11. Adar I 5782
Geschichte:
1953 explodierte im Hof der sowjetischen Botschaft in Tel Aviv eine Bombe. Die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Staaten, die seit 1949 stark getrübt waren, wurden daraufhin abgebrochen. Jedoch wurden sie bereits im Juli des Jahres wieder aufgenommen.
1958 wird das Grundgesetz Israels, das Basic Law einstimmig von der Knesset angenommen. In diesem Gesetz wird festgeschrieben, dass die Knesset der Sitz des politischen Repräsentantenhauses des Staates Israel ist und 120 Mitglieder umfassen wird. Massgebliche Entscheidungsmöglichkeiten werden ebenfalls definiert. Wahlsystem, Wahlrecht, Amtszeiten der Mitglieder, deren parlamentarische Immunität, aber auch die Einrichtungen der bis heute arbeitenden Komitees basieren auf den damaligen Vorgaben. Für die Änderung des Wahlrechtes braucht es bis heute 61 Stimmen, also die einfache Mehrheit.
Geboren:
1936 wird Benjamin Ben Eliezer in Basra, Irak geboren. Zwischen 1954 und 1984 fungierte er auf verschiedenen Positionen in der IDF. Nach dem obligatorischen Wehrdienst wurde er Berufssoldat. Zunächst diente er in der Eliteeinheit «Golani-Brigade» und besuchte gleichzeitig das IDF Command and Staff College sowie das Israel National Defense College. Während des Sechs-Tage-Krieges befehligte er den militärischen Aufklärungsdienst. 1970 – 73 war er Angehöriger der Militärmission in Singapore. Während des Jom-Kippur-Krieges wurde er verletzt. 1977, während des Bürgerkrieges im Libanon, war er als kommandierender Offizier auch zugleich Verbindungsmann zu den christlichen libanesischen Milizen. Ab 1978 lag sein Aufgabengebiet in Judäa und Samaria.
Ab 1982 engagierte er sich in der neu gegründeten Partei «Bewegung für das Erbe Israels», einer klassischen sephardischen Partei, die sich für die Gleichheit aller Bürger, gleich welcher Religion, Ethnie oder Nationalität sie auch seien. Die Partei trat nur zweimal bei den Wahlen an (1981 und 1984). Die Erfolge blieben gering, viele Mitglieder wechselten zur Shas, der Gründer der Partei, Aharon Abuhatssira wechselte zum Likud. Ben Eliezer wechselte in die ebenfalls neue Partei der Mitte, Yachad. Für diese Partei wurde er erstmals in die Knesset gewählt. Auch diese Partei bestand nicht lange und ging in der Allianz HaMa’arach auf einer Vereinigung von Parteien der politischen Mitte. Unter den beiden PM Jitzchak Rabin, s’’L, und Shimon Peres, s’’L, war er Wohnungsbauminister.
Nachdem er fliessend Arabisch sprach, wurde er von PM Rabin zu Geheimgesprächen nach Tunis zu Jassir Arafat geschickt.
Während der Regierungszeit von PM Ariel Sharon, s’’L, diente er als Verteidigungsminister und Parteivorsitzender der Arbeiterpartei.
2014 legte er sein Mandat in der Knesset krankheitsbedingt nieder. Er verstarb am 28. August 2016 in Tel Aviv.
1942 wird Ehud Barak im Kibbuz Mischmar HaScharon, nordöstlich von Netanja geboren. Der Kibbuz war von seinem Vater, einem Einwanderer aus Litauen, gegründet worden. Nach der Matura absolvierte er ein Mathematik- und Physikstudium an der Hebrew University in Jerusalem, welches er 1968 mit dem Bachelor abschloss. An der Stanford University in Californien erwarb der den Master als Wirtschaftsingenieur.
Er war bis 2003 mit seiner ersten Ehefrau Nava verheiratet und hat mit ihr gemeinsam drei Töchter. Seit 2007 ist er in zweiter Ehe mit Nili Priel verheiratet.
Seit 1953 diente er bis 1994 in der IDF. Im Sechs-Tagekrieg war er Kommandant einer Aufklärungseinheit. Im Yom Kippur-Krieg befehligte er ein Panzerbataillon am Sinai und unmittelbar an der Front am Suez Kanal. Zeitgleich wurde er zum Generalmajor ernannt. 1991 erfolgte die Ernennung zum Generalleutnant, dem höchsten Rang innerhalb der IDF.
Nach dem Terroranschlag auf das Olympiateam in München im Jahr 1972 war er Kommandant der Sondereinheit «Caesarea» und deshalb verantwortlich für zahlreiche Vergeltungsmassnahmen. Er war aber während der Zeit nicht Mitglied des Mossad, sondern nach wie vor aktiver Soldat in der IDF.
1994 spielte er eine massgebliche Rolle im Friedensabkommen mit Jordanien. Barak gilt als der höchst ausgezeichnete Soldat seit der Staatsgründung.
1994 berief ihn PM Jitzchak Rabin, s’’L, in die Knesset. Er galt lange Zeit als sein möglicher Nachfolger und diente als Innenminister. Nach der Ermordung Rabins wechselte er ins Amt des Aussenministers. 1997 wurde er Parteivorsitzender der Arbeiterpartei.
1999 gewann er mit 56.08 % die Wahl zum PM gegenüber seinem Gegner Benjamin Netanjahu. Sein grosses Ziel, die Friedensverhandlungen mit den Palästinensern wieder anzukurbeln erreichte er nicht. Unvergessen sind die Szenen in Camp David, in denen der damalige US-Präsident Bill Clinton versuchte, Jassir Arafat mir «leichter Gewalt» wieder in den Verhandlungsraum zu begleiten. Die Bemühungen im Jahr 2000 mussten als gescheitert beendet werden.
Ehud Barak ist ein exzellenter Klavierspieler, der sich nach eigenen Aussagen mit der Musik von Chopin vor den Treffen mit PLO Führer Yassir Arafat beruhigte.
Als im Herbst 2000 angeblich wegen des nicht bewilligten Besuches von PM Kandidat Ariel Sharon, s’’L, auf dem Tempelberg die zweite Intifada begann, sank die Zustimmung zur Politik Baraks dramatisch. Im Januar 2001 verlor er die vorzeitige Wahl zum PM gegen seinen Kontrahenten Sharon.
Sein politischer Stern und damit auch der der Arbeiterpartei begann weiter zu sinken. Bei den Wahlen im Jahr 2010 holte er für sie nur 10/120 Sitzen in der Knesset. 2011 versuchte er nochmals einen Neustart mit der von ihm gegründeten Partei «Unabhängigkeit». Vier der zwölf Knesset Abgeordneten folgten ihm.
2012 gab Barak seinen Austritt aus der Politik bekannt. Noch einmal versuchte er das Comeback und liess sich für die Wahlen im September 2019 auf Platz 10 des linken Wahlbündnisses «Demokratische Union» aufstellen. Bei den Wahlen gab es aber nur genügend Stimmen, um die ersten fünf Mitglieder in die Knesset zu schicken.
In einem Interview mit der Tageszeitung Ha’aretz wird die Frage gestellt, ob er, wie so oft behauptet wird, autistische Züge hat. Ari Shavit schreibt dazu in einem Artikel von 2002 «Ehud Barak, du sagst immer wieder, dass wir der Realität offen ins Auge schauen müssen. Bist du in der Lage, dies zu tun und zu sagen ‘ja, ich habe versagt’?» «Wenn ich das Gefühl hätte, versagt zu haben, dann absolut!» «Also bist du nicht gescheitert?» «Definitiv nicht. Ich habe es auf mich genommen, bestimmte Aufgaben zu erledigen, die richtig und wichtig waren. Es gab einige Dinge, bei denen wir wünschenswerte Ergebnisse erzielten, und andere, bei denen wir dies nicht taten. Aber selbst, wenn die Ergebnisse nicht wünschenswert waren, das bedeutet nicht, dass wir versagt haben – es bedeutet, dass dies die Realität ist, in der wir leben. Ich habe die Realität, in der wir leben, klargestellt.» Wer so reflektiert nachdenkt, kann kein Autist sein, vielleicht fehlt ihm einfach ein wenig die Selbstkritik. Das ändert aber nichts daran, dass er einer der grossartigsten Persönlichkeiten Israels ist.
Auch, wenn das rechte Politiker und Journalisten nicht einsehen wollen.
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