Wochenabschnitt: Schmot, Ex. 1:1 – 6:1

ב“ה

20./21. Tevet 5782                                             24./25. Dez 2021  

Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden)            16:01

Shabbatausgang in Jerusalem:                                       17:21

Shabbateingang in Zürich:                                                16:21

Shabbatausgang in Zürich:                                               17:32

Shabbateingang in Wien:                                                 15:47

Shabbatausgang in Wien:                                                16:59

Mit dem zweiten Buch Moses, Schmot, beginnt in Ägypten ein neues Zeitalter. Jacov, Josef und alle, die mit ihnen nach Ägyptern gekommen waren, waren tot. Auch von ihren Zeitgenossen lebte niemand mehr. Der Pharao, der ihnen wohlgesonnen gewesen war, ruhte ebenfalls schon lange bei seinen Vätern. 

Wie es die Versprechung Gottes gewesen war, wuchs die Zahl der Kinder Israels schnell an, gewann man Macht. Hier werden sie erstmals בְּנֵי יִשְׂרָאֵל genannt. Kinder Israels, die später zum Volk Israel werden.

Der Pharao und seine Berater fürchteten sie und in ihrer Hilflosigkeit wussten sie nichts anderes zu tun, als sie zu versklaven. Für die Kinder Israel brach eine harte Zeit an. Die männlichen Babys, die auf die Welt kamen, sollten von den eigenen Hebammen getötet werden. Doch Gott stand weiterhin hinter den Kindern Israel. Die Hebammen, Shifra und Pua respektierten Gott so sehr, dass sie die Kinder heimlich weiterleben liessen. Pharao sah sich hintergangen und verlangte nun, dass alle männliche Babys in den Nil geworfen werden sollten. Doch je mehr Pharao die Kinder Israel zu unterdrücken versuchte, desto schneller vermehrten sie sich. 

Hie beginnt die Geschichte unseres grössten Propheten: Moses.

©Fresko Dura Europos „Moses wird aus dem Nil geborgen“

Sein Vater, Amram, der Enkel von Levi heiratet seine Nichte Yochevet, die Tochter Levis. In den nicht autorisierten «Palästinensischen Targumin» [Übersetzungen] findet man im Targum Pseudo-Jonathan wunderbare Erzählungen und Auslegungen. Auf Grund des Dekrets von Pharao, alle männliche Kinder zu töten, hatte Amram Yochevet verstossen. Als er sie aber wieder zu sich nahm, war sie 130 Jahre alt.  Doch durch ein Wunder wurde sie wieder so jung wie sie gewesen war, als sie sich kennengelernt hatten. Im gleichen Text werden die Hebammen Shifra als Yochevet und Pua als ihre Tochter Miriam identifiziert. 

Moses ist also das zweitgeborene Kind von Yochevet und Amram. Das erstgeborene Kind war Miriam. Sie ist die erste Frau der neuen Generation, von der wir noch recht viel hören werden! Sie ist keine der Frauen, die sich auch heute noch von manchen Männern die Stimme verbieten lassen. Und sie zeigt Eigeninitiative und Selbstbewusstsein.

Als Yochevet es nicht mehr verantworten kann, ihren Sohn bei sich zu behalten, vertraut sie auf Gott und setzt Moses in einem sicheren Körbchen in den Nil. Miriam beobachtet aus der Ferne, was geschieht. Entsprechend den alten Texten [Targumim] sandte Gott eine verheerende Hautentzündung, von der auch die Tochter Pharaos befallen wurde. Sie nahm das Kind Moses auf und liebte es sofort. Im gleichen Augenblick verschwand die Entzündung. Miriam nahm allen Mut zusammen und erbot sich, eine Amme für das Kind herbeizuholen.  Natürlich holte sie ihre gemeinsame Mutter, Yochevet. Diese durfte fortan das Kind betreuen und nähren, bis es alt genug war, in den Palast gebracht zu werden und als geliebtes Kind von Pharaos Tochter aufzuwachsen. 

Als Teenager war Moses ein Rebell, zwar wuchs er in einem Palast als Ägypter auf, konnte aber seine Herkunft nie verleugnen. Seine Wut auf die Ägypter, die seine Stammesbrüder ausnutzten, führte sogar zu einem Totschlag.  Moses musste fliehen und kam nach Midian. Dort traf er seine geliebte Frau, Zippora, Tochter des Jitro. Jitro gehörte zum Stamm der Midianiter, die zurückgehen auf den Midian, den vierten Sohn Abrahams und seiner zweiten Frau Ketura.

Moses blieb bei Jetro und heiratete Zippora. Seinen Erstgeborenen nannte er Gerschom «Gast bin ich in einem fremden Land». Noch sollten die Kinder Israels nichts zur Ruhe kommen und sich heimisch fühlen in einem für sie fremden Land.Seinen zweiten Sohn nannte er Eliezer.

Doch auch Moses sollte nicht zur Ruhe kommen. Eines Tages stiess er auf ein erstaunliches Phänomen. Einen brennenden Dornbusch, der brannte, aber sich nicht verzehrte. Der brennende Dornbusch, das Symbol für das göttliche Feuer, das Gott in Moses entzünden wird, um ihn für seine kommende Aufgabe vorzubereiten. Es war seine erste Begegnung mit Gott. Gott rief ihn und er konnte nicht anders als stammeln: «Hier bin ich!» הִנֵּנִי – hineni. Wir werden es noch mehrmals hören, das unsicher gestammelte Wort. Unsicher, vertrauensvoll, in der Gewissheit, Gott sieht uns und nimmt uns wahr. Hineni, ich bin hier, bereit, dir zu folgen. Gott gab sich Moses als Gott seiner Vorväter zu erkennen und wiederholte sein Versprechen, sein Volk zu retten und in das Land «in dem Milch und Honig fliessen» zu führen. Moses willigt, wenn auch zögernd ein, frug aber, wie er dies alles seinen Brüdern erklären kann. Gott nennt ihm seinen Namen:

אֶהְיֶה אֲשֶׁר אֶהְיֶה

«Ich werde sein, der ich sein werde.»

In den alten Schriften [Targumim] lautet die Übersetzung: «Ich bin der, der ist und der sein wird.»

Gott verspricht Moses, dass Pharao ihn schlussendlich ziehen lassen wird, auch wenn er sich lange weigern wird. Er, Gott werde Mittel haben, ihn zu zwingen. Er verspricht sogar noch mehr: sie würden mit vollen Händen ziehen, denn jede ägyptische Frau würde willig Schmuck und Geld geben.

So sehr Moses auch versucht zu verhandeln, Gott hat auf alles eine Antwort. Schliesslich hofft er, Gott hätte ein Einsehen mit ihm, wenn er ihn auf seine Sprachstörung aufmerksam machen würde. Doch nein, auch hier weiss Gott, der nun langsam ungeduldig wird, eine Lösung. Aaron, sein Bruder, soll für ihn sprechen. Er soll die Worte weitergeben, die er, Gott, Moses in den Mund legen werde.

Und so zog Moses mit Zippora und seinen Söhnen zurück nach Ägypten. Unterwegs trat in Mann auf Moses zu und wollte ihn töten. Zippora, eine kluge Frau, verstand sofort, dass es ein Engel Gottes war, der sich ihnen unerkannt in den Weg stellte und was er von ihr unausgesprochen erwartete. Mit einem Feuerstein beschnitt sie ihren Sohn Gershom und berührte mit der Vorhaut die Beine von Moses. Damit wiederholte sie an ihrem Sohn und an Moses den Teil des Bundes, den Gott mit ihren Vorvätern geschlossen hatte. Jitro hatte sich einer Beschneidung von Moses Erstgeborenem widersetzt, bei Eliezer hatte er keinen Einspruch erhoben. 

So traten Moses und Aron vor die Kinder Israel und berichteten ihnen, was Gott plante. Anschliessen gingen sie zu Pharao. Doch der stellte sich stur, wie vorhergesagt. Statt sie zu entlassen, erhöhte er den Druck auf sie. 

Für Pharao wird die Geschichte übel ausgehen!

Shabbat Shalom!



Kategorien:Israel, Religion

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