3. Adar I 5782
Geboren:
1913 wurde Gerhard «Moshe» Mendelson in Berlin geboren. 1946 gründete er das Plattenlabel «Austroton». Das dazugehörende Tonstudio «Austrophon-Schallplatten-Studio GmbH», dessen Infrastruktur nach dem Krieg noch völlig zerstört war, baute er innerhalb kurzer Zeit wieder auf. Horst Winter, ein deutscher Musiker, traf mit seinen Jazz- und Swingbetonten Musikstücken nicht den offiziellen Geschmack Nazideutschlands. Dennoch blieb sein eigenes Orchester weitgehend unbehelligt. «Sie will nicht Blumen und nicht Schokolade,sie will nur immer, immer wieder mich!» war die erste von der Zensur verbotene Platte. 1946 wurde er von Mendelson unter Vertrag genommen.
1948 entdeckte er Evelyn Künneke (1921 – 2001), 1951 folgt Peter Alexander (1926 – 2011), 1956 Peter Kraus (* 1939), 1959 Gus Backus (1937 – 2019).
Mendelsons Bedeutung für den österreichischen Schlagermarkt ist bis heute unbestritten.
Gestorben:
1738 verstarb der Bankier Joseph Ben Issacher Süsskind Oppenheimer, geboren 1698 in Heidelberg, in Stuttgart. Die Auswahl der Berufe in der damaligen Zeit war stark eingeschränkt auf Handel- und Finanztätigkeiten. Landbesitz war weitgehend verboten, ebenso wie die Mitgliedschaft in Gilden und Zünften.
Oppenheimer, der aus einer angesehenen Kaufmannsfamilie stammte, begann sich ein Leben als Financier von zumeist adeligen Personen aufzubauen. Neben dem Geldverleih gehörte auch das Eintreiben von Schulden zu seinen Tätigkeiten. Seinen gesellschaftlichen Aufstieg verdankte er seinen Kunden, für die er immer die letzte Rettung vor dem finanziellen Aus bedeutete, weil Banken nicht mehr einsprangen.
Ein Cousin einer seiner Kunden, Herzog Eberhard von Württemberg, Herzog Karl Alexander ernannte ihn zu seinem Hof- und Kriegsfaktor, abwertend auch als «Hofjude» benannt. 1736 wurde er zum Geheimen Finanzrat und politischen Ratgeber des Herzogs ernannt. Um die Finanzmisere des Landes und die ständige Geldknappheit des Herzogs zu mildern, bemühte er sich, ein neues Wirtschaftssystem aufzubauen. Ziel war es, mit einem deutlich höheren Anteil an Exporten gegenüber den Importen eine günstige Zahlungsbilanz zu erreichen. So gründete er die erste Bank in Württemberg, besteuerte die Bezüge der Beamten, verkaufte zu hohen Preisen Handelsrechte an Juden.
Herzog Alexander stimmte all diesen Massnahmen zu, ohne zuvor die Politiker zu befragen. Oppenheimers eigener Wohlstand und seine harte, wenn auch für den Herzog positive Finanz- und Steuerpolitik weckten Neid und antijüdische Ressentiments. Oppenheimer wollte aus dem Dienst des Herzogs ausscheiden. Dies wurde ihm jedoch verboten, mit der Androhung bei einem Versuch für vogelfrei erklärt zu werden.
Unmittelbar nach dem plötzlichen Tod des Herzogs wurden Oppenheimer festgenommen und unter Hausarrest gestellt. Die Anklage gegen ihn lautete u.a. auf Hochverrat. Am 30. Januar wurde er zum Tode verurteilt. Man bot ihm an, sich zu retten, wenn er zum christlichen Glauben übertreten würde, was er jedoch ablehnte.
Am 4. Februar wurde das Urteil vollstreckt.
Die Person Oppenheimer wurde sowohl künstlerisch, als auch propagandistisch verwertet. Den grössten Bekanntheitsgrad erreichte der von Veit Harlan gedrehte Nazi-Propaganda-Film «Jud Süss». Dieser Film ist eine antisemitische, zu Propagandazwecken missbrauchte Version des 1925 erschienenen Buches gleichen Namens von Lion Feuchtwanger.
Kategorien:Aus aller Welt, Israel, Timeline
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