Was geschah am 26. Februar? 

26. Adar I 5782

Geboren:

1928 wird Ariel Sharon (Ariel Scheinerman) in Kfar Saba geboren (s. «Was geschah am 11. Januar»)

Gestorben:

1969 verstarb Levi Eshkol (Levi Schkolnik), geboren am 25. Oktober 1895 in Oratiw, Russisches Reich, in Jerusalem. Zunächst besuchte er eine traditionelle jüdische Schule und maturierte später am Hebräischen Gymnasium in Vilnius (Litauen).

1914 wanderte er nach Palästina aus, welches damals noch zum Osmanischen Reich gehörte. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Freiwilliger bei den «Königlichen Füsilieren der Britischen Armee».

Im Jahr 1920 gehörte er zu den Mitgründern des Kibbuz «Degania B» am See Genezareth. Dieser traditionelle Kibbuz liegt in unmittelbarer Nähe von «Degania A», welcher am 28.10.1910 als erster Kibbuz von zionistischen Einwanderern aus Weissrussland gegründet worden war. 

Ab 1921 engagierte Eshkol sich intensiv in der Gewerkschaft «Histadrut» (Zusammenschluss). Diese Dachorganisation war im Dezember 1920 von David Ben Gurion in Haifa gegründet worden. Während in den 70er Jahren der Anteil der dort eingeschriebenen Arbeiter noch bei 80 % lag, gibt es im Jahr 2022 nur noch etwa 800.000 Mitglieder. Diese Organisation war sozialistisch-zionistisch orientiert, die für ihre Mitglieder genossenschaftliche Strukturen aufbauen wollten, um eine jüdische Arbeiterklasse in Palästina zu begründen. Auch die arabischen Arbeitnehmer konnten den von der Histadrut geschaffenen Organisationen «Palestine Arab Workers Society» beitreten. Die Schwerpunkte umfassten zahlreiche noch heute bedeutsame Bereiche:

  1. Sozialer Wohnungsbau – die Wohnung konnten entweder sehr günstig gemietet oder gekauft werden.
  2. Kupat Cholim – die erste Krankenkasse, in der jeder pflichtversichert ist, und die auch Krankenhäuser und Altersheime, sowie Erholungsheime betreibt. Heute gibt es mehrere Krankenkassen mit einem ähnlichen Angebot. Die Erholungsheime waren irgendwann nicht mehr zeitgemäss. Ein Beispiel für einen gelungenen Umbau ist das Hotel Elma in Zirchron Yaacov.
  3. Den Mitgliedern der Gewerkschaft vorbehaltene Lebensmittelläden.
  4. Aufbau des Verkehrsnetzes der Busgesellschaft Egged. Seit 2007 betreibt Egged Tochtergesellschaften in Warschau und Krakau und seit 2011 die EBS Busse in den Niederlanden. Schade, dass sie ihre Gewinne im Ausland und nicht in Israel investieren!
  5. Gründung der Bank HaPoalim (Bank der Arbeiter)
  6. Betreiben des Sportverbandes HaPoel (der Arbeiter) 

1951 wurde er erstmals für Mapei, der Vorgänger Partei der heutigen Arbeiterpartei in die Knesset gewählt und fungierte als Landwirtschaftsminister und später auch als Finanzminister.

Sein besonderer Verdienst aus dieser Zeit ist die Umsetzung des nationalen Wasserprojektes, das die sichere Versorgung mit Wasser in allen Landesteilen gewährleistete.

Nach dem Rücktritt Ben Gurions im Jahr 1963 wurde er zu seinem Nachfolger und zum Verteidigungsminister gewählt. Er besuchte als erster israelischer PM die USA auf Einladung von US-Präsident Lyndon B. Johnson. Nach seinem Besuch im Jahr 1964 begannen die USA erstmalig, Waffen an Israel zu verkaufen.

1965 nahm Israel diplomatischen Kontakt mit der Bundesrepublik Deutschland auf und ermöglichte es durch kulturelle Kontakte mit der Sowjetunion, dass jüdische Bürger nach Israel ausreisen konnten. 

Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich Anfang 1969 rapide, was der israelischen Bevölkerung jedoch verheimlicht wurde, so dass sein Tod für sie völlig überraschend kam. 

1972 verstarb Margarete Tietz, geboren am 31. August 1887 in Berlin, in London. Die Grundschule absolvierte sie in Berlin und besuchte anschliessend die Höhere Töchterschule. Nach deren Abschluss begann sie eine pädagogische Ausbildung und unterrichtet später Kinder aus finanziell schwachen Häusern.

1909 heiratete sie Leonhard Tietz, den Sohn von Alfred Tietz, der 1882 das bekannte Warenhaus HERTIE in Gera gegründet hatte. Der Name des Kaufhauses setzt sich zusammen aus Hermann Tietz, des Onkels und Geldgebers des Unternehmensgründers. Der vollständige Unternehmensname lautete «Garn-, Knopf-, Posamentier-, Weiß- und Wollwarengeschäft Hermann Tietz». Dieses Kaufhaus zeigte schon alle Merkmale moderner Einkaufstempel. Festgelegte Preise, kein Anschreiben, ein breit gefächertes Angebot.  Die Kette expandierte bis zur Weltwirtschaftskrise 1929 in ganz Deutschland und schrieb einen Jahresumsatz von etwa 300.000 Reichsmark. Damit war es laut Selbsteinschätzung «der grösste Warenhauskonzern in Europa im Eigenbesitz». Dass ein Grossteil des Unternehmensbesitzes durch Bankkredite abgesichert war, schien nicht zu interessieren. Ab 1933 fand die progressive Enteignung, man nannte das euphemistisch «Arisierung» der Familie Tietz statt und wandelte das Unternehmen in die «Hertie-Kaufhaus-Beteiligungs-Ges.m.b.H.» um. 1934 erzwangen die Banken das Ausscheiden aller noch im Unternehmen beschäftigten Gesellschafter der Familie Tietz. Das mit 21.5 Millionen RM (1 RM im Jahr 1934 entspricht heute  € 4.6) schon stark unterbewerte Unternehmen wurde um lachhafte 1.5 Millionen verkauft. Die Beibehaltung des Namens «Hertie» muss als Propaganda der Nationalsozialisten verstanden werden, die damit die traditionelle und respektvolle Fortführung ehemals jüdischer Unternehmen vorgaukeln wollten. 

Margaretes Ehemann übernahm kurzfristig die Leitung des Familienunternehmens, bis er zum Einsatz im Ersten Weltkrieg wehrverpflichtet wurde.  

Während des Ersten Weltkrieges engagierte sie sich im Vaterländisches Frauenverein, einer von Kaiserin Augusta gegründeten sozialen Organisation, studierte an der Hochschule für kommunale und soziale Verwaltung und setzte ihre Unterrichtstätigkeit fort.

Nach Kriegsende lag ihr Schwerpunkt auf der Mitarbeit, Förderung und Gründung verschiedener sozialer Projekte, allein oder gemeinsam mit ihrem Mann. Besonders hervorzuheben ist ihr Engagement bei der Tochter Loge innerhalb der Grossloge des B’nai B’rith (UOBB), Schwesternbund der Rheinland- und Moriahloge. Hier wurden jüdische Volksküchen, Ferienlager, der Verband für das Mütter- und Kinderrecht und andere Anlaufstellen für jüdische Frauen eingerichtet. Während der Weltwirtschaftskrise wurden täglich bis zu 800 Personen in Volksküchen und Kantinen versorgt.

1933 floh die gesamte Familie nach Amsterdam, nachdem sie nicht nur wirtschaftlich alles verloren hatten, sondern auch alle Vereinsämter hatten aufgeben müssen.

1934 gründeten sie den Club of Refugees in Amsterdam, der Emigranten vor der Ausreise nach Grossbritannien und in die USA unterstützte. 1940, unmittelbar vor dem Einmarsch der Wehrmacht in die Niederlande verliessen sie mit dem letzten Schiff die alte Heimat Richtung Palästina.

Alfred Tietz verstarb ein Jahr nach der Flucht. Margarete eröffnete, um ihren Lebensunterhalt zu sichern, in Jerusalem-Talpiot, einem beliebten Vorort von Jerusalem, ein Gästehaus. Mit den Erlösen finanzierte sie das Medizinstudium ihrer Tochter.

1948 wanderte sie in die USA aus, wo sie sich weiterhin intensiv in Sozialprojekten engagierte. Jetzt waren es die Überlebenden der Shoa, denen sie ihre Hilfe zukommen liess. Noch einmal besuchte sie die Universität, um sich im Fachgebiet Gerontologie weiterzubilden. Ihr letztes grosses Projekt war 1971 die Gründung einer Wohn- und Pflegeanlage, in der es für Menschen mit speziellen Bedürfnissen, unabhängig von Religion, Geschlecht und Herkunft eine vollumfängliche Betreuung gab. 



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