Was geschah am 15. Januar?

13. Shevat 5782

Geboren:

1803 wurde Nathan Marcus Adler in Hannover geboren. Nach der Matura studierte er Theologie und Philosophie an der Universität Erlangen, wo er 1828 promovierte. Einer seiner späteren Lehrer war der 1752 geborene Abraham Bing. Bing war ein Vertreter der Orthodoxie und lehnte das zu Beginn des 19. Jahrhunderts aufkommenden Reformjudentum grundsätzlich ab. Adler erhielt daher eine streng orthodoxe Ausbildung.

Bereits mit 25 Jahren wird er zum herzoglichen Landesrabbiner in Oldenburg ernannt, wechselt aber schon zwei Jahre später nach Hannover. Dort übernimmt er das Landesrabbinat von seinem Vater.

Ein Hauptaugenmerk seiner Arbeit lag auf der Reform des Schulwesens, inklusive der Einführung der Schulpflicht, sowie der Neuordnung der allgemeinen Synagogenordnung. Diese wurde notwendig, weil mit Beginn der Emanzipation und Aufklärung der Juden dringend feste Regeln aufgestellt werden mussten. Bis dahin war u.a. die Geräuschkulisse während der Gottesdienste so hoch, dass sich christliche Nachbarn darüber beschwerten. Teilweise ging es sogar so weit, dass Juden ihre Bethäuser schliessen oder abreissen mussten und bestenfalls in einen anderen, weiter entfernten Stadtteil ziehen mussten. Schlimmstenfalls kam es sogar zur Vertreibung der Juden aus der Stadt. (z.B. Regensburg 1519). Neben dem ungebührlichen Verhalten war auch die Versteigerung von Alyiot[1] gang und gäbe. Diese Unart hat sich in einigen orthodoxen Gemeinden bis heute erhalten.

Nachdem seine Bewerbung für das Rabbinat in Berlin 1842 erfolglos gewesen war, wurde er 1844 zum Chefrabbiner des Britischen Reiches gewählt.

Eines seiner Hauptwerke ist der Kommentar in fünf Bänden zum «Targum Oneklos», der vom Hebräischen ins Aramäische übersetzten Torah. 

1842 wird in Wien Josef Breuer geboren. Nur 22-Jährig wurde er an der Universität Wien zum Doktor der Medizin im Fachgebiet Physiologie promoviert, in dem er sich später auch habilitierte. Zunächst liess er sich als praktischer Arzt nieder. 

Die Behandlung von Bertha Pappenheim, die plötzlich aus zunächst unerklärlichen Gründen ein komplexes Krankheitsbild ausbildete übernahm er im November 1880. Die Krankheit brach aus im Zusammenhang mit dem lebensbedrohlichen Zustand des Vaters. Er behandelte sie mit Hypnose in der Hoffnung ihre Angstzustände damit auflösen zu können. Der Tod des Vaters im Jahr 1882 trägt dazu bei, dass sich die mühsam erworbenen Fortschritte wieder auflösen und sie in ein Sanatorium eingewiesen werden muss. Damit endete die Betreuung durch Breuer. 

Gemeinsam mit Sigmund Freud veröffentlichte Breuer 1895 die «Studien zur Hysterie», die von Freud später als Wurzel und Ausgangspunkt der Psychoanalyse benannt wird. Daher gilt Breuer, gemeinsam mit Freud, als Begründer der Psychoanalyse.

Gestorben: 

1874 verstarb Bernhard Baruch Hirschel, geboren am 15. Januar 1815 in Dresden ebendort. Seine Schulkarriere begann er im Alter von nur vier Jahren in einer jüdischen Grundschule, wo er auch seine Hebräischkenntnisse erwarb. Mit zehn Jahren wechselte er an das Kreuzgymnasium, wo er einer der ersten jüdischen Schüler war. 1832 schloss er dort mit der Matura ab. 

Nachdem er seinen Vater bereits im Jahr 1830 verloren hatte, konnte er sich zunächst kein reguläres Studium leisten und begann seine medizinische Ausbildung an der medizinisch-chirurgischen Akademie. 1834 konnte er, finanziell unterstützt von einem jüdischen Wohlfahrtsfond, sein Studium an der Universität aufnehmen. Anschliessend liess er sich als praktischer Arzt nieder. 

Zwischen 1830 und 1848, dem als Vormärz bezeichneten Zeitraum betätigte er sich auch aktiv in der sächsischen Landespolitik. Er analysierte das Geschehen akribisch und schloss sich 1848 dem Vaterlandsverein an. Nachdem ab 1849 Juden und Christen in Sachsen nahezu gleichgestellt waren, wurde er zum ersten jüdischen Stadtrat gewählt. Der Versuch den sächsischen König Friedrich August II. von Sachsen zu stürzen endete im Maiaufstand. Im Zuge des Aufstands wurde er kurzfristig verhaftet. 

Zwischen 1852 und 1874 war er Herausgeber der Zeitschrift für homöopathische Klinik. Mit seinen Büchern zur Homöopathie sicherte er sich den Ruf als einer der Vorreiter der homöopathischen Medizin. 

1970 verstarb Leah Goldberg, geboren am 29. Mai 1911 in Königsberg, Preussen, in Jerusalem. Während des Ersten Weltkrieges wurde die Familie nach Russland deportiert. Nach der Oktoberrevolution (1917) kehrte Leah Goldberg nach Kauna (Litauen), dem eigentlichen Familiensitz zurück und besuchte dort das Hebräische Gymnasium. 

Nach der Matura studierte sie an der Litauischen Universität semitische Sprachen, Geschichte und Pädagogik. Später wechselte sie an die Friedrich-Wilhelms Universität in Berlin. Promoviert wurde sie 1933 an der Universität in Bonn. Thema ihrer Doktorarbeit war die Übersetzung des samaritanischen Pentateuchs ins Aramäische. Die Samaritaner anerkennen nur die fünf Bücher Mose als ihre Version der Torah an. 

1935 wanderte sie nach Tel Aviv aus. Sie arbeitete dort als literarische Beraterin des staatlichen Habima Theaters. Neben ihrer Tätigkeit als Mitarbeiterin eines Verlagshauses und der Tageszeitung Haaretz war sie auch aktiv in einem Literaturkreis. Ab 1954 dozierte sie an der Hebräischen Universität in Jerusalem, wo sie später der Abteilung für vergleichende Literaturwissenschaften vorstand. 

Goldberg gilt als eine der wichtigsten Dichterinnen und Übersetzerinnen Israels. Dank ihres grossen Sprachtalents, sie beherrschte sieben Sprachen fliessend, konnten sie die Werke von Petrarca, Dante Alighieri, Tolstoi, Rilke und Baudelaire ins moderne Hebräisch übersetzen. Ihr einfacher, leicht lesbarer Stil machte sie sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen sehr beliebt. Viele ihrer eigenen Werke wurde in bis zu 25 (!) Sprachen übersetzt, darunter auch in Sprachen aus der dravidischen, südindischen Sprachenfamilie.


[1] Aliya, Aliyot = damit werden die Segenssprüche während der Thoralesung bezeichnet.



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