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25./26. Ijjar 5781 07./ 08. Mai 2021
Schabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden) 18:44
Schabbatausgang in Jerusalem: 20:04

In dieser Woche beenden wir das 3. Buch Mose wiederum mit einem doppelten Wochenabschnitt.
Das ganze Buch behandelte Regeln und Vorschriften, es gab kaum eine Handlung. Fast schien es so, als sei das Volk Israel zu einem physischen Stillstand gekommen. Nicht aus Faulheit, nicht aus Müdigkeit. Sondern, um in Ruhe alles zu verinnerlichen, was die zukünftige Beziehung zwischen ihnen und Gott regeln sollte.
Dazu passt auch er der erste Teil des Wochenabschnittes mit dem Titel «Be har» – auf dem Berg [Sinai].
Gott macht klar, dass die Erde nur eine Leihgabe an die Menschen ist. Nicht wir haben die endgültige Entscheidungskraft, was damit geschehen soll. Wir haben die Verpflichtung, das Land und die Felder, von denen wir leben, gut zu behandeln und ihnen ihre Ruhe zu gönnen. So wie Gott den siebenten Tag als Ruhetag als Schabbat festgeschrieben hat, so bestimmt er auch, dass nach sechs Jahren intensiver Bearbeitung das siebente Jahr ein Ruhejahr für die Landwirtschaft ist. Dieses «Schmitta Jahr» gilt nur für das Land Israel. In diesem Jahr beginnt das nächste Schmitta Jahr am ersten Tag von Rosh Hashana 5782 (7.9.21) und dauert bis zum 25.9.22. Die Wurzel von Schmitta שמטה ist שמט. Das führt uns zum Verb לישמוט (lischmot). Es bedeutet brachliegen liegen lassen, aber auch loslassen.
Zur Nahrung von Mensch und Tier darf nur das genommen werden, was die Felder ohne Bearbeitung hergeben. Der Eigentumsanspruch ist aufgehoben. Alle Früchte gehören allen.

Verhungern muss keiner. In der Neuzeit ist der Import von Lebensmitteln gestattet. Weiterhin gibt es den Ausweg des “התר מכירה“ (Befreiung/Erlaubnis durch Verkauf). Das Land wird an einen nicht-jüdischen Nachbarn verkauft, der die Bearbeitung übernimmt. Wir müssen uns aber im Klaren sein, dass dies, ebenso wie der «Verkauf» des Chometz an Pessach im Prinzip ein Trick ist! Ein Trick, um kaum zu erfüllende Regeln auszutricksen.
Was bedeutet aber nun das Loslassen in diesem Zusammenhang? Im fünften Buch Mose finden wir dazu einen Hinweis. Deut 15:2 «Du sollst den Teil deines Vermögens, dass du einem anderen als Darlehen gegeben hast, ruhen lassen.». Das bedeutet nicht, dass wir des verliehenen Geldes verlustig gehen. Der Anspruch ruht nur.
Loslassen aber sollen wir in diesem Jahr auch von unseren immer grösser werdenden Ansprüchen. Als dem Volk Israel diese Vorschriften gegeben wurden, waren sie noch weit entfernt von einem eigenen Landbesitz. Sie lebten während der vierzig Jahre dauernden Wüstenwanderung als Halbnomaden, immer in der Hoffnung, dass sie ausreichende Nahrung finden würden. Diese Vorschriften mussten sie einfach zur Kenntnis nehmen. Verstehen und umsetzen konnten sie sie erst viel später. Heutzutage tun wir alles, um den Ertrag der Böden zu steigern, wir setzen Chemie ein, Pflanzenschutzmittel, Unkrautvernichter, Dünger und vieles andere, um die Böden zum maximalen Ertrag zu bringen. Auch in anderen Bereichen des täglichen Lebens ist die Maximierung des Gewinnes das oberste Ziel. Nicht das Optimum zu erreichen, das eine Schonung der Ressourcen mit sich bringt, nein, eine teilweise gewissenlose Maximierung. Vielleicht nutzen wir die Zeit der Ruhe, die wir dem Land gönnen und es wieder bereit macht für Neues auch für uns. Durchatmen, zur Ruhe kommen, unsere Prioritäten überdenken und uns von Überflüssigem befreien.
Der zweite Teil des Wochenabschnittes heisst «Bechukotai» – in meinen Gesetzen. Es ist eine Abfolge von «wenn-dann» Sätzen. Zunächst erfahren wir, welche Belohnungen im positiven Fall auf uns warten. In Lev 26:12-13 lesen wir «Ich werde unter euch weilen, ich werde euer Gott sein, und ihr werdet mein Volk sein! Ich bin der Herr, euer Gott, der euch aus dem Land Ägypten befreit hat, auf dass ihr keine Sklaven mehr seid. Ich habe euch von eurem Joch befreit und es ermöglicht hat, dass ihr nicht mehr niedergedrückt seid.»
Die Liste ist kurz, fast möchte ich sagen, sie ist viel zu kurz, verglichen mit den Strafandrohungen.
Gott weist uns darauf hin was geschehen wird, wenn wir seine Gesetze nicht halten.Von Satz zu Satz werden die Strafen drakonischer.
Aber dann kommt der erlösende Schluss. In Lev 26:42 heisst es: «Ich werde mich meines Bundes mit Jakov gedenken, meines Bundes mit Isaak und meines Bundes mit Abraham. Und ich werde meines Landes gedenken.»
Diese Sätze geben uns die Gewissheit, dass Gott uns nicht vergisst, dass er bei uns sein wird, auch wenn wir sündig sind.
Gott hat uns die Möglichkeit gegeben zu wählen, jeden unserer Schritte selber zu bestimmen. Er wird darüber wachen, dass unsere Wahl eine Gute sein wird. Er will uns nicht verlassen, er will uns nicht strafen. Aber er will, dass wir nachdenken, bevor wir handeln.
Shabbat Shalom
Kategorien:Israel
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