19. Shevat 5782
Kultur:
1983 wird posthum das sehr kontrovers diskutierte Bühnenstück von Heinar Kipphart (1922 – 1982) «Bruder Eichmann» im Residenztheater in München uraufgeführt. Kipphart wurde geprägt durch die traumatischen Erlebnisse, die sein Vater, ein überzeugter Marxist durch die Nationalsozialisten erdulden musste. Nach der Matura und dem Pflichteinsatz beim Reichsarbeitsdienst begann er das Medizinstudium in Bonn.
Nach verschiedenen Fronteinsätzen an der Ostfront zwischen 1942 und 1945 desertierte er und versteckte sich in einem Dorf im Siegerland.
Nach dem Krieg setzte er seine Studien in Düsseldorf fort und promovierte im Fachgebiet Psychiatrie mit der Dissertation «Prognose der Intelligenzentwicklung beim Kinde». 1950 wechselte er an die Charité nach Ostberlin und wurde Mitglied der SED. Nach dem Volksaufstand in Ungarn erstarkte der Gegenkurs innerhalb der SED zu gesellschaftskritischen Intellektuellen. 1959 reiste er nach Düsseldorf, was ihm den Ausschluss aus der SED einbrachte. 1961 schloss er einen Lektorenvertrag mit Bertelsmann ab und zog mit seiner Familie nach München. Mit seinem Bühnenstück «In der Sache J. Robert Oppenheimer» gelang ihm in beiden Teilen Deutschlands der Durchbruch.
1933 hatte Kipphart mit 11 Jahren erfahren müssen, welchen Einfluss die Nationalsozialisten mit ihrer menschenverachtenden Barbarei auf die Psyche eines Menschen haben. Als er etwa 30 Jahre später beschloss, sein Stück mit dem Namen «Bruder Eichmann» schreiben zu wollen, löste er damit bei allen, die davon wussten, grosse Empörung aus. Der Titel liess vermuten, dass der einen der schlimmsten Nazi-Verbrecher entdämonisieren wollte. Das lag aber ganz und gar nicht in der Absicht von Kipphart.
Für die Schauspieler war die Aufgabe keine leichte. Regisseur Dieter Giesing beschrieb vor der Uraufführung 1983 «wie schwierig die Proben waren, bei denen die Schauspieler genau das leisten mussten, wogegen sich Kritiker und Zuschauer unisono wehrten: Eichmann als normalen Mitbürger zu sehen, die viel beschworene Banalität des Bösen als alltägliche Erfahrung.» Ohne die Verbrechen Eichmanns zu rechtfertigen zog er aber auch die Schlussfolgerung «Denn die Karriere dieses Mannes ist eine ganz normale deutsche Karriere eines Mittelständlers … einer deutschen Familie, in der halt die Kinder von früh auf Subordination lernen müssen. Und die Eichmannsche Biografie ist geradezu exemplarisch … Viel wichtiger als sagen wir Nazis in Uniform zu zeigen, ist, mal zu zeigen, wer Eichmann war, bevor er Eichmann wurde.»
Nicht von ungefähr finden sich im Text des Stückes zahlreiche Zitate von Hannah Arendts «Banalität des Bösen».
Was geschah in Israel?
1952 geben jüdische Organisationen in den USA ihre volle Unterstützung Israels in der Durchsetzung von Reparationsforderungen gegen Deutschland bekannt.
1957 werden im Austausch gegen 5.850 ägyptische Gefangene der Pilot Jonathan Etkes und drei weitere Soldaten der IDF ausgetauscht.
1976 wird die nationale Buslinie «Eged» kurzfristig stillgelegt. Um das Transportwesen in Israel aufrecht zu erhalten, dürfen Autofahrer gegen eine Gebühr den Personentransport übernehmen.
1979 hält der ehemalige US-Präsident Gerald Ford an der Hebrew University die Ehrendoktorwürde.
Kategorien:Aus aller Welt, Israel, Timeline
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