Wochenabschnitt: Vajechi, Gen. 47:28 – 50:26

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13./14. Tevet 5782                                             17./18. Dez 2021  

Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden)             15:58

Shabbatausgang in Jerusalem:                                        17:16

Shabbateingang in Zürich:                                                16:18

Shabbatausgang in Zürich:                                               17:29

Shabbateingang in Wien:                                                  15:43

Shabbatausgang in Wien:                                                 16:59

ּBenjamin West „Der Segen des Jacov“

Mit diesem Wochenabschnitt beenden wir das 1. Buch Moses. Die Geschichte der Stammeltern ist erzählt, nun ist es an den Jüngeren, den Weg weiterzugehen. Auch die «Josefsgeschichte» findet mit dem Tod des zweitjüngsten Sohnes von Jakob und Rachel ihr Ende. 

Was haben wir nicht alles miterleben dürfen: die Erschaffung der Welt, die Vertreibung der ersten Menschen aus dem Garten Eden bis zur Sintflut. Wir haben staunend gelesen, wie Gott mit einigen wenigen Menschen in Kontakt trat, wie die ersten zarten Wurzeln des neuen Glaubens sich in den von Gott ausgewählten Menschen verankerten. Und wie Gott von Generation zu Generation seine Versprechen an die Urväter Abraham, Jitzchak und Jacov weitergab. Die Hoffnung, als grosser Stamm in einem gesegneten Land zu leben.

Wir nahmen an den Familiengeschichten teil, mussten feststellen, dass sie mehr von Tragödien, Zwist und Kämpfen untereinander geprägt waren als von freudigen Anlässen. Von Kain und Abel, Ishmael und Jitzchak, Esau und Jacov, bis hin zu den Geschwistern von Josef, in jeder Generation gab es Intrigen, Übervorteilungen, ja sogar Mord und Totschlag. Auch Dina, die einzige Tochter Jacovs mussten wir aus den Augen verlieren. 

Jetzt werden wir Zeugen von Jacovs letzten Tagen. Siebzehn Jahre waren vergangen, seit er mit etwa siebzig Personen von Kanaan nach Ägypten gezogen war. Heimisch geworden ist er aber dort wohl nie. Er hat als Fremder in der Fremde gelebt. So ist es auch verständlich, dass sein letzter Wunsch ist: «Wenn ich mich zu meinen Vätern gelegt haben werde, dann bringe mich fort aus Ägypten und lege mich in die Grabstätte meine Väter.» (Gen 47:30)Sein Körper war alt und müde geworden, aber sein Geist war noch immer hellwach. Er wusste, dass Ägypten nicht auf immer die Heimat seiner Söhne, seines Volkes sein würde. Gott hatte ihm und seinen Vorfahren etwas anderes, eine wirkliche neue Heimat versprochen.

Er bittet zunächst Josef mit seinen beiden Erstgeborenen Menashe und Efrajim zu sich. Diese beiden Söhne waren bereits vor der Ankunft Jacovs in Ägypten geboren. In einer berührenden Szene bittet Jacov seinen Sohn, ihm die Verantwortung für diese beiden Knaben zu übergeben. Er will sie an Sohnes statt annehmen, obwohl sie doch eigentlich Fremde sind, weil ihre Mutter eine Ägypterin ist. 

kommt, und Efrajim, der Jüngere, zu dessen linker Seite. Jacov aber segnet sie so, wie Gott es ihm eingeben hat, den Jüngeren mit der rechten Hand und den Älteren mit der linken Hand, indem er seine Hände über ihren Köpfen kreuzt. Josef vermutet einen Irrtum, weil sein Vater nicht mehr gut sieht, aber Jacov lässt sich nicht beirren. Josef scheint irritiert, doch Jacov beruhigt ihn: «Auch er [Menashe] wird zu einem grossen Volk werden, aber sein Bruder Efrajim wird grösser sein als er.» (Gen. 48:19) Jacov nimmt die beiden Kinder als Söhne des zukünftigen Volkes Israel an.

Erinnert uns dieser Segen an das, was Jacov in seiner frühen Jugend geschah? Er war der Zweitgeborene und erhielt, wenn auch durch Tricksereien, den Segen des Vaters als Erstgeborener. Zweimal hat Jacov die Tradition ignoriert, einmal, als er seinen eigenen Vater täuschte und ein zweites Mal jetzt, als er ganz bewusst die Segen «tauscht».

Jacovs letzte Worte gelten seinen Söhnen. Wer nun erwartet, dass er den väterlichen Segen für jeden einzelnen von ihnen hat, der wird enttäuscht. «Ich werde euch sagen, was euch am Ende der Tage geschehen wird.» (Gen 49.:1) In der Literatur wird immer wieder beschrieben, dass Sterbende möglicherweise ihr Leben nochmals wie im Zeitraffer vor ihrem inneren Auge sehen. Hier könnte man tatsächlich vermuten, dass das so ist. Jeder Sohn bekommt nochmals den Spiegel vorgehalten, was in seinem Leben nicht gut gelaufen ist. Wirklich gut wegkommt nur Juda. In Gen 49:8 heisst es «Deines Vaters Söhne fallen vor dir nieder.» Stellvertretend für Josef erhalten dessen Söhne den Segen.

Was geht in Kindern vor, die vom Vater, oder heute auch von der Mutter mit kritischen letzten Worten bedacht werden? Manch einer ist vielleicht froh, wenn es dieses gefürchtete letzte Wort nie gab. Ich weiss aus meiner psychoanalytischen Praxis, welche fast schon traumatisierenden Folgen dieses Wort haben kann.

Nicht umsonst hat es zwischen den Stämmen des Volkes Israel immer wieder Macht- und Rangkämpfe gegeben, wie wir im Buch der Richter lesen. 

Hat Jacov sogar auf seinem Sterbebett seine Tochter Dina vergessen? So sehr ich mir wünsche, mehr von Dina zu erfahren, so glücklich bin ich, dass sie nicht in der Reihe der Kinder stand, die vom Vater gesegnet wurden. Vielleicht hätte ihr Jacov Vorwürfe für den sexuellen Missbrauch in Sichem gemacht, ihr die Mitschuld an den Morden ihrer Brüder gegeben. Das wäre unfair ihr gegenüber gewesen, wenn auch heute noch durchaus geübte Praxis weltweit. 

Danach starb Jacov.  Der letzte Erzvater ist von seiner Familie gegangen. Er wird von seiner Familie in der Höhle Machpela beigesetzt.

Die nun verwaisten Brüder haben Angst, Josef würde sich jetzt, nachdem der Patriarch fehlt, doch noch mit seiner Rache gegen sie wenden. Aber er nahm sie liebevoll auf und nahm ihnen ihre Angst. 

Ob die letzten Jahre, die sie gemeinsam in Ägypten verbrachten, gute oder schlechte Jahre waren, erfahren wir nicht. Als sich die Lebenszeit von Josef ihrem Ende näherte, versprach er seinen Brüdern, Gott werde für sie sorgen und sie wieder heimführen.

In den letzten Stunden seines Lebens muss auch er gespürt haben, dass Ägypten ihm niemals eine wirkliche Heimat war. «Gott wird sich eurer erinnern. Nehmt mich [meinen Leichnam] mit von hier.» Sein Wunsch wurde erfüllt.

Shabbat Shalom



Kategorien:Israel, Religion

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