Die Gerechten unter den Völkern

ב“ה

21. Shevat 5781

כל המקיים נפש אחת, כאילו קיים עולם מלא

Wer immer ein Menschenleben rettet, hat damit gleichsam eine ganze Welt gerettet.

Diese Worte liessen die überlebenden Juden in den Ring eingravieren, den sie Oscar Schindler zum Abschied schenkten. Seither ist der Satz einer der meistzitierten Sätze aus dem Talmud, Sanhedrin 37a.

Im Jahr 2019 stehen die Namen von 27.362 Menschen auf der Ehrentafel in Yad VaShem in Jerusalem. Jeder Einzelne von ihnen hat während der Shoa einem oder mehreren Juden, oft unter Gefährdung des eigenen Lebens Schutz und Sicherheit geboten. Einige von ihnen waren im diplomatischen Dienst und nutzten ihre Stelle, um den bedrohten und verfolgten Juden Dokumente zu beschaffen, mit denen sie ausreisen konnten. Einige waren im öffentlichen Dienst oder Unternehmer. Alle aber waren Menschen, deren Gerechtigkeitssinn und Mut grösser waren als ihre Angst. 

Um als «Gerechter unter den Völkern» anerkannt zu werden, muss ein Antrag in der Gedenkstätte Yad VaShem eingebracht werden. Nach sorgfältiger Prüfung wird der Antrag angenommen oder abgelehnt. 

Die Zahl der noch lebenden «Gerechten unter den Völkern» sinkt von Jahr zu Jahr, ebenso wie die der Überlebenden der Shoa.  

Der Staat Israel hat sich verpflichtet, sowohl den «Gerechten unter den Völkern», sowie deren Kindern und Enkelkindern in Israel ein andauerndes Aufenthaltsrecht zu gewähren. Minderjährige Kinder der Enkelkinder dürfen mit den Eltern einreisen, um in Israel die Schule und/oder Universität zu besuchen. Ihr Status als Nachkomme mit besonderen Rechten ist im Gesetz nicht geregelt. Ihr Antrag auf Erteilung eines entsprechenden Visums muss speziell vom Innenministerium untersucht und bewertet werden. Üblicherweise erhalten sie ein Visum für ein Jahr, das bis zu fünfmal verlängert werden kann. 

Sollte nach Ablauf dieser Zeit eine weitere Verlängerung des Visums gewünscht sein, so muss darüber das Einwanderungsministerium entscheiden. 

© Yad VaShem
© Yad Vashem

Simi Liebel, niederländisch-israelischer Staatsbürger wurde während drei Jahren in Arnhem/Niederlande von Truus Meijerink und ihrer Familie versteckt. Nicht nur Simi Liebel überlebte, sondern auch seine Mutter, die ebenfalls ein Versteck gefunden hatte. Mutter und Sohn wanderten nach dem damaligen Palästina aus. Ein von Simi Liebel in niederländischen Zeitungen geschaltetes Suchinserat stellte den Kontakt nach vielen Jahren wieder her.

Die Gedenkseite von Truus Mejierink in Yad VaShem

Zumindest ein Kind von Truus Meijerink ist vor vielen Jahren nach Israel gezogen. Deren Tochter reiste gemeinsam mit ihrem Mann vor 15 Jahren ein. Ihre Tochter, Tabitha de Boks lebt mit ihrem Sohn und ihrer Tochter, Marloes Sonnenveld in Rosh HaNikra. Marloes ist die Urenkelin von Truus und hat damit keinen Sonderstatus mehr. 

Marloes studiert an der Hebrew University, spricht fliessend Ivrith und bezeichnet Israel als ihre Heimat. Ihr Aufenthalt in Israel stützt sich auf ein Studentenvisum. Die Verlängerung wurde im vergangenen Jahr abgelehnt. 

Simi Liebel hat sich nun beim Innenministerium für die Verlängerung des Visums für die junge Dame eingesetzt. 

«Ich schäme mich für mein Land, dass es nötig ist, dass meine Hilfe überhaupt notwendig ist. Es ist so traurig. Aber ich werde versuchen, etwas zu tun.»

Dass im Jahr 2018 das Innenministerium sich zugunsten von zwei anderen jungen Frauen in einer ähnlichen Situation entschied, lässt Hoffnung aufkommen, dass auch in diesem Fall die Humanität vor der strikten Auslegung des Gesetzes kommt.



Kategorien:Aus aller Welt, Israel, Politik

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1 Antwort

  1. We have a long memory for somethings and very short for other… Chaval!!!
    Thank you.

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