Was geschah am 14. Februar? 

13. Adar I 5782

1896 erschien das erste grosse Werk von Theodor Herzl (1860 – 1904) «Der Judenstaat».

Herzl hatte dieses Buch unter dem Eindruck der Dreyfuss Affaire (s. 5. Januar/Timeline) geschrieben. Seine feste Überzeugung war es, dass die Juden einen jüdischen Staat, den ersten in der Neuzeit[1] gründen müssten. Nur so könnten sie dem zunehmenden Antisemitismus entgegensteuern.

Herzl gilt als Begründer des politischen Zionismus.

Er selbst verstand seine Vorstellungen einer «modernen Lösung der Judenfrage», so lautete der Untertitel, nicht als Utopie sondern als pragmatisches Konzept, um die «jüdische Volkspersönlichkeit» zu erhalten. 

Eine Ansiedlung von Juden als Bauern in anderen Ländern lehnte er ab. Als Begründung formulierte er, dass einerseits der Bauernstand am Abnehmen und eine Rückkehr zu alten Gesellschaftsstrukturen nicht vorstellbar sei. Eine völlige Assimilation, als ein völliges Aufgehen in der nicht-jüdischen Gesellschaft schien ihm ebenfalls absurd, würde es doch das Aufgeben aller jüdischen Werte bedeuten. 

Seine Pläne für einen Judenstaat sind detailliert. Als mögliche Orte für die Staatsbildung sieht er Argentinien oder Palästina. Seine Idee ist es, die «Jewish Company» zu gründen, die durch den Ankauf von Land die Voraussetzungen für eine Ansiedlung schaffen soll. 1 Milliarde Goldmark sollten einer Meinung nach dafür ausreichend sein. 

Tatsächlich fand man in den Archiven in Wien ein undatiertes Dokument, das als Entwurf einer Beziehung zwischen der «World Zionist Organization» und der ottomanischen Regierung darstellt. Es beschreibt detailliert die «Privilegien, Rechte, Verantwortlichkeiten und Pflichten der Jewish-Ottomanischen Land Company». Beteiligt an diesem Entwurf waren Theodor Herzl und Arminius Vámbéry, ein ungarisch-jüdischer Orientalist. Dieser war sowohl eng mit Herzl, als auch mit Abdul Hamid, dem ottomanischen Sultan befreundet. 

Arbeiterwohnungen sollten gebaut und Arbeitsplätze für unqualifizierte Arbeiter geschaffen werden. 

Interessant ist sein Ansatz für die täglichen Arbeitszeiten. So sieht er einen regulären Arbeitstag mit nur sieben Stunden vor. Das klingt so, als wäre er damit seiner Zeit weit voraus. Bei genauem Hinsehen entpuppt sich aber der Arbeitstag im Rhythmus von

3 ½ Arbeit + 3 ½ Freizeit + 3 ½ Arbeit + 3 ½ Freizeit als verwirrend und auch nicht arbeitnehmerfreundlich. Die neue Nationalfahne sollte sieben goldene Sterne auf weissem Grund aufweisen. Sieben goldene Stern für sieben tägliche Arbeitsstunden. «Denn im Zeichen der Arbeit gehen die Juden in das neue Land.»

Interessant ist der Ansatz Herzls, dass jeder Bewohner des neuen Judenstaates die Besonderheiten seiner bisherigen Heimat in die neue Gemeinschaft einbringen solle. Durch diese Massnahme sollte die Integration in das neue Leben erleichtert werden. 

In seinem zweiten grossen Werk «Altneuland», welches im Jahr 1902 erschien, beschreibt er ausführlich seine Vorstellung einer demokratischen Regierung in der neuen Heimat. Referenden, heute in demokratischen Staaten unabdingbarer Teil der Politik, lehnte er ab «… denn in der Politik gibt es keine einfachen Fragen, die man nur mit Ja oder Nein beantworten kann.»

Das grösste Problem schien das der Wahl der Sprache zu sein. In Herzls Umfeld sprachen die meisten Menschen Deutsch, auch Jiddisch waren vielen noch recht geläufig. «Wir können doch nicht Hebräisch miteinander reden. Wer von uns weiss genug Hebräisch, um in dieser Sprache ein Bahnbillett zu verlangen?» Hier war Herzl sehr optimistisch. Zur Zeit der Veröffentlichung des Buches bestand in Palästina nur eine 68 km lange Eisenbahnstrecke zwischen Jaffa und Jerusalem. Das Problem der «Sprachlosigkeit» kennt auch heute noch jeder Neueinwanderer…..

Bei der Wahl der Sprache lag er hingegen völlig daneben. Eliezer Ben-Jehuda (s. 7. Januar) gilt als der grösste Forscher und Lehrer des modernen Hebräisch. Ab 1922 wurde Hebräisch, gemeinsam mit Arabisch und Englisch zur Nationalsprache erhoben. 

Die Trennung von Religion und Staat war ihm ebenfalls ein grosses Anliegen. Die Politik der vergangenen Jahrzehnte, in denen die religiösen Parteien stets das Zünglein an der Waage waren und in dem ultra-orthodoxe Männer jede Entscheidung massgeblich beeinflussten, wären ganz und gar nicht in seinem Sinne gewesen. 

Ein letztes Zitat könnte nicht besser auf die heutige Zeit passen. «Und fügt es sich, dass auch Andersgläubige, Andersnationale unter uns wohnen, so werden wir ihnen einen ehrenvollen Schutz und die Rechtsgleichheit gewähren.» Hierzu möchte ich nur sagen:

«Wenn ihr wollt, ist es kein Traum»


[1] Im Altertum gab es kleinere jüdische Königreiche auf der arabischen Halbinsel und in Eurasien bei den Khazaren



Kategorien:Aus aller Welt, Timeline

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