Wochenabschnitt: Pekudej, Ex. 38:21 – 40:38

ב“ה

1./2. Adar II 5782                                                              4./5. März 2022  

Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden)                            16:59

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                        18:16

Shabbateingang in Zürich:                                                                 17.57

Shabbatausgang in Zürich:                                                                19:02

Shabbateingang in Wien:                                                                   17:25

Shabbatausgang in Wien:                                                                  18:31

In diesem Wochenabschnitt lernen wir viel über die Sorgfalt, mit der die Leviten mit den ihnen anvertrauten Geldern umgingen. 

Stellen wir uns einmal einen Verein vor. Natürlich muss jeder Verein einen Vorstand haben, der primär die Kommunikationsstelle zwischen den Mitgliedern und der Leitung darstellt. Dieser Vorstand wird zumeist von den Mitgliedern für eine bestimmte Zeitdauer gewählt. Besonders bewährte und verehrte Mitglieder werden möglicherweise auch zu Ehrenmitgliedern des Vorstandes auf Lebenszeit gewählt. Moses ist in dieser Konstellation sicher der Ehren Vorsitzende auf Lebenszeit.

Von seinem Schwiegervater hat er die Kunst des Delegierens erlernt, es hat es nicht mehr nötig, alles an sich zu reissen. 

Als Finanzverwalter hat er einen Sohn seines Bruders Aaron bestimmt, dessen Namen wir nicht erfahren. Ihm oblag es zunächst, die Zahl der „Vereinsmitglieder“ festzustellen. Nicht zu schätzen, nein genau zu zählen, wie viele männliche Personen über 20 Jahre im Verein aktiv waren. Warum diese Genauigkeit? Jeder von ihnen war abgabepflichtig. So hatte es Gott Moses mitgeteilt, also wurde es auch so gehalten. Jeder von ihnen sollte einen halben Schekel bezahlen. Geldmünzen gab es erst nach dem babylonischen Exil, zur Zeit der Wüstenwanderung entsprach der Schekel knapp dem Gegenwert von ½ gr Gold. Heute kostet das Kg Gold € 56.000, die damalige Abgabe entsprach also € 14. Nicht wenig! Die Zahl der zahlungspflichtigen Mitglieder betrug exakt 603.550. Das gesamte zur Verfügung stehende Budget betrug nach heutigen Bewertungen unglaubliche € 8,5 Millionen! Natürlich stand bei Weitem nicht alles „in bar“ zur Verfügung, wer kein Gold hatte, der durfte auch Anderes geben, sogar die Mitarbeit konnte eingebracht werden. 

Die festgelegte Abgabenhöhe haben wir bereits vor ein paar Wochen in Ex 30:12 ff erfahren. Wichtig war, dass es nicht mehr, aber natürlich auch nicht weniger als dieser halbe Schekel war. Dieser Betrag solle zugleich die Sühne für die Sünden seien, die mit den Brandopfern eines Jahres gelöschte werden würden. Der Beginn dieses Absatzes lautet, ebenso wie der entsprechende Wochenabschnitt: 

כִּי תִשָּׂא אֶת-רֹאשׁ בְּנֵי-יִשְׂרָאֵל

„Wenn du den Kopf der Kinder Israels erhebst“ Das Verb „erheben“ kann zweierlei bedeuten. Zum einen ist es ein Synonym für „zählen“, aber auch für „aufrichten“. Dieses zweite Synonym ist das interessantere. Zum einen wird jeder männliche Erwachsene (und damit natürlich nach heutiger Sicht auch jedes andere Familienmitglied) Teil der gesamten Gemeinde. Zum anderen wurden aber auch, ab dem zweiten Jahr, nachdem der Mischkan fertiggestellt war, die notwendigen Brandopfer finanziert. Ganz im Sinne von „pars pro toto“ wurde damit ohne Rücksicht auf die individuellen Bedürfnisse die Gemeinschaft in den Vordergrund gestellt. Der Einzelne konnte so den „Kopf erheben“, ohne Angst unterzugehen, weil er sich die Opfer nicht leisten konnte.

Das tatsächlich vorhandene Gold und Silber übergab der Schatzmeister aus dem Stamme Levi an Bezalel, aus dem Stamme Juda, der entsprechend der Anweisungen Gottes den Mischkan baute. Er hatte dabei einen Assistenten, Oholiab aus dem Stamme Dan. 

Bezalel war ein Mann, der verschiedene Handwerke beherrschte: Tischler, Zimmermann, Gold- und Kupferschmied. Oholiab war derjenige, der perfekt war im künstlerischen Umgang mit Steinen und Textilien.

So entstanden mit Hilfe der Tempelabgaben nicht nur der Mischkan, sondern auch die prachtvollen Gewänder der Priester und seiner Gehilfen. 

Irgendwann war alles fertig. Der Mischkan mit seiner gesamten Ausstattung war genau so entstanden, wie Gott es Moses erklärt und wie der es weitergegeben hatte. Der Auftrag war erfüllt. Gott bezog seine irdische Wohnstatt.  

Wenn sich eine grosse Wolke auf dem Mischkan legte, so stoppte die Wanderung und die Kinder Israel wussten, dass es Zeit für Gebete und Opfer war. Erhob sich die Wolke aber, so wussten sie, dass es Zeit war, den Mishkan und die Bundeslade transportbereit zu machen und weiterzuziehen. 

Nach der Zerstörung des zweiten Tempels sind die Opfer durch Gebete ersetzt worden. Vielleicht täten wir gut daran, einmal unser eigenes „Abgabeverhalten“ zu überprüfen, ob wir „pars pro toto“ unseren Beitrag leisten, um die Gemeinden zu finanzieren. 

Shabbat Shalom!



Kategorien:Israel, Religion

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