteln sowie etwa 1.8 Millionen Zelte und Zeltplanen geliefert worden. 600.000 Kinder wurden erfolgreich gegen Polio geimpft. Derzeit gibt es noch 16 funktionierende Feldlazarette in Gaza, die von der IDF geführt werden. 5.000 ausländische Hilfskräfte haben den Gazastreifen betreten, mehr als 42.000 Zivilisten konnten zur medizinischen Behandlung ausreisen. 

Zur Vorbereitung auf einen möglichen Schlag gegen den Iran haben die USA ein weiteres Raketen-Abwehr-Schiff in Eilat positioniert. Die ‘USS Delbert D. Black’ war angeblich schon länger zur Unterstützung Israels vorgesehen. US-amerikanische Kriegsschiffe operieren häufig im Roten Meer, das Andocken in Eilat ist jedoch selten. Offizielle Stellen betonen, dass Trump überlegt, eine ähnliche Situation wie bei der Übernahme von Venezuela zu schaffen. Den Aufmarsch von Truppen in der Nähe, in beiden Fällen vor der Küste, mit einer anschliessenden Aufforderung an die Staatsführung, seine Forderungen zu erfüllen. Sollte diese ‘Bitte’ nicht erfüllt werden, erfolgt als zweiter Schritt der Militärschlag. Trump wiederholte seine Warnung an den Iran, betonte jedoch, dass er bereit ist, zunächst weitere Gespräche zu führen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ist bereit, zur Deeskalation der Spannungen zwischen Teheran und Washington beizutragen. Das erklärte er gestern in einem Telefonat mit seinem iranischen Amtskollegen Masoud Pezeshkian. Gleichzeitig befand sich der iranische Aussenminister Abbas Araghchi zu Gesprächen über dieses Thema in Istanbul. Araghchi erklärte bei einer Pressekonferenz mit seinem türkischen Kollegen, Hakan Fidan, dass Israel mit allen Mitteln versucht, die USA zu einem Angriff auf den Iran zu drängen. Das stimmt nicht, der Mann lügt!

Die syrischen Kurden gaben bekannt, eine Vereinbarung zu einem anhaltenden Waffenstillstand und einer stufenweisen Integration der militärischen und administrativen Gremien in den syrischen Staat erreicht zu haben. Trotz dieser Vereinbarung blockierte heute die Türkei einen Konvoi mit 25 Lkws, die Wasser, Milch, Babynahrung und Decken in das Kurdengebiet in Syrien bringen sollten. Die Hilfslieferung war in kurdischen Orten in der Türkei gesammelt worden. Anfang der vergangenen Woche hatten Menschen aus Kobane die syrischen Soldaten angeklagt, keine Hilfslieferungen zu ihnen zu bewilligen. Kobane ist derzeit völlig überfüllt, nachdem Flüchtlinge aus anderen kurdischen Gebieten in Syrien dort Schutz gesucht haben.

GB gab bekannt, sich der EU anzuschliessen und die ‘Islamische Revolutions Garde’ als Terror-Organisation einzustufen. Ein entsprechendes Papier wird vorbereitet und im Laufe des Jahres umgesetzt werden. Der Polizei werden dann umfassende Rechte zugebilligt, Personen zu untersuchen, Ausweise einzuziehen und bei entsprechenden Verdachtsmomenten, die Wohnungen von Verdächtigen zu durchsuchen. Iranische Diplomaten, denen ein Fehlverhalten nachgewiesen wird, können jederzeit ausgewiesen werden. Gestern hat die EU das Ausstellen von Visa und das Einfrieren von Konten von 21 iranischen Organisationen und iranischer Politiker, darunter des Innenministers des Landes, beschlossen.

Die Hamas fordert Israel auf, sofort die völlige Öffnung des Grenzübergangs Rafah in beide Richtungen voranzutreiben. «Wir fordern den unverzüglichen Übergang zur zweiten Phase, nämlich die Wiedereröffnung des Grenzübergangs Rafah sowie die Einreise eines technokratischen palästinensischen Komitees zur Verwaltung des Gebiets.» Israel hat angekündigt, die Öffnung vorzunehmen, ohne zunächst einen Termin dafür zu nennen. Allerdings knüpft Israel einige Bedingungen an die Öffnung: «Wir werden niemanden daran hindern, hinauszugehen. Die Einreise pro Tag wird jedoch wahrscheinlich auf etwa 50 Personen plus Familienmitgliedern beschränkt. Die Einreisenden werden von Israel ausführlich untersucht werden. Warenlieferungen sind nach wie vor nicht vorgesehen. Israel wird die Überwachung des Grenzüberganges vornehmen», sagt Netanyahu.

COGAT fügt den Aussagen des PM hinzu: «Die Öffnung in beide Richtungen ist für Sonntag geplant. Einreisen dürfen nur jene Personen, die im Zuge des Krieges den Gazastreifen verlassen haben. Hier müssen die Personen mehrere Kontrollen über sich ergehen lassen. Zunächst müssen sie sich in Ägypten melden, ihre Namen werden an den Shin-Bet weitergeleitet. Nach einer entsprechenden zweiten Untersuchung durch eine EU-Mission erfolgt die letzte Kontrolle nach der Passage durch einen ausgewiesenen Korridor. Israel ist nicht unmittelbar vor Ort tätig, überprüft aber mit Hilfe einer Gesichtserkennungs-Software, ob der Ein- oder Ausreisende auf einer Liste der Gesuchten steht.»

Bereits Dienstagnacht kam es zu einem Viehdiebstahl in der kleinen Siedlung Khirbet al-Halawa im südlichen Judäa. Die Überwachungskameras zeigen ein seltsames Bild. Zuerst sieht man rennende Schafe, etwa 150 Stück, von zwei bis drei Hütehunden dirigiert. Dann folgen etwa 10 jüdische Siedler-Terroristen. Es folgen einige Soldaten, ohne Helm und Schutzweste, beides sind bei Einsätzen in Judäa und Samaria obligatorisch. Sie sind im unwegigen Gelände erstaunlich unsicher J. Für mich nicht erkennbar sollen auch zwei Beduinen-Frauen dabei gewesen sein. Die Ziegen hätten ihren Familien gehört. Sie wurden angeblich gefesselt und mit verbundenen Augen einen Tag von der IDF festgehalten. Das berichteten linke Aktivisten, die auch die Kameras installiert hatten und vor Ort waren, um die Beduinen bei Angriffen durch jüdische Siedler-Terroristen zu helfen. Die IDF erklärte dazu am Donnerstag, dass sie gerufen wurden, weil jüdischen Siedlern Vieh von den Beduinen gestohlen worden war.

Aus den ehemals lebendigen Strassenmärkten in Gaza-City, wie es autorisierte Videoclips vom Sommer 2025 zeigen, ist die grösste Müllhalde des Küstenstreifens, wenn nicht sogar von der Levante, geworden. Die Menschen, die dort leben und Händler, die versuchen, ihre wenigen Waren anzubieten, beklagen, dass die Müllhalde eine Gefahr für die Umwelt und ihre Gesundheit darstellt: «Fliegen, Insekten und Kakerlaken werden angezogen,

Kinder auf einer Müllkippe in Khan Younis

Der Gestank ist furchtbar. Es ist sehr schwer, so zu leben. Jeden Tag bringen Lastwagen immer mehr Müll, wodurch die Müllberge immer höher werden. Das könnte Krankheiten verursachen.» Mehr als 100.000 Tonnen Müll hat sich, so die Stadtverwaltung, hier angesammelt. Die grosse offizielle Mülldeponie liegt im von Israel kontrollierten Gebiet, deshalb kann der hier aufgehäufte Müll nicht dorthin gebracht werden. Ein ähnliches Bild ergibt sich in ganz Gaza. Mehr als 60 Millionen Tonnen Trümmer haben sich hier durch die Bombardierungen aufgestaut. Davon sind vier Millionen Tonnen gefährlich. Weitere Gesundheitsprobleme entstehen durch defekte Abwassersysteme. Überall tritt Abwasser aus, täglich werden etwa 130.000 Kubikmeter ins Meer abgeleitete. Die Menge der Bakterien und Coliformen liegt deutlich über der von der WHO als unbedenklich bezifferten Menge. Auch natürliche Grundwasserquellen sind kontaminiert. Selbst die Luft bleibt von Verschmutzungen nicht verschont. Fast alle verbrennen mittlerweile ihren Müll selbst. Den nachstehenden Link bitte anklicken, er ist autorisiert.

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Ein chinesischer Staatsbürger, 38, der in der Nähe von Barcelona einen Friseursalon besass steht im Verdacht, der Hamas in 31 Transaktionen rund € 600.000 in Kryptowährungen überwiesen zu haben. Die Empfänger der Transaktionen aus einer virtuellen Geldtasche stehen im Verdacht, mit einer Hamas-Einrichtung verbunden zu sein. Ob er tatsächlich der Absender oder nur der Vermittler war, wird von der Polizei geheim gehalten. Bei der Durchsuchung des Salons und der Wohnung fand die Polizei Kryptowährungen, Bargeld, etwa 9.000 (!) Zigarren, Schmuck, Computer und Mobiltelefone.

Die IAF konnte drei Terroristen, die in Rafah aus einem Tunnel auftauchten, eliminieren. Das Schicksal von fünf weiteren Terroristen ist unbekannt. Es ist ebenfalls unbekannt, ob sie zu jenen etwa 200 Terroristen gehören, die im Tunnelsystem unter Rafah eingeschlossen sind. 30 von ihnen konnten in den vergangenen Monaten eliminiert werden. Später am Tag wurde bekannt, dass ein Hamas-Terrorist, der zunächst geflohen war, festgenommen wurde. Er wurde als Schlüssel-Kommandant des ‘Eastern Rafah Battalions’ identifiziert. Drei weitere Terroristen sind nach wie vor flüchtig.

Nach den Angriffen der IAF während der Nachtstunden auf Samstag wurden, so das Hamas ‘Gesundheitsministerium’, mindestens zwölf Menschen getötet. Die Angriffe wurden am Samstagvormittag fortgesetzt. Sie betrafen einzelne Appartements in Gaza City und Jabaliya.  Die IDF gab zunächst keine Kommentare ab. Bei einem Angriff auf eine Polizei-Station in Sheik Radwan, einem Vorort von Gaza, wurden sieben Personen getötet und weitere verletzt. Ein weiterer Angriff fand in der Nähe einer UNWRA Schule in Nasser statt, wobei drei Menschen getötet wurden. Nach einer Evakuierungswarnung für Teile von Khan Younis griff die IAF das Verwaltungsgebäude des Flüchtlingslagers Ghaith in Mawasi an, hierzu gibt es noch keine weiteren Informationen.  Am frühen Nachmittag bestätigte die IDF die Angriffe, die Kommandanten der Hamas und des Palästinensisch Islamischen Djihad galten und als Reaktion auf Verletzung der Waffenruhe ausgeführt wurden. Neben diesen Zielen wurden auch Waffenlager, sowie zwei Raketenwerfer und Waffenproduktionsstätten angegriffen. Damit erhöht sich die Zahl der Opfer seit Freitagabend auf 34, der höchsten Opferzahl seit Beginn der Waffenruhe.



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