7. Tag Pessach

ב“ה

21./22. Nissan 5782                                                      23./23.April 2022  

Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden)                            18:33

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                        19:52

Shabbateingang in Zürich:                                                                 20:07

Shabbatausgang in Zürich:                                                                21:16

Shabbateingang in Wien:                                                                   19:37

Shabbatausgang in Wien:                                                                  20:47

Lied der Lieder , Marc Chagall

Am heutigen Shabbat liest man oft das „Shir HaShirim“ das „Lied der Lieder“, eine der fünf Megilot, die Teil des Tanach sind. Der Tanach enthält neben den fünf Büchern Moses (Torah), die Schriften der Propheten (Nevi’im) auch die Schriften (Ketuvim). Zu diesen gehören auch die fünf Rollen, die jeweils einem Feiertag zugeordnet sind.

Was würde besser zu Pessach passen, welches auch als Fest des Frühlings bekannt ist, als Shir HaShirim?  Der Frühling, die Wiederkehr neuen Lebens in der Natur nach dem dunklen, langen Winter. Das Thema ist „Liebe“, Liebe zwischen Mann und Frau als Allegorie für die Liebe zwischen Gott und den Kindern Israel. Einer unserer ganz grossen Denker, Maimonides, bekannt als Rambam[1] beschrieb die Liebe zu Gott wie folgt „So, wie ein Mann eine bestimmte Frau liebt, und sie nicht aus seinen Gedanken ausschliessen kann, so intensiv solle die Liebe vom Menschen zu Gott sein.“

Es ist ein langer Text, aber wert, ganz gelesen zu werden. 

Komm doch und küss mich! 
Deine Liebe berauscht mich 
mehr noch als Wein.
Weithin verströmen 
deine kostbaren Salben
herrlichen Duft.
Jedermann kennt dich, 
alle Mädchen im Lande 
schwärmen für dich!
Komm, lass uns eilen, 
nimm mich mit dir nach Hause, 
fass meine Hand!
Du bist mein König!
Deine Zärtlichkeit gib mir
Freude und Glück.
Rühmen und preisen
will ich stets deine Liebe,
mehr als den Wein!
Mädchen, die schwärmen,
wenn dein Name genannt wird,
schwärmen zu Recht!

Schwarz gebrannt hat mich die Sonne,
schwarz wie Beduinenzelte, 
wie die Decken Salomos. 
Trotzdem bin ich schön, ihr Mädchen
aus der Stadt Jerusalem! 
Seht nicht so auf mich herunter 
weil ich dunkler bin als ihr. 
Draußen muss ich alle Tage
meiner Brüder Weinberg hüten. 
Doch für meinen eigenen Weinberg
– für mich selbst – kann ich nicht sorgen;
dafür bleibt mir keine Zeit!
 

Sag mir, Geliebter, 
wo kann ich dich finden?
Wo ruh’n deine Schafe 
mittags, wenn’s heiß wird?
Andere Hirten,
was sollen sie denken,
wenn ich nach dir frage,
überall suche?

Musst du mich fragen,
du Schönste der Frauen?
Du musst es doch wissen,
wo du mich findest!
Nimm deine Zicklein
und folge dem Schafsweg!
Dort wirst du mich treffen,
nah bei den Zelten.

Prächtig und schön siehst du aus, meine Freundin,
stolz wie die Stute an Pharaos Wagen!
Schmückende Kettchen umrahmen die Wangen,
und deinen Hals zieren Schnüre mit Perlen.
Aber noch schöneren Schmuck sollst du haben: 
silberne Perlen an Kettchen aus Gold!
 

Solange mein König mir nahe ist,
verbreitet mein Nardenöl seinen Duft.
Mein Liebster liegt bei mir, an meiner Brust, 
er duftet wie würziges Myrrhenharz, 
so kräftig wie Blüten vom Hennastrauch; 
im Weinberg von En-Gedi wachsen sie.
 

Schön bist du, zauberhaft schön, meine Freundin,
und deine Augen sind lieblich wie Tauben!
 

Stattlich und schön bist auch du, mein Geliebter! 
Sieh, unser Lager ist blühendes Gras, 
Balken in unserem Haus sind die Zedern 
und die getäfelten Wände Zypressen.

Eine Frühlingsblume bin ich,
wie sie in den Wiesen wachsen,
eine Lilie aus den Tälern.

Eine Lilie unter Disteln –
so erscheint mir meine Freundin
unter allen andren Mädchen.

Wie ein Apfelbaum im Walde
ist mein Liebster unter Männern.
Seinen Schatten hab ich gerne,
um mich darin auszuruhen;
seine Frucht ist süß für mich.
 

Ins Festhaus hat mein Liebster mich geführt;
Girlanden zeigen an, dass wir uns lieben.
Stärkt mich mit Äpfeln, mit Rosinenkuchen,
denn Liebessehnsucht hat mich krank gemacht.
Sein linker Arm liegt unter meinem Kopf,
und mit dem rechten hält er mich umschlungen.
Ihr Mädchen von Jerusalem, laßt uns allein!
Denkt an die scheuen Rehe und Gazellen:
Wir lieben uns, schreckt uns nicht auf!
 

Mein Freund kommt zu mir!
Ich spür’s, ich hör ihn schon! 
Über Berge und Hügel 
eilt er herbei. 
Dort ist er –
schnell wie ein Hirsch, 
wie die flinke Gazelle. 
Jetzt steht er vorm Haus!
Er späht durch das Gitter, 
schaut zum Fenster herein. 
Nun spricht er zu mir!

Mach schnell, mein Liebes!
Komm heraus, geh mit!
Der Winter ist vorbei mit seinem Regen. 
Es grünt und blüht, soweit das Auge reicht. 
Im ganzen Land hört man die Vögel singen; 
nun ist die Zeit der Lieder wieder da!
Sieh doch: die ersten Feigen werden reif; 
die Reben blüh’n, verströmen ihren Duft. 
Mach schnell, mein Liebes! 
Komm heraus, geh mit! 
Verbirg dich nicht vor mir wie eine Taube, 
die sich in einem Felsenspalt versteckt. 
Mein Täubchen, zeig dein liebliches Gesicht, 
und lass mich deine süße Stimme hören!
 

Ach, fangt uns doch die Füchse, 
die frechen, kleinen Füchse! 
Sie wühlen nur im Weinberg, 
wenn unsre Reben blüh’n.

Nur mir gehört mein Liebster, 
und ich gehöre ihm! 
Er findet seine Weide, 
wo viele Blumen steh’n. 
Am Abend, wenn es kühl wird 
und alle Schatten flieh’n, 
dann komm zu mir, mein Liebster!
Komm, eile wie ein Hirsch; 
sei flink wie die Gazelle, 
die in den Bergen wohnt,

Nachts lieg ich auf dem Bett und kann nicht schlafen.
Ich sehne mich nach ihm und suche ihn,
doch nirgends kann mein Herz den Liebsten finden.
Ich seh’ mich aufsteh’n und die Stadt durcheilen,
durch Gassen streifen, über leere Plätze –
ich sehne mich nach ihm und suche ihn,
doch nirgends kann ich meinen Liebsten finden.
Die Wache greift mich auf bei ihrem Rundgang.
»Wo ist mein Liebster, habt ihr ihn geseh’n?»
Nur ein paar Schritte weiter find ich ihn.
Ich halt ihn fest und lass ihn nicht mehr los;
Ich nehm’ ihn mit nach Hause in die Kammer,
wo meine Mutter mich geboren hat.
Ihr Mädchen von Jerusalem, lasst uns allein!
Denkt an die scheuen Rehe und Gazellen:
Wir lieben uns, schreckt uns nicht auf!
 

Was kommt dort herauf aus der Wüste?
Wie Rauchsäulen zieht es heran; 
es duftet nach Weihrauch und Myrrhe, 
nach allen Gewürzen der Händler.
Schaut hin! Das ist Salomos Sänfte, 
geleitet von sechzig Soldaten, 
von Israels tapfersten Helden, 
im Kampfe erprobt und bewährt. 
Das Schwert hat ein jeder am Gürtel 
zum Schutz gegen nächtliche Schrecken.
Aus edelstem Holz ließ der König 
den tragbaren Thronsessel machen,
die Säulen mit Silber beschlagen, 
die Lehne mit Gold überziehen. 
Aus purpurnem Stoff sind die Kissen,
mit Liebe gewebt und bestickt 
von Jerusalems Frauen und Mädchen.
Ihr Frauen von Zion, kommt her, 
den König zu seh’n und die Krone, 
mit der seine Mutter ihn schmückte 
zum heutigen Tag seiner Hochzeit, 
dem Tag voller Freude und Glück.

Preisen will ich deine Schönheit,
du bist lieblich, meine Freundin!
Deine Augen sind wie Tauben, 
flattern hinter deinem Schleier. 
Wie die Herde schwarzer Ziegen 
talwärts von dem Berge zieht, 
fließt das Haar auf deine Schultern.
Weiß wie frisch geschor’ne Schafe, 
wenn sie aus der Schwemme steigen,
glänzen prächtig deine Zähne, 
keiner fehlt in seiner Reihe. 
Wie ein scharlachrotes Band 
zieh’n sich deine feinen Lippen. 
Deine Wangen hinterm Schleier 
schimmern rötlich wie die Scheibe 
eines Apfels vom Granatbaum. 
Wie der Turm des Königs David, 
glatt und rund, geschmückt mit tausend
blanken Schilden, ragt dein Hals. 
Deine Brüste sind zwei Zicklein, 
Zwillingsjunge der Gazelle, 
die in Blumenwiesen weiden. 
Wenn die Schatten länger werden 
und der Abend Kühle bringt, 
komm ich zu dir, ruh auf deinem
Myrrhenberg und Weihrauchhügel.
Deine Schönheit will ich preisen! 
Du bist lieblich, meine Freundin, 
und kein Fehler ist an dir! 
 

Komm, meine Braut, geh doch mit, die Berge!
Lass’ den gefahrvollen Libanon, komm!
Fort von dem Gipfel des Berges Amana,
fort vom Senir und vom ragenden Hermon, 
fort von den Lagerplätzen der Löwen, 
fort von den Bergen der Panther, komm mit!
 

Verzaubert hast du mich, 
Geliebte, meine Braut!
Ein Blick aus deinen Augen,
und ich war gebannt. 
Sag, birgt er einen Zauber, 
der Schmuck an deinem Hals?
Wie glücklich du mich machst 
mit deiner Zärtlichkeit!
Mein Mädchen, meine Braut 
ich bin von deiner Liebe 
berauschter als von Wein. 
Du duftest süßer noch 
als jeder Salbenduft.
Wie Honig ist dein Mund, 
mein Schatz, wenn du mich küßt, 
und unter deiner Zunge 
ist süße Honigmilch. 
Die Kleider, die du trägst,
sie duften wie der Wald 
hoch auf dem Libanon.
 

Meine Braut ist ein Garten 
voll erlesener Pflanzen! 
An Granatapfelbäumen 
reifen köstliche Früchte. 
Herrlich duften die Rosen 
und die Blüten der Henna. 
Narde, Safran und Kalmus, 
alle Weihrauchgewächse, 
Zimt und Aloe, Myrrhe, 
alle Arten von Balsam 
sind im Garten zu finden.
Eine Quelle entspringt dort 
Mit kristallklarem Wasser, 
das vom Libanon herkommt. 
Aber noch sind mir Garten 
und Quelle verschlossen!

Kommt doch, ihr Winde, 
durchweht meinen Garten!
Nordwind und Südwind, 
erweckt seine Düfte!
Komm, mein Geliebter, 
betritt deinen Garten!
Komm doch und iss 
seine köstlichen Früchte!
 

Ich komm in den Garten, 
zu dir, meine Braut! 
Ich pflücke die Myrrhe,
die würzigen Kräuter. 
Ich öffne die Wabe 
und esse den Honig. 
Ich trinke den Wein, 
ich trinke die Milch.
Esst, Freunde, auch ihr,
und trinkt euren Wein; 
Berauscht euch an Liebe!
 

Ich lag im Schlaf, jedoch mein Herz blieb wach.
Da klopft’s! Ich weiß: Mein Freund steht vor der Tür.

»Mach auf, mein Schatz, mach auf, ich will zu dir!
Mein Täubchen, öffne doch, lass mich hinein!
Mein Haar ist nass vom Tau der kühlen Nacht.«

»Ich habe doch mein Kleid schon ausgezogen
und müsst es deinetwegen wieder anzieh’n.
Auch meine Füße habe ich gewaschen;
ich würde sie ja wieder schmutzig machen!«
Durchs Fenster an der Tür greift seine Hand; 
ich höre, wie sie nach dem Riegel sucht. 
Mein Herz klopft laut und wild. Er ist so nah!
Ich springe auf und will dem Liebsten öffnen. 
Als meine Hände nach dem Riegel greifen, 
da sind sie voll von seinem Myrrhenöl. 
Schnell öffne ich die Tür für meinen Freund; 
doch er ist fort, ich kann ihn nicht mehr sehn.
Mein Herz steht still, fast tötet mich der Schreck!
Ich suche meinen Freund, kann ihn nicht finden.
Ich rufe Ihn, doch er gibt keine Antwort.
Die Wächter finden mich bei ihrem Rundgang.
Sie schlagen ohne Mitleid auf mich ein
und reißen mir den Umhang von den Schultern.
 

Ihr Mädchen alle, ich beschwöre euch:
Wenn euch mein Freund begegnet, sagt Ihm doch,
die Liebessehnsucht macht mich matt und krank!

Beschreib’ ihn uns, du schönste aller Frauen!
Wer ist es, den du suchst?
Was unterscheidet ihn von andren Männern,
dass du uns so beschwörst?

Mein Liebster sieht blühend und kräftig aus,
nur einer von Tausenden ist wie er!
Sein schönes Gesicht ist so braungebrannt
sein Haar dicht und lockig und rabenschwarz.
Die Augen sind lebhaften Tauben gleich.
Ganz weiß sind die Zähne, als hätten sie
gebadet in Bächen von reiner Milch.
Die Wangen sind Beete voll Balsamkraut,
die herrlichsten Würzkräuter sprießen dort.
Wie Lilien leuchtet sein Lippenpaar,
das feucht ist von fließendem Myrrhenöl.
Die Arme sind Barren aus rotem Gold,
mit Steinen aus Tarschisch rundum besetzt.
Sein Leib ist ein Kunstwerk aus Elfenbein,
geschmückt mit Saphiren von reinster Art
Die Beine sind marmornen Säulen gleich,
die sicher auf goldenen Sockeln steh’n.
Dem Libanon gleicht er an Stattlichkeit,
den ragenden Zedern an Pracht und Kraft.
Sein Mund ist voll Süße, wenn er mich küsst –
ja, alles an ihm ist begehrenswert!
Seht, so ist mein Liebster und so mein Freund.
Nun wisst ihr’s, ihr Mädchen Jerusalems!
 

Schnell, sag uns noch, du schönste aller Frauen:
Wo ging dein Liebster hin?
Wir wollen mit dir geh’n und nach ihm suchen!
Wo könnte er denn sein?

Er ist in seinem Garten, 
wo Balsamsträucher steh’n, 
wo er die Herde weidet 
und schöne Lilien pflückt. 
Nur mir gehört mein Liebster, 
und ich gehöre ihm! 
Er findet seine Weide, 
wo viele Blumen steh’n.
 

Schön wie Tirza bist du, Freundin, 
strahlend wie Jerusalem; 
wie ein Trugbild in der Wüste 
raubt dein Anblick mir den Atem.
Wende deine Augen von mir, 
denn sie halten mich gefangen.
Wie die Herde schwarzer Ziegen 
talwärts von dem Berge zieht, 
fließt das Haar auf deine Schultern.
Weiß wie meine Mutterschafe, 
wenn sie aus dem Wasser steigen, 
glänzen prächtig deine Zähne; 
keiner fehlt in seiner Reihe.
Deine Wangen hinterm Schleier 
schimmern rötlich wie die Scheibe 
eines Apfels vom Granatbaum.
Lass den König sechzig Frauen, 
achtzig Konkubinen haben, 
dazu Mädchen ohne Zahl!
Meine Liebe gilt nur einer: 
meinem makellosen Täubchen!
Sie ist ihrer Mutter Liebling, 
denn sie ist die einzige Tochter. 
Sähen sie die ander’n Frauen,
Königinnen, Konkubinen, 
alle würden sie besingen:
 

Wer leuchtet so schön wie das Morgenrot, 
hell wie der Mond, wie der Sonne Strahl, 
verwirrend wie Bilder im Wüstensand?»
 

Ich ging hinunter in den Walnussgarten,
um mich am frischen Grün des Tals zu freuen, 
des Weinstocks neue Triebe anzuschauen 
und auch die ersten Blüten am Granatbaum.

Was ist mit mir? Ich kann mich kaum beherrschen, 
obwohl ich doch aus edlem Hause stamme!
 

Komm, dreh dich im Hochzeitstanz, 
Schulammit! 
Komm, dreh dich im Tanze und lass dich sehn!

Was habt ihr davon, mich beim Tanz zu seh’n?
Was ist denn Besondres an Schulammit?

Deine Füße sind zierlich 
in den Schuhen, du Fürstin! 
Und das Rund deiner Hüften 
ist das Werk eines Künstlers! 
Einer Schale, der niemals 
edler Wein fehlen möge, 
gleicht dein Schoß, süßes Mädchen!
Wie ein Hügel von Weizen 
ist dein Leib, rund und golden 
und von Lilien umstanden. 
Deine Brüste sind herzig 
wie zwei junge Gazellen.
Einem Elfenbeinturm gleich
ist dein Hals, schlank und schimmernd. 
Deine Augen – zwei Teiche 
nah beim Tore von Heschbon. 
Deine Nase ist zierlich
wie der Vorsprung des Wachtturms
an dem Weg nach Damaskus.
Wie das Karmelgebirge 
ist dein Kopf, hoch und prächtig. 
Voller Glanz ist dein Haupthaar; 
in dem Netz deiner Locken 
liegt ein König gefangen.
 

Du bist schön wie keine and’re, 
dich zu lieben macht mich glücklich!
Schlank wie eine Dattelpalme 
ist dein Wuchs, und deine Brüste 
gleichen ihren vollen Rispen.
Auf die Palme will ich steigen, 
ihre süßen Früchte pflücken, 
will mich freun an deinen Brüsten, 
welche reifen Trauben gleichen. 
Deinen Atem will ich trinken, 
der wie frische Äpfel duftet, 
mich an deinem Mund berauschen, 
denn er schmeckt wie edler Wein …

… der durch deine Kehle gleitet 
dich im Schlaf noch murmeln lässt.
Nur ihm gehöre ich!

Nur ihm, meinem Liebsten, gehör ich, 
und mir gilt sein ganzes Verlangen!
Komm, lass uns hinausgeh’n, mein Liebster, 
die Nacht zwischen Blumen verbringen!
Ganz früh steh’n wir auf, geh’n zum Weinberg 
und sehn, ob die Weinstöcke treiben, 
die Knospen der Reben sich öffnen 
und auch die Granatbäume blühen. 
Dort schenke ich dir meine Liebe!
 

Kannst du den Duft der Liebesäpfel spüren?
Vor uns’rer Tür ist köstlich süßes Obst, 
die allerbesten Früchte, alt und neu, 
für dich, mein Liebster, sind sie aufbewahrt!
Wärst du doch mein Bruder!

Ich wünschte mir, dass du mein Bruder wärst, 
den meine Mutter an der Brust genährt hat. 
Dann dürfte ich dich unbekümmert küssen, 
wenn ich dich draußen auf der Straße treffe, 
und niemand würde dann die Nase rümpfen. 
Ich nähm’ dich mit zum Hause meiner Mutter; 
du könntest mich im Zärtlichsein belehren, 
ich gäbe dir gewürzten Wein zu trinken 
und meinen Most von Früchten des Granatbaums.
Sein linker Arm liegt unter meinem Kopf, 
und mit dem rechten hält er mich umschlungen. 
Ihr Mädchen alle, ich beschwöre euch, 
dass ihr uns nicht in unsrer Liebe stört!
 

Wer kommt dort herauf aus der Wüste, 
gestützt auf den Arm ihres Liebsten?
 

Hier unterm Apfelbaum 
hab ich dich aufgeweckt, 
wo deine Mutter dich empfing 
und wo sie dich gebar.
Du trägst den Siegelring 
an einer Schnur 
auf deiner Brust 
So nimm mich an dein Herz! 
Du trägst den Reif um deinen Arm.
So eng umfange mich!
Unüberwindlich 
ist der Tod: 
niemand entrinnt ihm, 
keinen gibt er frei. 
Unüberwindlich –
so ist auch die Liebe, 
und ihre Leidenschaft 
brennt wie ein Feuer.
Kein Wasser kann die Glut der Liebe löschen,
und keine Sturzflut schwemmt sie je hinweg.
Wer meint, er könne solche Liebe kaufen,
der ist ein Narr, er hat sie nie gekannt!
 

Noch ist unsre kleine Schwester 
für die Liebe viel zu jung, 
denn sie hat noch keine Brüste. 
Kommt sie erst ins rechte Alter, 
dass sie jemand freien will, 
müssen Ihre Brüder wachen. 
Sperrt sie sich wie eine Mauer, 
schmückt man sie mit Silberzinnen,
gleicht sie einer offenen Pforte, 
schließt man sie mit Zedernbalken.

Eine starke Mauer bin ich, 
Türmen gleichen meine Brüste. 
Trotzdem will ich mich ergeben, 
bitte meinen Freund um Frieden.
 

Salomo hat einen Weinberg 
auf dem Hang von Baal-Hamon. 
Für die Ernte würde jeder 
tausend Silberstücke zahlen; 
darum wird er streng bewacht. 
Salomo gönn ich die tausend, 
auch den Wächtern noch zweihundert –
Ich hab’ meinen eigenen Weinberg!
 

Du Mädchen in den Gärten, 
die Freunde warten schon: 
Lass deine Stimme hören 
und rufe mich zu dir!

Komm schnell zu mir, mein Liebster!
Komm, eile wie ein Hirsch; 
sei flink wie die Gazelle, 
die in den Bergen wohnt.

Mo’adim le simcha und Shabbat Shalom!


[1] Siehe 13. Dezember in der Timeline



Kategorien:Israel, Religion

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