9. Shevat 5782
Geboren:
1907 wird Abraham Joshua Heschel in Warschau, Russisches Kaiserreich geboren. Seine Familie entstammte dem chassidisch geprägten Milieu. Schon als Kind erlernte er neben seiner Muttersprache noch Jiddisch, Hebräisch, Polnisch und Deutsch. Bereits im Alter von 15 Jahren veröffentlichte er kleine Artikel über den Talmud und legte damit den Grundstein zu seinem Ruf als Talmudgelehrter. Eine geplante Verheiratung mit seiner Cousine konnte er mit Hilfe seiner Mutter verhindern. 1927 legte er in Wilna, das damals zu Polen gehörte, seine Matura ab und veröffentlichte einen jiddischen Gedichtband. Mit dieser Veröffentlichung erweckte er das Interesse von Chaim Nachman Bialik, einem sehr bekannten jüdischen Autor. An der Universität begann er im gleichen Jahr mit dem Studium der «Wissenschaft des Judentums», welches er 1932 mit seiner Doktorarbeit abschloss und 1933 mündlich geprüft wurde. Weil kurz zuvor die Nationalsozialisten die Macht übernommen hatten, fand er keine Druckerei mehr für seine Doktorarbeit mit dem Titel «Das prophetischen Bewusstsein», die erst 1936 in Krakau erschien. 1937 berief ihn Martin Buber als seinen Nachfolger an das Jüdische Lehrhaus in Frankfurt. 1938 wurde er im Zuge der Deportationen polnischer Juden verhaftet und nach Warschau ausgewiesen, konnte aber nicht mehr einreisen, weil Polen dies auch für polnische Bürger verhinderte. Heschel gelang es, durch Einflussnahme seiner Familie nach Warschau zu kommen und dort bis zum deutschen Überfall auf Polen am Institut für Jüdische Studien zu lehren. Gerade noch rechtzeitig konnte er nach London fliehen, wo sein Bruder Rabbiner war. Ein halbes Jahr später durfte er in die USA ausreisen, wo er im März 1940 ankam. 1945 war Heschel nach New York City gegangen, um eine Professur für jüdische Ethik und Mystik am jüdisch-theologischen Seminar anzunehmen, die er bis zu seinem Tode am 23. Dez 1972 behielt.
Gestorben:
2014 verstarb in Ramat Gan Ariel Sharon, geboren am 26. Febr. 1928 als Ariel Scheinermann in Kfar Malal, britisches Mandatsgebiet Palästina. Mit 13 Jahren beteiligte sich Sharon am aktiven Wachdienst seines Heimatortes und trat ein Jahr später der Hagana bei. Zwischen 1941 und 1945 besuchte er ein Gymnasium in Tel Aviv und trat der «Jewish Settlement Police» bei. Im Unabhängigkeitskrieg diente er in einer Infanteriekompanie, die aber bereits in den ersten Tagen des Krieges fast völlig aufgerieben und er schwer verletzt wurde. Nach seiner Gesundung kehrte er als Aufklärungsoffizier zuerst im Norden des Landes und später an der ägyptischen Grenze zurück. 1952 war erstmals gemeinsam mit Mosche Dajan an Aufklärungsaktionen hinter den feindlichen Linien beteiligt, zog sich aber bald darauf aus dem aktiven Dienst zurück. Nach der Staatsgründung und dem Unabhängigkeitskrieg kam es immer wieder zu Angriffen von Palästinensern, es gab zahlreiche zumeist zivile Opfer. Präsident Ben Gurion gab den Auftrag, die Spezialeinheit «Einheit 101» zu gründen. Sharon wurde mit der Zusammenstellung der Einheit beauftragt und musste sein Studium an der Hebrew University in «Geschichte und Kultur im Nahen Osten» aufgeben. Die Einheit umfasste nur 45 von ihm ausgesuchte Soldaten, die sich in der Folge einem harten Training unterziehen mussten. 1953 integrierte Moshe Dajan die «Einheit 101» in die allgemeine Fallschirmjägertruppe. Nach einem völlig aus dem Ruder gelaufenen Angriff auf das jordanische Dorf Quiba, wo 69 Zivilisten getötet wurden, richteten sich die Angriffe nur noch auf rein militärische Ziele. Immer wieder kam es zu Zwischenfällen, die nicht zuletzt auf seinen aufbrausenden Charakter zurückzuführen waren. Immer wieder stelle er sich gegen direkte Befehle, sodass es auch zu zahlreichen menschlichen Verlusten in seinem Bataillon kam, die nicht notwendig gewesen wären. Die Zwischenkriegszeit verbrachte er teilweise in Grossbritannien, wo er am «Staff College Camberley» studierte. Nach seiner Rückkehr begann er einen Panzer Lehrgang und setzte sein Jura Studium in Abendkursen fort, das er 1966 tatsächlich positiv abschliesst. Sowohl im Sechstagekrieg als auch im Yom-Kippur-Krieg gelang es Sharon, militärische Erfolge zu verbuchen. 1973 war er massgeblich an der Gründung der Likud Partei beteiligt. Knesset Mitglied war er von 1973 bis 1974 und von 1977 bis 2006. Er hatte verschiedene Ministerposten inne. Als Landwirtschaftsminister wurde er ab 1977 zu einem der wesentlichste Fürsprecher der Siedler in Samaria und Judäa. 1982 kam es zu einem folgenschweren Zwischenfall im palästinensischen Flüchtlingslager Sabra und Schatilla. Je nach Standpunkt wurde dort ein Massaker an den Flüchtlingen verübt, bei dem zwischen 460 und 2000 Menschen zum Opfer fielen. Die Untersuchungskommission sah zwar keine unmittelbare Komplizenschaft Sharons mit den Terroristen, warf ihm aber fahrlässiges Unterlassen vor, was zu seinem Rücktritt als Verteidigungsminister führte und ihm heftige internationale Kritik einbrachte, die sich auch gegen Israel richtete. Sharon kritisierte den damaligen PM Jitzchak Rabin wegen seiner Unterstützung des Oslo-Friedensprozesses auf das allerschärfste. Ein Jahr nach dessen Ermordung gewann wiederum der Likud die Wahlen und PM Netanyahu setzte Sharon als «Minister für nationale Infrastruktur» ein. In der Folge kam es zu einer gewaltigen Zunahme für Bautätigkeit in den Gebieten von Judäa und Samaria. Ob sein Besuch auf dem Tempelberg am 28. Sept. 2000 tatsächlich der Auslöser der zweiten Intifada war, darf angezweifelt werden. Zu sehr geplant und orchestriert waren die unmittelbaren Folgen dieses mehr als ungeschickten Auftritts. 2001 und 2003 gewann er die Wahlen zum PM. Es gelang ihm nicht, sein Wahlversprechen, dem Terror ein Ende zu machen, einzuhalten. Stattdessen begann man mit dem Bau des «Sicherheitszaunes». Der palästinensische Präsident Arafat wurde in seinem Amtssitz in Ramallah quasi unter Hausarrest gestellt. Im Dezember 2003 legte Sharon den Abzugsplan aus dem Gazastreifen und Teilen von Judäa und Samaria vor. Die Frage, ob diese Entscheidung eine politische war, um international punkten zu können, oder ob es um eine finanzielle Überbelastung ging, die man reduzieren wollte, wurde nicht mehr geklärt. Noch im Sommer 2005 war der Gazastreifen völlig von israelischen Bürgern geräumt. Im November 2005 zog sich Sharon als PM zurück und trat aus dem Likud aus. Die von ihm neu gegründete Partei trug den Namen «Kadima». Ein Schlaganfall, den er am 1. Dez. 2005 erlitt, führte zunächst zu einer vorübergehenden und am 11. April 2006 zu einer andauernden Amtsunfähigkeit. Sharon lag als Wachkoma Patient bis zu seinem Tod im Chaim Sheba Medical Center, am 11. Januar 2014 verstarb.
Daily Briefing in the Israeli press:
Heute: wenn sich zwei ehemalige MPs vor Gerichte treffen
Kategorien:Aus aller Welt, Israel, Timeline
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