Was geschah am 17. April?

16. Nissan 5782

Kultur:

2021 wurde die höchste Kulturauszeichnung, die der Staat Israel zu vergeben hat, der Israel Preis an Prof. Oded Goldreich verliehen. Er erhielt den Preis in den Teilgebieten Mathematik und Informatik zuerkannt. Der damalige Bildungsminister und ehemalige Generalmajor der IDF, Yoav Gallant, Likud, weigerte sich, ihm den Preis am Unabhängigkeitstag zu überreichen. Der Tag fiel im Jahr 2021 auf den 14./15. April. Das war bereits nach den Wahlen, aber noch vor dem Ende der Koalitionsverhandlungen, so dass die Regierung Netanyahu noch geschäftsführend im Amt war. Als Grund für die Ablehnung nannte Gallant, dass Goldreich die BDS Bewegung, die von der PA in Durban gegründet wurde, um Israel durch Boykott, Divestment und Sanctions unterstütze, was der heftig negierte. 

Zweimal forderte Gallant die Kommission auf, die Entscheidung zu überdenken, dann zog er vor den Obersten Gerichtshof, der im August 21, als Gallant nicht mehr Teil der Regierung war, dass der Preis übergeben werden müsse.

Auch seine Amtsnachfolgerin Jifat Schascha-Biton, Neue Hoffnung, weigerte sich mit den Worten «Ich kann den Israel-Preis für akademische Leistungen – so beeindruckend diese auch sind – nicht jemandem verleihen, der dazu aufruft, Israel zu boykottieren» Goldreich als Preisträger zu akzeptieren. 

Nun hat er den Preis doch noch in Empfang nehmen können. Nachdem er sich weigerte, an der Zeremonie anlässlich des Unabhängigkeitstages teilzunehmen, der in diesem Jahr am 4. und 5. Mai stattfindet, überreichte ihn ein Mitarbeiter des Erziehungsministeriums.

Im Gegensatz zu seiner Aussage, kein BDS Unterstützer zu sein, teilte er nun mit, dass er den Preis in Höhe von NIS 75.000 unter fünf NGOs aufteilen werde. B’Tselem, Breaking the silence, Adalah, Kav LaOved und Standing together.

Seine Begründung «Ich werde alles tun, um den Kampf zur Beendigung der Besetzung zu führen» ist nichts, als das genaue Gegenteil zu dem, was er im vergangenen Jahr versichert hat, nicht zu tun. 

Ich persönlich habe keine Probleme damit, wenn jemand BDS unterstützt. Ich habe aber ein Problem, wenn sich jemand einen Vorteil, in diesem Fall Geld, verschaffen will und deshalb seine Fahne in den Wind hängt und dreist lügt. Und nur deshalb halte ich ihn nicht für einen würdigen Gewinner des hoch angesehenen Israel Preises. 

Politik:

2022 Mansour Abbas, Parteichef der arabischen Koalitionspartei Ra’am hat sich in den vergangenen Wochen und Monaten seit der Unterzeichnung der Koalitionsverträge im vergangenen Juni als zuverlässiger Regierungspartner gezeigt. Auch wenn er sich manchen Vorwurf der anderen arabischen Parteien gefallen lassen musste, zeigte er sich konsequent der Koalition verpflichtet. Selbst noch, als nach dem völlig überhasteten und sinnlosen Austritt von Idit Silman, Yamina, die Koalition zu zerbrechen drohte bekräftigte er die Haltung seiner Partei, in der Koalition verbleiben zu wollen. Sogar nach Beginn der Unruhen auf dem Tempelberg am vergangenen Freitag (15. April) hielt er daran fest «Die Zeiten sind schwierig, aber wir arbeiten weiter daran, die Menschen zusammen zu bringen. Unser Ziel ist es, innerhalb der Regierung Fortschritte für die arabischen Angelegenheiten zu machen.»

Einer der vier Ra’am Politiker in der Knesset deutete seinen Rückzug aus der Koalition an, «wenn die Aktionen der Sicherheitskräfte in der Al Aqsa Moschee nicht sofort eingestellt werden.» 

Nun kommt auch Gegenwind seitens des hohen muslimischen Klerus. «Treten Sie sofort aus der Koalition aus, die unsere heiligen Stätten in Palästina angreift, tu es für Al Aqsa.» schrieb Scheich Mohammad Salameh Hassan auf Facebook.

Die Aufforderung geht in die falsche Richtung. Die «Entweihung» oder der «Angriff» auf die heilige islamische Stätte kommt von den Palästinensern selbst. Sie laufen ohne irgendwelche religiösen oder moralischen Bedenken in Turnschuhen in der Moschee über die Teppiche, die noch dazu mit bereitgelegten Steinen verunreinigt sind. 

Gerade kam die Meldung, dass er nun doch darüber nachdenkt, die Koalition mit den Regierungsparteien auf Eis zu legen, was dem Anfang vom Ende gleichkommt. In einer rechten, autokratischen Regierung wird keine arabische Partei jemals zur Mitarbeit aufgefordert werden. Ich halte Mansour Abbas für einen sehr integren und rechtschaffenen Menschen, der bestimmt nur das Wohl der israelischen Araber im Blick hat. Schade, dass er nun auch Opfer von fehlgeleiteter Politik werden wird. 

Religion:

2022 In einem seltenen Zusammentreffen fallen an diesem Wochenende Pessach, Ramadan und das christliche Ostern zusammen. 

Während in der westlichen Welt heute tatsächlich Ostersonntag ist, also jener Tag begangenen wird, an dem Jesus dem Neuen Testament entsprechend auferstanden ist, begeht die orthodoxe Kirche heute erst den Palmsonntag, also jenen Tag, an dem Jesu vor Beginn des Pessach Festes in Jerusalem angekommen ist. 

BDS:

2022 US-Vizepräsidentin Kamala Harris und ihr Ehemann Doug Emhoff luden am Freitagabend ihre jüdischen Mitarbeiter zum Seder Pessach ein. Auf dem Tisch stand eine Flasche Rotwein aus der Weinkellerei Psagot. Psagot liegt in den Hügeln von Judäa unweit von Jerusalem. 

Nachdem der ehemalige US-Aussenminister Mike Pompeo  2019 erklärt hatte, die umstrittenen israelischen Siedlungen seien nicht per se gegen das Völkerrecht verstossend, benannten die Eigentümer der Kellerei einen ihrer Weine «Pompeo». Seit dem Statement von Pompeo dürfen Produkte aus diesen Gebieten wieder als «Made in Israel» bezeichnet werden. Einer Aufforderung an die Regierung Biden, diesen Beschluss wieder zu revidieren, wurde bisher nicht stattgegeben. 



Kategorien:Aus aller Welt, Israel, Timeline

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