21. Adar I 5782
Gestorben:
1217 verstarb Jehuda ben Samuel, auch genannt Jehuda haChassid (Jehuda der Fromme), geboren um 1145 in Speyer, in Regensburg.
Er gehörte zur Familie der Kalonymiden, die ursprünglich aus Lucca (Italien) und später aus der Provence kamen. Kalonymiden leitet sich vom Griechischen ab und bedeutet, ähnlich wie das Hebräische «shem tov» «guter Name».
Er war im Hochmittelalter, zur Zeit der Judenverfolgungen während der Zeit der Kreuzzüge, ein bedeutender Vertreter der «Chaside Ashkenas». Diese Gruppe setzte in der Zeit der andauernden Bedrohung für ihr Leben der streng-rationalen Lehre der Rabbinen eine mystisch-spirituelle Frömmigkeit entgegen. Eine persönliche Frömmigkeit und Askese, die sogar den Suizid als letztes Mittel, um einer Zwangskonversion zu entgehen, in Kauf nahm.
Wahrscheinlich wurde er in Speyer verfolgt und floh um 1195 nach Regensburg, wo er eine Talmudschule gründete. Durch die Anerkennung und den hohen Bekanntheitsgrad gelang es der jüdischen Gemeinde, Kontakte bis zu den Gemeinden in Prag und Krakau zu knüpfen. Nachgewiesen sind auch Kontakte nach Wien, Salzburg und Worms.
Sein bedeutendstes Werk «Sefer Chasidim» «Das Buch der Frommen», gilt heute noch als «eines der bedeutendsten und denkwürdigsten Produkte der jüdischen Literatur, welches es erlaubt, tief in das wirkliche Leben einer jüdischen Gemeinschaft in allen ihren Äußerungen Einblick zu gewinnen» (Zitat von Gershom Sholem). Das Buch ist, im Gegensatz zu den ansonsten streng rationalen rabbinischen Schriften eine Auseinandersetzung mit schwer interpretierbarer Mystik und Esoterik. Allerdings fanden seine Schriften kaum Eingang in die moderne jüdische Lehrliteratur.
Um seine Person ranken sich zahlreiche Legenden.
Als Jugendlicher zeigte er, zum Kummer seines gelehrten Vaters, keinerlei Interesse an der Religion und den täglichen Gebeten. Aber er war ein begabter und begeisterter Bogenschütze, der lieber diesem Hobby nachging, anstatt sich von seinem Vater unterrichten zu lassen. Mit 18 Jahren wurde er plötzlich erleuchtet und begann zahlreiche Wunder zu vollbringen. Er konnte die Kinderlosigkeit einer jungen Frau heilen, wusste genau, in welchem Jahr der Staat Israel gegründet werden würde und verhinderte die Zwangstaufe eines kleinen jüdischen Kindes. Am spektakulärsten dürften aber zwei Ereignisse gewesen sein. So hat der Prophet Elias nicht nur an seinem privaten Seder Abend teilgenommen und ihn anschliessend auch in der Synagoge besucht. In der Chronik der Gemeinde zu Worms wird berichtet, dass ein Fuhrmann seine Mutter, die mit ihm schwanger war, in der engen Gasse neben der Synagoge zu überfahren drohte. Sie wurde gerettet, indem sie sich an die Mauer der Synagoge drückte, die sich daraufhin nach innen verschob. Die Stelle in der Mauer ist heute noch erkennbar.
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