Was geschah am 11. März?

8. Adar II 5782

Geschichte:

1933 fand mit dem «Warenhaussturm» in Braunschweig die erste, wenn auch noch relativ verdeckte Aktion der Nationalsozialisten gegen Juden statt. Am Samstag, 11. März 1933, fand eine Versammlung von SS-Angehörigen statt. Anlässlich dieser Versammlung wurde mitgeteilt, dass es am Nachmittag zu einer verdeckten Aktion gegen jüdische Geschäfte kommen sollte. Die teilnehmenden SS-Mitglieder sollten in Zivil erscheinen, um die Aktion zunächst als «spontanen Volkszorn» erscheinen zu lassen und sie dann den Kommunisten in die Schuhe schieben zu können.

Als nachmittags ein Platzkonzert der SA stattfand, drängten die Mitglieder der SS durch die Menge zu den Kaufhäusern Frank und Karstadt. Scheiben und Einrichtungen wurden zerstört, Kunden misshandelt. Die SA war im Vorfeld informiert worden und hielt sich von den Geschäften fern. Auch bei den Aktionen gegen das Kaufhaus Hamburger & Littauer griffen sie nicht ein. 

Hintergrund war die geplante Auflösung von Kaufhäusern zu Gunsten von Kleinbetrieben, die im «Völkischen Beobachter» wenige Tage zuvor propagiert worden war. Die Übergriffe auf Kaufhäuser breitete sich schnell über das gesamte Deutsche Reich aus. Wenig später wurde die Gewerbesteuer für die Betriebe verdoppelt und eine «Filialsteuer» eingeführt. 

Ab Sommer 1933 richteten sich derartige Aktionen nur mehr ausschliesslich gegen jüdische Unternehmen. Das war der Beginn der sogenannten «Arisierungswelle», bei der jüdische Kaufleute gezwungen wurden, ihre Unternehmen zu stark unterbewerteten Preisen zu verkaufen.

Das Kaufhaus Frank bestand von 1889 bis 1938. Es entwickelte sich aus einer kleinen Kurzwarenhandlung zum grössten Kaufhaus im gesamten Herzogtum Braunschweig. Auf dem Höhepunkt seiner Blütezeit arbeiteten dort 125 Mitarbeiter. 

Die Kaufhauskette Karstadt hatte ihre Wurzeln im «Tuch-Manufactur- und  Confectionsgeschäft Karstadt in Wismar. Bis 1912 hatten sich 36 Filialen in ganz Norddeutschland etabliert. 1920 wurde das Unternehmen von Theodor Althoff übernommen und in eine AG umgewandelt. Die Aktionäre waren teils jüdischer Herkunft.

Hamburger & Littauer bestand von 1888 bis zur Arisierung im Jahr 1933. Danach hiess das Unternehmen «Rosbach & Risse». Nach einer Hinzunahme des bekannten Hauses «Cloppenburg» wurde das Unternehmen ab 1952 bis zum Ende der 90-er Jahre an seinem ursprünglichen Platz weitergeführt. 

2022 Der Besuch des israelischen Präsidenten Isaac Herzog bei seinem Amtskollegen Tayyip Erdogan beendet die diplomatische türkisch-israelische Eiszeit. Der Besuch ist der erste Staatsbesuch seit dem Jahr 2008. 

Erdogan beteuerte, dieser historische Besuch sei ein Wendepunkt in der gemeinsamen Geschichte der beiden Länder. Er betonte auch, welche Bedeutung die wiedererstarkten Beziehungen für die Türkei hat.

Herzog bedankte sich für den herzlichen Empfang und betonte ebenfalls die Wichtigkeit von freundlichen Beziehungen zwischen Israel und der Türkei und Brücken zu bauen, die von grosser Bedeutung seien. Diese Beziehungen seien sehr alter Natur, mit geschichtlichen, religiösen und kulturellen Wurzeln. Die lange der Liste der Rabbiner, Dichter, Weisen, Händler und Unternehmer, die in der Türkei gelebt hätten, sei der Beweis hierfür.

Ein kleiner protokollarischer Fehler sorgt kurz für allgemeine Irritationen. Herzog kündigte den Besuch des türkischen Aussenministers für den kommenden Monat on Jerusalem an. Allerdings wusste weder Minister Lapid, noch sein Büro etwas von der Vereinbarung. Nun ja, die diplomatische Kommunikation ist durchaus noch verbesserungswürdig!

Gestorben:

2022 verstarb in Berlin Inge Deutschkron, geboren in Finsterwalde am 23. August 1922. Inge erfuhr erst 1933, mit der Machtergreifung der Sozialisten, dass sie Jüdin ist. Ihr Vater wurde als Mitglied der SPD 1933 wegen «politischer Unzuverlässigkeit» seinen Beruf als verbeamteter Lehrer aufgeben. Er unterrichtete anschliessend bis zu seiner Auswanderung nach Grossbritannien im Jahr 1939 an der zionistischen Herzl Schule in Berlin.

Die Familie wurde getrennt. Inge und ihre Mutter mussten in Berlin bleiben. Inge fand von 1941 – 1943 eine Anstellung in der Blindenwerkstatt von Otto Weidt. Durch sein Engagement gelang es ihm, einige seiner Mitarbeiter vor der Deportation zu schützen. 1971 wurde er posthum als «Gerechter unter den Völkern» geehrt. 

Inge gelang es, für sich und ihre Mutter ein Versteck bei deutschen Widerstandskämpfern zu finden und so den Holocaust zu überleben. 1946 zog sie mit ihrer Mutter nach London und studierte dort Fremdsprachen. Nach ausgedehnten Reisen kehrte sie 1955 nach Deutschland zurück und arbeitete als freie Journalistin. 1963 nahm sie als Beobachterin am Auschwitz Prozess in Frankfurt teil. 1966 erhielt sie die israelische Staatsbürgerschaft. 

1972 übersiedelte sie nach Tel Aviv, wo sie neben ihrer journalistischen Tätigkeit Bücher schrieb. Bekannt wurde sie dem breiten Publikum vor allem durch die 1978 veröffentlichte Autobiografie «Ich trug den gelben Stern».

Am 8. März ist Inge Stern in einem Altersheim in Berlin verstorben.



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