ב“ה
26./27. Ijjar 5782 27. / 28. Mai 2022
Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden) 18:57
Shabbatausgang in Jerusalem: 20:19
Shabbateingang in Zürich: 20:42
Shabbatausgang in Zürich: 22:10
Shabbateingang in Wien: 20:24
Shabbatausgang in Wien: 21:43

Dieser Wochenabschnitt beginnt mit den Worten אִם-בְּחֻקֹּתַי, תֵּלֵכוּ, «wenn ihr meinen Gesetzen folgen werdet», ja, noch mehr als das, «wenn ihr sie einhaltet».
Was dann als Versprechen Gottes an die Menschen ausgesprochen wird, scheint die Neuauflage des Gan Eden, des Paradieses zu sein. Ein Land, das Nahrung für alle in ausreichender Menge gibt, wo Frieden herrscht und vor allem, wo Gott inmitten seiner Kinder leben wird.
Die Versklavung liegt endgültig hinter dem Volk Israel. Aus den Menschen, die vor den Herren im Land Ägypten den Kopf beugen und den Rücken krumm machen mussten, sollte ein Volk werden, dass aufrecht gehen darf.
Das alles aber nur dann, wenn, und das ist das Massgebliche, sie gewillt sind, alle seine Gesetze, seine Regeln einzuhalten. Klingt doch ganz einfach!
Doch nun kommt es schlimm! Gott spricht Drohungen aus, wahrscheinlich deshalb, weil er genau weiss, dass sein Volk immer wieder in Versuchung kommen wird, eben nicht alle Vorschriften einzuhalten. In Lev 26:14 steht «Wenn ihr nicht alle meine Vorschriften einhalten werdet.» Alle? Meint Gott wirklich alle? Jedes Einzelne? Aber, so werden viele Menschen nun sagen, das ist doch unmöglich!
Ja, das stimmt! Halten wir uns doch vor Augen, wie viele Gesetze wir beachten müssen. Es sind 613, die uns in der Thora immer wieder nahegelegt werden, 365 Verbote und 248 Gebote. Nach der Zerstörung des zweiten Tempels haben sich durch den Wegfall der Tempelopfer zahlreiche Vorschriften erübrigt. Es bleiben aber noch mehr als genug Gesetze, die eingehalten werden müssen.
Der moderne Mensch muss arbeiten, zumindest vierzig Stunden in der Woche an fünf Tagen. Dazu kommt der Arbeitsweg, der in der heutigen Zeit, wo die Mobilität des Arbeitsplatzes es notwendig macht, teils lange dauert. Während der Woche bleibt kaum Zeit, sich dem Studium der Torah und der jüdischen Rechtsvorschriften zu widmen.
Sechs Tage sollst du dein Brot verdienen, doch am siebenten Tag sollst du ruhen! Ruhen? Am siebenten Tag dürfen wir uns auf uns selbst besinnen, dürfen lernen und studieren und beten. Das, was früher galt, sollte auch heute gelten. Aber die Realität ist eine andere. Am Wochenende fordern familiäre und gesellschaftliche Verpflichtungen ihr Recht.
Das Wochenende ist die Zeit, uns den Kindern zu widmen, Zeit für sie zu haben und sie durch die persönliche Zuwendung positiv zu beeinflussen. Etwas, für das uns Gott liebt! Auch, wenn es bedeutet, dass wir uns nicht immer und zu jeder Minute fragen, ob wir gerade eine Vorschrift einhalten, oder nicht.
Doch Gott, den wir als gerechten Gott kennengelernt haben, droht uns in den folgenden Sätzen. Die Drohungen sind so heftig, dass diese Textstelle in den Synagogen oftmals nur sehr leise und sehr schnell gelesen wird. Siebenfach wird er uns strafen. Sieben, die Zahl der Vollendung. Will Gott unsere Strafe so umfassend gestalten, dass sie durch nichts mehr übertroffen werden kann?
Also doch kein Garten Eden?
Gott gibt uns die Chance, hoffen zu dürfen, dass er uns nicht auf Dauer straft. Wenn wir uns intensiv bemühen, wird er zu unseren Gunsten entscheiden. Sich an den Bund erinnern, den er mit unseren Vorvätern geschlossen hat, um weiterhin für uns da zu sein.
Betrachten wir die Worte des heutigen Wochenabschnittes so, dann dürfen wir weiter auf die Güte und Gnade Gottes hoffen.
Shabbat Shalom!
Kategorien:Religion
Hinterlasse einen Kommentar