15. Adar I 5782
Geboren:
1932 wird Aharon Appelfeld in Zhadova, Königreich Rumänien geboren. Er wuchs dreisprachig auf, mit den Eltern sprach er Deutsch, mit den Grosseltern Jiddisch und mit den Nachbarn und Freunden Ukrainisch.
Als der Knabe acht Jahre alt war, wurde seine Mutter Rebecca von Antisemiten umgebracht. Sein Vater und er wurden in ein KZ verschleppt. Appelfeld nannte es nicht KZ, er nannte es «Zwangsarbeitslager», wo er von seinem Vater getrennt wurde. Es gelang ihm, sich zunächst in den dichten Wäldern zu verstecken und später auf Bauernhöfen als Hilfskraft zu arbeiten.
1944 schloss er sich der nach Westen ziehenden Roten Armee als Küchenhelfer an. Seinem deutschen Namen Erwin, seinen blonden Haaren blauen Augen verdankt er es, dass er die Shoa überlebt. Er geht problemlos als Ukrainer durch.
Nach dem Ende des Krieges kam er zunächst in ein Lager für Displaced Persons in Italien und von dort aus 1946 mit anderen Flüchtlingen nach Palästina, lernte zunächst Hebräisch und erlangte die Hochschulreife und studierte an der Hebrew University in Jerusalem.
1950 erfuhr er vom Überleben seines Vaters Michael, knapp nachdem dieser aus der Sowjetunion nach Israel auswanderte.
Ende der 50er Jahre veröffentlichte er seine ersten Erzählungen in hebräischer Sprache. Seine Werke stellen mehrheitlich eine Aufarbeitung seiner Kindheit dar, die von vielen Verlusten geprägt war. Auch die Schilderung des Schicksals von Überlebenden der Shoa prägte seinen Schreibstil und hatte durchaus autobiografische Züge.
Seine Werke hat er allesamt in der hebräischen Sprache verfasst es sei ihm «nicht nur paradox, sondern auch tragisch erschienen, in der Sprache der Mörder zu schreiben». Seine Sprache ist fast verstörend einfach und unprätentiös. Das Buch «Der Mann, der nicht aufhörte zu schlafen» ist seine Rekonstruktion eines Aufenthaltes in einem Lazarett, in dem der junge Mann liegt, während draussen der junge Staat Israel erstmals um sein Überleben kämpft. Es beschreibt den Weg des jungen Flüchtlings, der zunächst in einem Lager lebt und dann in einem zionistischen Vorbereitungslager für sein Leben in der neuen Heimat geschult werden soll. Oft schimmern Träume des jungen Mannes durch die Erzählung. Je mehr er beginnt, sich in der neuen Heimat einzufinden, desto mehr entgleitet ihm seine Vergangenheit.
„Meine Muttersprache ging mir allmählich verloren, und die hebräischen Wörter tauchten in mich ein, erweiterten meine innere Welt und verbanden mich mit dem Boden und den Bäumen. Es gab keinen Zweifel mehr: Mein früheres Leben würde verschwinden»
Und genau das wollte er nicht. Er hat sich der völlig überflüssigen Forderung seiner Ausbildner zunächst in Palästina und dann in Israel, seine Vergangenheit zu vergessen und sich nur noch auf die Zukunft zu konzentrieren, erfolgreich widersetzt. In 46 Büchern, die er im Versuch, seine beiden Leben ineinander zu verflechten geschrieben hat.
Von 1975 bis zu seiner Emeritierung lehrte er hebräische Literatur an der Ben-Gurion-Universität in Be’er Sheva.
1983 erhielt er den Israel Preis.
Bis zu seinem Tod am 4. Januar 2018 lebte er mit seiner Frau im Jerusalemer Vorort Rechavia.
Tektonik:
2022 Zum zweiten Mal innerhalb eines Monats wurde Israel von einem Erdbeben erschüttert. Am 22. und 23. Januar waren bereits zwei Beben mit Epizentrum in Tiberias mit einer Stärke von 3.5 und 3.7. registriert worden. Sicherheitshalber wurden einige Gebäude evakuiert. Meldungen über Schäden oder gar Verletzte gab es keine.
Gestern Abend kam es erneut zu einem Beben mit der Stärke 3.1. und in den heutigen frühen Morgenstunden folgte eines mit der Stärke 3.5. Diesmal lag das Epizentrum in der Nähe des Jordans auf Höhe von Beit Shean.
Das neu installierte Warnsystem wurde nicht ausgelöst, weil die Erschütterungen als zu gering und daher als ungefährlich eingeschätzt wurden.
Israel ist durch seine Lage nahe der Grenze zwischen der arabischen und der afrikanischen Platte besonders gefährdet. Der nördliche Teil des «Grossen afrikanischen Grabenbruchs» verläuft genau entlang des Jordantales.
Geologen warnen schon lange davor, dass Israel von einem sehr starken Beben betroffen sein wird. Niemand kann vorhersagen, wann dies stattfinden wird. Bisher lagen die Intervalle bei etwa 80 Jahren. Das letzte registrierte starke Beben fand vor bereits 100 Jahren statt.
Politik:
2022 Das am 15.09.2020 in Washington ratifizierte Abraham Abkommen schien seit der Unterschrift nichts als ein Stück Papier, dem jede relevante Umsetzung fehlte. Auf dem Papier wurde zwischen Israel, den VAE und Bahrain, später auch mit dem Sudan und Marokko ein Vertrag abgeschlossen, der einem Friedensvertrag nahezukommen scheint. Nur, dass es mit diesen Staaten nie einen Krieg gab und gemeinsame Grenzen sucht man auch vergebens. Wie also muss man die Verträge einordnen? Politisch betrachtet sind es Normalisierungsvereinbarungen, die vor allem der Wirtschaft nutzen. Und das, man muss es klar im Auge behalten, auch und vor allem der US-amerikanischen und dort nicht zuletzt den Unternehmen der Familien Kushner und Trump. Kushner wurde gestern als Kandidat für den Friedensnobelpreis nominiert – von einem republikanischen Kongressmitglied.
Doch nun werden die bisher inhaltsleeren Verträge mit politischem Leben gefüllt. Derzeit ist PM Bennett in Bahrain zu Besuch. Er trifft dort auf König Hamad bin Isa Al Khalifa und auf den facto Regierungschef Kronprinz und PM Salman Bin Hamad al Khalifa. Neben diesen Treffen fanden auch Arbeitsgespräche zwischen der israelischen Delegation und den Kollegen aus Bahrein statt.
Bereits im Dezember 2021 war PM Bennett zu Gast in den VAE, wo er von PM Kronprinz Scheich Mohamed Bin Zayed und Aussenminister Scheich Abdullah bin Zayed Al Nahyan empfangen wurde.
Als zweiter Gast aus Israel besuchte Präsident Herzog die Emirate im Januar. Er reiste mit seiner Ehefrau Michal an, was dem Besuch die Bedeutung eines Staatsbesuches gab.
Es ist wohltuend, dass PM Bennett seine Besuche bisher, ganz im Gegensatz zu seinem Vorgänger, grundsätzlich ohne seine Ehefrau antritt.
2022 Heute ist die Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses Nancy Pelosi in Israel eingetroffen. Mehr dazu morgen.
Kategorien:Aus aller Welt, Israel, Timeline
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