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3./4. Adar I 5782 4./5. Feb. 2022
Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden) 16:36
Shabbatausgang in Jerusalem: 17:54
Shabbateingang in Zürich: 17:14
Shabbatausgang in Zürich: 18:21
Shabbateingang in Wien: 16:41
Shabbatausgang in Wien: 17:49

Wohnraum ist teuer. Das weiss jeder, der ein Haus gebaut oder sich eine Wohnung gekauft hat. Im Normalfall muss man eine Hypothek aufnehmen, weil man kaum in der Lage ist, den gesamten Kaufpreis selbst aufzubringen.
Öffentlicher Wohnraum, also Gebäude, die der Kommune oder dem Staat dienen, sind ebenfalls teuer. Oftmals übersteigt der tatsächliche Preis den, der ursprünglich budgetiert war. Wie kommt die Kommune oder der Staat zu Geld? Er kann entweder zusätzliche Steuern erheben, was von den Bürgern in der Regel nicht gerne gesehen wird, oder er kann eine Staatsanleihe auflegen, die jeder, der es sich leisten kann und will, zeichnen kann. Das Geld bekommt er nach der vereinbarten Laufzeit der Papiere mit einer mehr oder weniger attraktiven Verzinsung wieder zurück. Dieses Vorgehen funktioniert aber nur, wenn man sich sicher ist, dass der Staat oder die Kommune nur eine Art Überbrückung braucht, dann aber selbst wieder liquide sein wird.
Ist das nicht der Fall, so muss sowohl der private Hausbauer als auch die Kommune oder der Staat Unterstützer für dieses Projekt finden, um es sich mit Spenden finanzieren zu lassen. Für die Spender ist das Geld à fonds perdu.
In diesem Wochenabschnitt lesen wir, dass Gott sich nicht nur Spenden von den Kindern Israel erwartet, sondern auch noch ganz genau vorschreibt, was mit diesen Geldern zu geschehen hat. Die Torah verwendet das Wort תְּרוּמָה truma, Spende. In deutschen Übersetzungen liest man oft «Steuer» oder «Abgabe». Das aber trifft den Auftrag Gottes nicht. Steuern und Abgaben sind festgelegte Summen, abhängig vom Vermögen, dem Einkommen oder auch dem Gewinn. In Ex 25:2 heisst es frei übersetzt «jeder wird so viel geben, wie es ihm sein Herz vorgibt». Also kein Zwang. Nur wer von ganzem Herzen geben will, soll etwas geben.
Auch in dieser Situation erkennen wir wieder das Konzept des freien Willens, der freien Entscheidung. Gott muss sich sehr sicher gewesen sein, dass sein Spendenaufruf gehört wird.
Die nachfolgenden Anweisungen, wie seine «Wohnung», der Mischkan מִשְׁכָּן, das transportable Heiligtum auszusehen hat sind sehr detailliert. Wir erfahren, dass nichts dem Zufall überlassen wurde, von der Konstruktion des Zeltes, über die Bundeslade bis hin zum Leuchter, den wir heute als Symbol des jüdischen Staates Israel kennen.
War das Geld für die Kinder Israel, die so bereitwillig gespendet haben, dass Gott fest damit rechnen konnte, dass seine Baupläne exakt umgesetzt werden würden, wirklich à fonds perdu? Keinesfalls, Gott beauftragt in Ex 25:2 Moses «Nimm für mich eine Spende» und sagt nicht «Gib mir eine Spende». Man kann die Spende also durchaus als Investition in eine gemeinsame Zukunft sehen.
Es ist etwas ganz Neues, das wir hier erfahren. Erstmals in der Geschichte tun die Kinder Israel etwas gemeinsam. Selbstbestimmt, ohne Zwang durch andere. Jeder gab etwas. Und so entstand durch diese gemeinsame Arbeit an einem gemeinsamen Ziel etwas, was bisher fehlte. Aus einer unübersichtlichen Gruppe von Individualisten wuchs langsam ein in sich gefestigteres Volk. Aus den passiven Empfängern von Gottes Plänen und Wohltaten wurde eine schöpferisch aktive Nation.
Shabbat Shalom
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