28. Adar I 5782
Geboren:
1922 wird Jitzchak Rabin, s’’l, in Jerusalem geboren. Zwischen 1928 und 1935 besuchte er die erste Schule für Arbeiterkinder in Tel Aviv, danach lernte er an der Kadoori Landwirtschaftsschule, die er im August 1940 als jahrgangsbester Schüler mit der Matura abschloss. Man muss festhalten, dass er «pünktlich» mit 18 Jahren maturierte, obwohl er zwischen Sommer 1938 und Herbst 1939 bei der Hagana, der paramilitärischen Untergrundorganisation aktiv war und sich von der Schule hatte befreien lassen. Die von ihm besuchten Schulen boten eine vormilitärische Ausbildung an, die er parallel zum regulären Unterricht absolvierte.
1941 wurde er von der Palmach, der Eliteeinheit innerhalb der Hagana rekrutiert und nahm als Mitglied der britischen Armee am Syrisch-Libanesischen Feldzug während des Zweiten Weltkrieges teil. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kämpft er als Kommandant der Palmach Truppen gegen die Truppen der britischen Mandatsmacht und befreite Shoa Überlebende, die in KZ ähnlichen Lagern von den Engländern auf Zypern festgehalten wurden.
Über das Kommandounternehmen Atlit schrieb Leah Rabin:
„Im Oktober 1945 nahm Jitzchak an einer äußerst riskanten Militäraktion zur Verteidigung der Rechte dieser Einwanderer teil. Es handelte sich um ein Kommandounternehmen in Atlit, einer südlich von Haifa gelegenen kleinen Stadt am Mittelmeer. Dort waren in einem Lager zweihundert – nach britischer Auffassung ‚illegale‘ – Einwanderer interniert. Die Briten planten ihre baldige Deportation. Ein Aufgebot von etwa 250 Palmach-Kämpfern sollte die Flüchtlinge befreien und sie anschließend zu einem nahe gelegenen Kibbuz transportieren; von dort aus sollten sie dann in den Untergrund geschleust werden.
[…] Jitzchak bedeutete die Operation sehr viel, weil diese Menschen den Holocaust überlebt hatten, nur um erneut interniert zu werden – diesmal von den britischen Behörden. […] Als sich die Briten anschickten, den Kibbuz, der als Zwischenstation vorgesehen war, zu durchsuchen, strömten Tausende von Juden aus Haifa herbei, um menschliche Barrikaden zu errichten und sich unter die Holocaustüberlebenden zu mischen, sodass die Briten außerstande waren, die befreiten Flüchtlinge aus der Menge auszusondern. Die Operation war ein durchschlagender Erfolg, denn die Briten gaben schließlich frustriert auf.“[1]
Nach dem Krieg wurde er als einer der wenigen Offiziere in die IDF übernommen. 1949 handelte er auf Rhodos als israelischer Delegierter das Waffenstillstandsabkommen mit Ägypten aus. Nach dem Besuch des Staff College der British Army übernahm Rabin 1953-1956 mittlerweile Generalmajor, die Leitung der Ausbildung in der IDF. Am 1. Januar 1964 wurde er zum Generalstabschef ernannt. Während seiner Amtszeit gelang es, massgebliche militärische Erfolge im Sechstagekrieg zu erreichen. Das Bild, das ihn gemeinsam mit dem damaligen Verteidigungsminister Moshe Dajan und General beim Durchschreiten des Löwentors in die von Jordanien zurückeroberte Altstadt zeigt, erlangte weltweites Aufsehen.

1967 zog er sich aus dem Militärdienst zurück und begann seine politische Karriere zunächst als äusserst erfolgreicher Botschafter in den USA, die er als neuen Bündnispartner erkannte. Frankreich hatte auf Betreiben von Präsident de Gaulle seine schützende Hand von Israel abgezogen.
1973 wurde er für die Arbeiterpartei als Arbeitsminister in die Knesset gewählt. Im Juni 1974 löste er die bisherige PM Golda Meir, s’’l, als neuer Regierungschef ab.
Am 4. Juli 1976 beendete der Einsatz einer Eliteeinheit der IDF die Entführung einer Air France Maschine in Entebbe durch eine palästinensische Terroreinheit. Yoni Netanjahu, s’’l, der Bruder des ehemaligen PM Benjamin Netanyahu, verstarb bei diesem Einsatz. Im Jahr 1977 musste er nach zwei Skandalen zurücktreten. Einerseits zerbrach eine Regierungskoalition am Anflug von vier F-15 Jets an einem Shabbat. Zum anderen hatte seine Frau Leah vergessen, ihr unbedeutendes Konto in US-Währung in Washington vor der Abreise von dort aufzulösen. Beide Gründe sind aus heutiger Sicht an den Haaren herbeigezogen und könnten keine Regierungskrise heraufbeschwören. Mit der Ära Rabin ging auch die erfolgreiche Politik der Arbeiterpartei zunächst zu Ende.
1984 gelang ihm ein politisches Comeback als Verteidigungsminister, ein Amt, das er bis 1990 innehatte.
Ab diesem Jahr setzte er sich als wichtigster Fürsprecher eines Friedensprozesses zwischen Palästinensern und Israelis ein. 1992 begann seine zweite Amtszeit als PM, die er vermehrt dem Vorantreiben der Gespräche zwischen der PA und Israel widmete. Die Gespräche gipfelten in den Oslo I Vereinbarungen und 1994 erhielt Rabin, gemeinsam mit Peres und Arafat den Friedensnobelpreis. Im September 1995 wurde in Washington das Oslo II Abkommen unterschrieben. Die Vereinbarungen beider Oslo Verträge sind bis heute noch nicht zu 100 % umgesetzt.
Am Abend des 4. Novembers 1995 fand auf dem Platz der Könige (heute Rabin Platz) eine grosse Friedenskundgebung statt, die unter dem Namen «Ja zum Frieden, nein zur Gewalt» stand. In den Monaten zuvor war die Stimmung von rechts immer aufgeheizter geworden. Sie fand ihren Höhepunkt bei einer Veranstaltung, auf der Plakate, auf denen Rabin als Nazi dargestellt wurde geschwenkt wurden. Auch Benjamin Netanyahu verteufelte ihn mit erhobener Faust vor laufenden Kameras, eine Schande für den ehemaligen PM!!
Die Veranstaltung, auf der man Rabin erstmals in der Öffentlichkeit hatte lächeln sehen, war vorbei, Rabin wurde zu seinem Auto begleitet. Seine letzte Rede lautete: «Ich möchte gerne jedem Einzelnen von euch danken, der heute hierhergekommen ist, um für Frieden zu demonstrieren und gegen Gewalt. Diese Regierung, der ich gemeinsam mit meinem Freund Shimon Peres das Privileg habe vorzustehen, hat sich entschieden, dem Frieden eine Chance zu geben – einem Frieden, der die meisten Probleme Israels lösen wird. […] Der Weg des Friedens ist dem Weg des Krieges vorzuziehen. Ich sage euch dies als jemand, der 27 Jahre lang ein Mann des Militärs war.»
Igal Amir, ein rechtsextremer und religiöser Jus Student der rechten Bar-Ilan Universität in Tel Aviv schoss mehrfach auf den PM, der kurz darauf seinen Verletzungen erlag. Wenige Tage nach der Beisetzung, an der er aus Sicherheitsgründen nicht teilnehmen durfte, besuchte Yassir Arafat Leah Rabin in deren Wohnung in Tel Aviv. Mit dem Tod Rabins ist der israelische-palästinensische Friedensprozess nahezu völlig versiegt.
Jitzchak Rabin war der Politiker, der den Grossteil seines Lebens im Militär und in der Politik dem Staat Israel und dem Friedensprozess gewidmet hat. Sein Tod wurde von denen herbeigeführt, die sich heute grösstenteils den ehemaligen PM Netanyahu wieder an der Macht wünschen.
1946 wurde Shimon Shetreet in Arfoud, Marocco geboren. 1949 wanderte er mit seiner Familie nach Israel aus.
Nach der klassisch jüdischen Ausbildung zunächst an einer religiösen Grundschule und später an einer Jeshiwa, nahm er seine Studien auf. An der Hebrew University in Jerusalem studierte er Rechtswissenschaften, die er 1968 mit dem Bachelor of Laws und 1971 mit dem Master of Laws abschloss. Den Doktor der Jurisprudenz erwarb er 1973 an der University of Chicago.
Mit 13 Jahren war er der erste Gewinner des Bible Contest, der seither alljährlich am Abend des Unabhängigkeitstages in Jerusalem ausgetragen wird.

Von 1966 bis 1969 studierte er Arabische Literaturwissenschaft in Jerusalem. Neben Hebräisch spricht er Deutsch, Französisch, Englisch und Arabisch, was ihn zu einem beliebten internationalen Gesprächspartner macht.
Shimon hatte zahlreiche Gastprofessuren u.a. an den Universitäten von Manitoba (Kanada), Würzburg, Oxford, Sand Diego und New York.
Von 1988 bis 1996 war er Mitglied der Knesset (Arbeiterpartei) und diente sowohl in verschiedenen Komitees als auch als Minister in den Bereichen Wirtschaft, Religiöse Angelegenheiten und Wissenschaft.
Neben den Rechtswissenschaften sind Friedensprojekte sein zweiter Arbeitsschwerpunkt.
Lieber Shimon, wir wünschen dir zu deinem heutigen Geburtstag alles Liebe, geniesse weiterhin die Zeit mit deiner lieben Frau Miri, den Kindern und Enkeln. Bis 120 bei bester Gesundheit!
[1] «Ich gehe weiter auf seinem Weg. Erinnerungen an Jitzchak Rabin», Leah Rabin, Droemer Knauer 1997, S. 103 – 105
Kategorien:Aus aller Welt, Israel, Timeline
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