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26./27. Tammus 5781 3./4. Juli 2021
Schabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden) 19:09
Schabbatausgang in Jerusalem: 20:31
Pinchas, der Enkelsohn Aarons, hat mit einem Mord den Respekt und die Zufriedenheit Gottes erworben. Mit einem Mord? Geht denn das überhaupt? Einige Mitglieder des Volkes hatten Gottes starken Zorn provoziert, als sie gemeinsam mit Frauen aus Moab dem dort verehrten Götzen-Gott Baal-Peor huldigten. Die Männer mussten auf Befehl Gottes sterben, damit er nicht das ganze Volk Israel verfluchen müsse. Ein Mann besass jedoch die Frechheit, eine midianitische Frau mit in das Lager zu bringen. Pinchas war darüber so aufgebracht, dass er beide mit seinem Speer tötete.
Soweit die Vorgeschichte aus dem letzten Wochenabschnitt.
Pinchas erhält von Gott das Versprechen, dass alle seine Nachfahren auf ewig das Priesteramt innehaben werden.
Wieder einmal werden die Mitglieder des Volks Israel gezählt. Jeder wehrfähige Mann, der älter als 20 Jahre ist, soll nach seiner Stammeszugehörigkeit gezählt werden. Warum war diese erneute Volkszählung nötig? Nun, zum einen sicher deshalb, um zu sehen, wie sich die Stämme seit der Flucht aus Ägypten entwickelt hatten. Das Volk Israel umfasste demnach mehr als 600.000 Mitglieder. Wohlgemerkt, diese Zahl beinhaltete nur männliche Mitglieder, die älter als 20 Jahre waren. Eine unglaubliche Zahl.
Von denen, die aus Ägypten geflohen waren, lebten nur mehr Moses, Kaleb und Joshua. Kaleb aus dem Stamm Juda und Joshua aus dem Stamm Ephraim, gehörten zu den Kundschaftern, die Moses nach Kanaan geschickt hatte. Im Gegensatz zu den anderen Kundschaftern wollten sie die Übernahme des Landes vorantreiben.
Deshalb war es Zeit, eine Erbreihenfolge festzulegen. Das dem Volk Israel von Gott versprochene Land lag bereits in «Sichtweite». Wem sollte es gehören? Wer sollte wo seinen «Erbsitz» erhalten? Das Land sollte, so war es der Wunsch Gottes, anteilig je nach der Grösse des Stammes und innerhalb des Stammes wieder anteilig je nach Grösse der Familie geteilt werden.
Der Stamm Levi blieb von dieser Verteilung ausgeschlossen. Bedingt durch das ewige Priesteramt gelten sie nicht als einer der zwölf Stämme Israels, sondern nehmen eine Sonderstellung ein. Sie lebten ausschliesslich von den Tempelabgaben. Josef stirbt bereits vor der Flucht aus dem Exil, deshalb wird der Erbbesitz seinen zwei Söhnen Menasche und Ephraim zugesprochen. Wer in welchem Teil des neuen Landes siedeln sollte, wurde per Los entschieden.
Ein vernünftiger Vorschlag, sollte man meinen. Sollte aber ein Familienoberhaupt keine Söhne hinterlassen, sondern «nur» Töchter, so sollte der Erbbesitz nicht auf sie übergehen, sondern verteilt werden. Und das wiederum war eine klare Ungerechtigkeit gegenüber den Frauen.
Die fünf Töchter Zelofhads aus dem Stamm Menasches reklamierten für sich, das Land erben zu können, damit der Name ihres Vaters nicht verloren geht. Sie treten mit dieser Forderung an Moses heran, der diese mit der Begründung ablehnt, der Erbbesitz gelte nur für jene Männer, die zum Kriegsdienst herangezogen werden können.
Moses hatte nicht mit dem Selbstbewusstsein der jungen Damen gerechnet! Sie verlangten ein Gottesurteil und – sie bekamen recht! In Num 27:7-11 lesen wir, wie Gott ein modernes Erbrecht kreiert. Ein Erbrecht, das irgendwann in Vergessenheit geriet und erst in der modernen Neuzeit wieder zur Anwendung kommt: die gesetzliche Gleichberechtigung der Frauen im Erbfall. Welch wunderbarer Entscheid!
In Europa stand hinter der Absicht der Vererbung nur auf männliche Erben, das Verhindern von Gebiets- und Vermögenzersplitterung. Ein grosses, in sich geschlossenes Gebiet und ein grosses Vermögen diente der Sicherheit. Deshalb musste es an den erstgeborenen Sohn übergeben werden. Mädchen heirateten und verliessen das Elternhaus. In den meisten Staaten sind der «Fideikommiss» und der «Majoratsbegriff» mittlerweile abgeschafft.
Wieder einmal dürfen wir lernen, dass die Thora und ihre Weisheit bis heute für unser Alltagsleben bedeutend ist.
Manches im menschlichen Miteinander könnte tatsächlich einfacher werden, wenn wir nur hin und wieder die alten und doch so modernen Vorschriften und Anregungen unserer Thora lesen würden.
Shabbat Shalom
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