Jericho, die perfekte Wochenenddestination in der Wüste

8. Adar I 5782

Jericho, im Jordangraben in der Nähe der Grenze zu Jordanien gelegen, ist die tiefst gelegene Stadt der Welt. Mit 250 m unter dem Meeresspiegel liegt sie etwa 200 m höher als das Tote Meer. 

Jericho gilt als die älteste Stadt der Welt. Na ja, Stadt ist vielleicht ein bisschen zu viel gesagt. Ausgrabungen belegen, dass die ersten Siedlungen schon um 10.000 BCE stattfanden. Eine Sicherung der Siedlung mit einer Mauer und einem Turm ist allerdings erst um 8300 BCE belegbar. Jericho wurde immer wieder zerstört und neu aufgebaut. 

Sie ist heute eine lebhafte Stadt mit recht ausgeprägtem Tourismus. 

© Casinos Austria Inernational, Oasis Casino, Jericho

Die österreichische BAWAG (Bank für Arbeit und Wirtschaft) finanzierte 1998 das von den Casinos Austria geführte «Oasis Casino», das nur Israelis und Inhabern ausländischer Pässe offenstand. Der Traum vom schnellen Kapitalgewinn dauerte aber nur kurz. Mit Beginn der Intifada im Herbst 2000 musste das Casino schliessen.

Die Jericho Seilbahn, im Bildhintergrund das Gebirge von Moab

Ein zweites Prestigeprojekt der österreichischen Doppelmayer-Garaventa Unternehmensgruppe wird hoffentlich noch sehr lange existieren. Die Kabinenseilbahn, welche von der Stadt Jericho auf den «Berg der Versuchung» hinaufführt. 

Weiterhin ist Jericho bekannt für seine farbenprächtigen Boden-Mosaike, die aus der Zeit von König Herodes stammen. 

Josef Flavius wusste noch mehr über Jericho zu sagen. Nur hier und in der Wüsten-Oase am Toten Meer, in En Gedi, wüchse der Balsam Strauch. Balsam, die teure Grundlage für Kosmetik und Medizin in der damaligen Zeit. Der Legende nach hat die Königin von Saba, die massgeblich am Bau des ersten Tempels in Jerusalem, dem Salomon Tempel, beteiligt war, ihrem Auftraggeber Salomon Balsam Pflanzen als Geschenk mitgebracht. Mit dem Balsam wurden Könige gesalbt. Mit dem Geruch von verbranntem Balsam wurde auch der von den Tempelopfern in Jerusalem ausgehende «Duft» übertüncht. Der Prophet Amos beschreibt ihn in 5:21-24 als stinkende Beleidigung für Gottes Nase.

Die Ägypterin Kleopatra liess sich die Plantagen vom Nachfolger von Julius Caesar, Marc Aurel, mit dem sie liiert war schenken. Geschäftstüchtig wie sie war, verpachtete sie sie aber wieder an Herodes, der damals die Kosmetikindustrie kontrollierte. Belegt ist die königliche  Parfumerie durch Ausgrabungen aus den 60-er Jahren. 

Vision des zentralen Platzes © PADICO

Und nun, gut 2000 Jahre später hat ein neuer findige Unternehmer Jericho neu entdeckt. Mit einer Investitionssumme von rund 35 Millionen Jordanischen Dinar (etwas 45 Millionen CHF) beteiligt sich die PADICO Holding massgeblich an einem grossangelegten Projekt, dem «Jericho Gate». Geplant wird es u.a. von Hasan abu Shalbak. Geplant ist das Projekt in einer Mischung aus 11-stöckigen Gebäuden, Villen, Malls, Wasserpark, Freizeitangeboten, Hotels und Restaurants. 

Projektplan © PADICO

Und das alles mit Blick auf das Gebirge von Moab auf der jordanischen Seites des Toten Meeres und auf das 200m tiefer gelegene Tote Meer. Jerusalem ist in weniger als einer Stunde auf der gut ausgebauten Schnellstrasse Nr. 1 erreichbar.

Einer der zukünftigen Eigentümer von Zweitwohnungen in Judäa, Khaled, möchte nicht genannt werden. Er lebt als arabischer Israeli in Umm al-Fahm, einer rein arabischen Stadt im Bezirk Haifa. Es ist rechtlich absolut unproblematisch, dort, wo die PA die völlige Kontrolle in der sogenannten Area A hat, Grundbesitz zu haben. Trotzdem könnte er mit beiden Behörden, der israelischen und der palästinensischen Probleme bekommen. Und wer will das schon?

Neben dem projektierten Jericho Gate, sind Rawabi, die erste geplante Stadt, die in der Endausbauphase bis zu 40.000  Menschen beheimaten soll, Tulkarem, Rafidia in Nablus und Jenin die Lieblingsdestinationen. Tulkarem und Jenin sind Standorte der American University, mehr als die Hälfte der Studenten sind arabische Israelis. 

Khaled zahlte US$ 171.000 für sein 200 m2  grosses Appartement. US$ 76.000 davon investierte er in die Arbeit eines lokalen Innenarchitekten, den technischen high-end Ausbau und den individuell geplanten und durchgeführten Innenausbau.

Das ist ein Bruchteil der Summe, die er in Israel, selbst in unattraktiven Gegenden hätte für etwas Vergleichbares zahlen müssen. Seiner Einschätzung nach hat bereits jeder 5. arabische Israeli Grundbesitz in Judäa oder Samaria.

In Israel gibt es zu wenig Wohnraum, und der, der vorhanden ist, ist weitaus überteuert. 



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