Darf man einen Menschen mit einem der schlimmsten Nazi Schergen vergleichen?

12. Adar 5781

Meine spontane Antwort  ist klar und eindeutig: Nein, man darf nicht! Es kann vielleicht Ausnahmen geben. Dann, wenn sich der so bezeichnete Mensch eines Verbrechens an der Menschlichkeit schuldig gemacht hat. 

Das aber ist hier nicht der Fall. 

Man mag Jared Kushner mögen, oder auch nicht. Er ist sicher nicht die treibende Kraft hinter dem Zustandekommen des sogenannten «Abraham Abkommens». Ich spreche hier nicht von den Verträgen mit Marokko, jenem Staat, mit dem Israel seit Jahren traditionell sehr gute Beziehungen pflegt und den ich nicht in die Reihe mit den VAE, Bahrein und dem Sudan stellen möchte!

Jared Kushner

Kushners Beitrag dazu ist vielleicht seine hektische Reisetätigkeit zwischen den USA, Israel und den betroffenen Staaten gewesen. Sicher nicht nur, um an etwas zu schrauben, von dem er im Prinzip keine Ahnung hat, sondern wohl auch und vielleicht sogar viel mehr, um die eigenen Geschäftsbeziehungen und die seines Schwiegervaters, Donald Trump, des damaligen POTUS, auszubauen.

Der durfte dann stolz  verkünden, was er wieder Grossartiges erreicht hat. Dabei haben Trump, PM Netanyahu und Scheich Abdullah bin Said Al Nahjan, der Aussenminister der Emirate, nur das medienwirksam präsentiert, was angeblich massgeblich von Jared KushnerAvi Berkovits und Aussenminister Mike Pompeo ausgehandelt worden war. 

Wer ist Jared Kushner? Offiziell ist er seit der ersten Wahlkampagne seines Schwiegervaters ab dem Jahr 2015 derjenige, dem immer mehr Macht im Weissen Haus zugebilligt wurde. Vom Wahlkampfmanager bis hin zum Senior Advisor. Kushner hat aus dem klassischen Wahlkampf von einst, einen mediengesteuerten gemacht. Auch wenn er an der New York University einen «Juris Doctor» und MBA erwarb, so liegt sein eigentliches Spezialgebiet im Umgang mit den modernen Medien. 

Die offizielle Bezeichnung von Avi Berkovits, innerhalb der Regierung Trump lautet „Sonderassistent des US-Präsidenten und Assistent des leitenden Beraters“. Seine Idee soll es gewesen sein, statt der von Trump favorisierten und von PM Netanyahu begeistert aufgenommenen Annektierung von 30% von Judäa und Samaria eine Normalisierung mit den VAE anzustreben. Die Aufgabe der geplanten Annektierung war ein massgeblicher Teil des Deals. Zudem Waffenlieferungen, durch die Israel seine bisherige Luftüberlegenheit verliert.

Kushner ist aufgewachsen in einem modern-orthodoxen jüdischen Elternhaus. Den Grundstein zur heute existierenden Familiendynastie legte der aus Weissrussland stammende Grossvater, Joseph Kushner. Sowohl er, als auch seine Frau, Reichel Kushner, sind Überlebende der Shoa. Über das etwas unüberschaubare Imperium der Kushners, das auch immer wieder im Zusammenhang mit Steuerhinterziehungen, nicht ganz sauberen Krediten und internationalen Verstrickungen genannt wird, wurde viel in den Medien berichtet. Zuletzt als Trump noch ganz schnell, wenige Tage vor dem Ende seiner Amtszeit unter anderem Charles Kushner begnadigte, gab er ihm damit doch seine persönliche weisse Weste zurück. Kushner sen. hatte eine Gefängnisstrafe wegen Steuervergehen abgesessen, nun wurde dieser Fall aus seinem Strafregister gelöscht. 

Die Familien Trump, Kushner und Netanyahu verbindet schon eine jahrzehntelange enge Freundschaft. Eine Freundschaft, die beide Politiker ausgiebig zu nutzen verstanden. Warum also nicht auch geschäftlich?

Donald Trump bei seiner Rede am 6. Januar 2021

Und dann kam das unrühmliche Ende der Ära Trump. Am 6. Januar forderte der damals noch amtierende Präsident seine aggressiven und nationalistischen Anhänger in einer Brandrede auf, sich auf den Weg ins Capitol zu machen. «Wir kämpfen. Wir werden intensiv weiterkämpfen. Wenn ihr das nicht auch tut, werdet ihr kein Land mehr haben! (…) Also, gehen wir, gehen wir die Pennsylvania Avenue hinunter.(…) Und wir gehen zum Capitol und wir werden hingehen, es zu versuchen und unser Bestes zu geben.» Hier ist die vollständige Rede. 

Was dann geschah ist bekannt. Vor der Rede hatte Familie Trump eine lustige Zeit hinter der Bühne. 

Und dann lief alles aus dem Ruder. Ein bisschen wie bei Goethes Zauberlehrling«Die Geister die ich rief.» Im Capitol standen sie und randalierten. Sprachen Morddrohungen aus, zerstörten in blinder Wut alles, was sich ihnen bot. Es gab Tote. Sogar die Wahlzettel wollten sie stehlen, um zu verhindern, dass Vizepräsident Mike Pence das amtliche Ergebnis der US-Wahlen bekanntgeben konnte. Wes Geistes Kind sie waren, konnte man klar erkennen. 

Da gab es T-Shirts mit der Aufschrift «Camp Ausschwitz», «Arbeit macht frei» und «6MWE» [6 Millionen Juden waren nicht genug], nicht nur einmal, sondern massenhaft getragen. Hauptsächlich von den «Proud boys», der Schlägertruppe des damaligen Präsidenten Trump. 

Sarah Silverman ist eine sehr bekannte Schauspielerin, Komikerin und Schriftstellerin in den USA. Ihre pointierten Vorträge und Sketche richten sich hauptsächlich gegen gesellschaftliche Tabus und Vorurteile. Sie wuchs in einer traditionell-jüdischen Familie auf, bezeichnet sich selber aber als nicht-religiös. Eine ihrer Schwestern, Rabbinerin Susan Silverman ist eine Aktivistin der feministischen Gruppe «Women of the wall», die Gleichberechtigung im orthodoxen Judentum fordern und dies auch an der «Klagemauer» durchsetzen wollen. Sarah unterstützt ihre Schwester in ihrer Arbeit.

Sarah Silvermann

Am 11. Februar wurde in den USA eine TV-Sendung ausgestrahlt, die vor allem im politischen Rechts-aussen Bereich lebhaft kommentiert wurde. Um was ging es? Während der Sendung hatte eine Zuschauerin angerufen und gefragt, was sie dazu meine, dass Jared Kushner, selber Enkel von Shoa Überlebenden, nicht eindeutig öffentlich und kritisch Stellung zu den dramatischen Vorfällen im Capitol bezogen hatte. Was für ein Mensch ist das, wollte sie wissen, hat er kein Herz? Ist es ihm gleichgültig, was seine Grossmutter durchleben musste?

Silvermanns Antwort muss man einem Comedy Genre zuordnen, der «insult comedy», der Beleidigungskomödie. Sicher entspricht diese Art von Komödie nicht dem Geschmack der breiten Menge. Hier ein Ausschnitt aus der Sendung.

Dr. Mengele, der Todesengel von Auschwitz

Sie sagte, er könne durchaus in einem Film als Nazi gecasted werden, weil er absolut unempathisch sei. «Zunächst einmal, ich habe nie jemanden gesehen, der sowenig jüdisch aussieht. Wenn er eine kleine runde Brille tragen würde, würde er aussehen, wie ein Nazi Doktor, wie Mengele.» Dann relativierte sie das Gesagte selber: «Das ist natürlich nicht wahr. Es ist doch völlig egal, wie er aussieht, ich war oberflächlich. Bevor zu behaupten, dass er unfähig ist, Empathie zu zeigen, muss ich sagen, dass alles was sie ihm gaben, um Liebe zu zeigen, war Geld. (…) Wenn Geld alles wird, was für einen einen Wert darstellt und auf den man sich  fokussiert, dann sind Menschen in der Lage, schreckliche Dinge zu tun»

Bereits 2018 hatte sie den damaligen Präsidenten Trump aufs Korn genommen. «Er hasst Juden so sehr, und ist ein solcher Nazi, dass ich sehr glücklich bin, dass niemand mich zwingt, einen Davidstern in der Öffentlichkeit zu tragen.» Das kann man nachlesen im Video vom 19.2.21 von «Today news channel»

Für mich alles keine Aussagen, die einen solchen Shitstorm in den Kommentarspalten auslösen dürften. Hier eine kleine Auswahl aus der rechtsextremen Webseite «World Israel News»

Die Herausgeber dieser Seite halten sich sehr bedeckt, man kann nichts über sie erfahren. Der ursprüngliche Artikel erschien im «The Algemeiner», einer durchaus pro-jüdische Zeitung, die ebenfalls rechts angesiedelt ist. Auch in der Lieblingswebseite der israelischen und jüdischen Rechtsextremen, „Breitbart“ wird dieser Vorfall auf die in dieser Szene üblichen Art und Weise kommentiert. Hinter dem Schutzschild der Webseiten WIN und Breitbart wurde Sarah von Kommentatoren auf das Übelste beschimpft und beleidigt. 

Diese Art ist aus der Zeit des Nazi-Regimes bestens durch das Parteiorgan «Der Stürmer» bekannt.

Politisch andersdenkende Kommentatoren werden systematisch aufs unglaublichste beleidigt und beschimpft, in weitaus schlimmerem Masse, als es Sarah Silverman jemals einfallen würde. 



Kategorien:Aus aller Welt, Israel

Schlagwörter:,

Hinterlasse einen Kommentar