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19./20. Shevat 5782 20./21. Januar 2022
Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden) 16:23
Shabbatausgang in Jerusalem: 17:43
Shabbateingang in Zürich: 16:53
Shabbatausgang in Zürich: 18:02
Shabbateingang in Wien: 16:19
Shabbatausgang in Wien: 17:29
In Ex 2:16 haben wir gelesen: „Der Priester von Midian hatte sieben Töchter“. In Ex 2:18 hörten wir auch seinen Namen „Reguël“. Moses heiratet eine der Töchter, Zippora. Ihren Erstgeborenen nennen sie „Gerschom“ was soviel bedeutet, wie „ich bin nur Gast in einem fremden Land.“ Im nächsten Kapitel lernen wir Reguël. mit einem anderen Namen, Jitro kennen. Es kann also kein Zweifel daran bestehen, dass es sich um seinen Schwiegervater handelt, der sich zu Beginn dieses Wochenabschnittes auf den Weg machte, um ihn zu treffen. Er traf Moses ungefähr an dem Platz, an dem der den brennenden Dornbusch entdeckt hatte, also wahrscheinlich in der Nähe des Berg Sinai, oder auch Horeb Berg genannt. Wann Zippora mit ihren zwei Söhnen zu ihrem Vater zurückgekehrt ist, bleibt unklar. Der zweite Sohn, Eliëser muss aber nach der Flucht aus Ägypten geboren sein, denn sein Name bezieht sich bereits auf die Rettung der Kinder Israel durch Gott.
Jitro war der Oberpriester der Midianiter. Ob wir seine Aussage in Ex 18:11 als eine Art spontaner Zugehörigkeitserklärung werten können, wäre sicher einer Auseinandersetzung damit wert. „Jetzt ist mir bewusst geworden, Gott ist grösser als alle anderen Götter!“
Am Tag nach dem Wiedersehen beginnt Moses seinen „Gerichtstag“ für die Kinder Israel. Sie müssen, so steht es geschrieben „vom Morgen bis zum Abend vor ihm anstehen“. Welche Tortur in der Hitze der Wüste! Welche Belastung für Körper und Seele!
Jitro war ein kluger Mann und wusste Abhilfe. So, das erkennt er, wird Moses nicht lange durchhalten. Er soll seine Aufgabe als Lehrer weiterhin wahrnehmen und als unmittelbare Verbindung zwischen den Kindern Israel und Gott fungieren. Alle Fragen, die sie an Gott haben, soll er für sie stellen.
Für alle anderen Fälle aber, soll er Menschen aussuchen, von denen er weiss, dass sie unbestechlich, ehrlich und verantwortungsbewusst sind. So, wie es heute verschiedene Arten von Gerichten gibt, von der kleinsten Schlichtungsstelle bis zum Bundesobergerichtshof soll er Gerichtsbarkeiten einsetzen. Dort sollen die von ihm ausgewählten Richter Recht sprechen.
So lernte Moses das, was heute jeder Managementstudent im ersten Semester lernt „Management by delegation“. Nur so ist der schonende Umgang mit den eigenen Ressourcen sichergestellt. Und nichts anderes war Moses, der Manager der grössten Expedition, des grössten Aufbruches in ein unbekanntes Abenteuer. Solange er glaubte, alles allein machen zu müssen, würde er bald überfordert sein. Jitro gab ihm das richtige Werkzeug in die Hand, die Verantwortung, soweit möglich auf vielen Schultern zu verteilen und nur die direkte Kommunikation mit Gott und die Oberaufsicht zu behalten.
Wie wichtig diese Funktion war, erfahren wir im nächsten Kapitel. Drei Monate waren seit dem Auszug aus Ägypten vergangen. Noch sieht alles danach aus, als würde die Wanderung zügig vorangehen. Doch warten wir ab, was in den kommenden Wochen noch geschehen wird.
Moses näherte sich dem Berg. Dort erhält er die erste von vielen Kausalregeln: „Wenn ihr auf meine Stimme hört und meinen Bund haltet, dann werdet ihr unter allen Völkern mein besonderes Eigentum sein.“ (Ex 19:5) Das ist das Angebot Gottes an die Kinder Israel. Wenn ihr tut, was ich von euch verlange, dann bin ich für euch da, wenn nicht, ok, das ist dann aber eure Entscheidung.
Die Kinder Israel stimmen allen Vorgaben einstimmig zu. Sie schienen bereit zu sein für den nächsten Schritt.
Drei Tage später bebte die Erde. Ein gewaltiges Gewitter entlud sich. Gott lud Moses ein, zu ihm auf den Berg zu kommen. Das Volk musste in sicherem Abstand warten. Gott aber sprach aus der dunklen Wolke zu ihnen „Ich bin der Herr, dein Gott!“ Das war der Moment, in dem aus den bisher ohne bindendes Gesetz lebenden Stämmen ein Volk zu wachsen begann. Das Grundgesetz aller Juden, gültig bis heute.
Für die Kinder Israel war dieser Moment zu überwältigend, sie fürchteten sich vor der Stimme Gottes, sie hatten sogar Angst zu sterben.
Gott bekräftigt noch einmal sein Gebot „Du sollst neben mir keine anderen Götter haben“, indem er befiehlt „Ihr sollt euch neben mir keine Götter aus Silber machen, auch Götter aus Gold sollt ihr euch nicht machen.“
Shabbat Shalom!
Kategorien:Aus aller Welt, Religion
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