12. Adar II 5782
Geschichte:
1950 beginnt die Zeit, in der das Verhältnis zwischen dem Iran und Israel wirklich für 29 Jahren entspannt war. Nach der Türkei anerkannte der Iran als zweites islamisches Land den noch jungen Staat Israel.
Shah Mohammad Reza Pahlavi war an der Macht und der Iran war auf dem Weg, ein modernes, weitgehend offenes Land zu werden.
Zwischen den Staaten entwickelten sich enge Kooperationsprojekte in den Bereichen Sicherheit, Infrastruktur und Landwirtschaft. Die IDF trainierte Mitarbeiter des iranischen Geheimdienstes Sawaq. Israelische Landwirte erschlossen grosse Gebiete im Norden des Iran für die Landwirtschaft.
Im Revolutionsjahr 1979 wurde alles anders. «Israel sollte sich das Mittelmeer genau ansehen, denn es wird sein endgültiger Wohnort sein.» Das ist es, was das neue Regime im Iran will, Israel vernichten und alle Juden ins Meer treiben. Die neuen Führer brechen alle Beziehungen zu Israel ab und sprechen ihm das Existenzrecht ab.
Vor der Revolution lebten noch etwa 100.000 Juden im Iran, einige Familien sind aus dem Exil nach der Zerstörung des Salomonischen Tempels 597 BCE nicht mehr nach Palästina zurückgekehrt.
Wenn in diesem Jahr am Mittwochabend das Purim Fest beginnt, so erinnern sich weltweit Juden an die Errettung der jüdischen Gemeinde im Persien unter König Xerxes (519 – 466 BCE). In der Megillat Esther wird beschrieben, wie Mordechai, der Ziehvater der jungen Königin Esther, sich weigert, dem bösen Regierungsbeamten Haman die Ehre zu erweisen. Dieser fordert von König Xerxes das Recht, alle im Reich lebenden Juden zu töten. Der stimmt zu. Mordechai bittet Esther sich einzuschalten und so die Juden zu retten. Es gelingt ihr mit einer List, dass das Volk gerettet und Haman ausgeschaltet wird.
Diese Geschichte berichtet über den ersten Versuch überhaupt, das jüdische Volk als Ganzes auszurotten. Das Erlebte schweisst die Juden im Iran bis heute zusammen.
Gestorben:
2022 verstarb Leon Schwarzbaum, geboren am 20. Februar 1921 in Hamburg, in Potsdam. Um für die Familie einen guten Start in einer neuen Heimat vorzubereiten, ging der Vater 1922 von Hamburg nach Argentinien. 1923 zog die Familie in der das oberschlesische Bedzin, wo er die Schule besuchte und 1939 die Matura ablegte.
Mit seinen Freunden gründete er die a-capella Gruppe «Jolly boys».
Nach dem Überfall auf Polen am 1. September 1939 wurde Polen völkerrechtswidrig in das Deutsche Reich eingegliedert. Zunächst durfte Schwarzbaum in der jüdischen Verwaltung als Telefonist arbeiten. Später wurde er zur Zwangsarbeit verpflichtet. Nach der Auflösung des Ghettos wurde die Familie in das KZ Auschwitz deportiert, wo seine ganze Familie ermordet wurde.
Als die Rote Armee immer näher rückte, wurde er mit dem Todesmarsch von Auschwitz im Januar 1945 in das KZ Buchenwald verlegt. Im Aussenlager Sachsenhausen musste er wiederum Zwangsarbeiten leisten, bis er erneut, im Mai 1945 auf einem Todesmarsch von Amerikanern in der Nähe von Schwerin befreit wurde.
Nach seiner Rückkehr in den Heimatort Bedzin fand er dort keine Juden mehr vor. Zunächst fand er Arbeit als Übersetzer für die polnische Polizei. Später arbeitete er bei einer Fluchthilfe Organisation des bekannten Filmproduzenten Atze Brauner.
Gemeinsam mit seiner Frau versuchte er einen Umzug nach New York, kehrte aber schon bald, wie seine Mutter aus Heimweh nach Berlin zurück. Dort betrieb er einen gut gehenden Handel mit Antiquitäten und Kunstgegenständen.
Im hohen Alter, nach dem Tod seine Frau, beschliesst er als Zeitzeuge des Holocaust in Schulen und anderen Bildungsinstitutionen seine Geschichte zu erzählen, wofür er 2019 mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt wird.
Kategorien:Aus aller Welt, Israel, Timeline
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