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11./12. Siwan 5782 10./11. Juni 2022
Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden) 19:04
Shabbatausgang in Jerusalem: 20:27
Shabbateingang in Zürich: 21:04
Shabbatausgang in Zürich: 22.24
Shabbateingang in Wien: 20:36
Shabbatausgang in Wien: 21:58
Der Wochenabschnitt dieser Woche lehrt uns den ältesten Segensspruch in der ganzen Thora, Lev 6:24 -26, den jeder kennt.
Der Herr segne und behüte dich
Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir wohlgesonnen
Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Frieden!

Gott hat Aaron aufgetragen mit diesen Worten, die als Priestersegen bekannt wurden, das Volk Israel zu segnen. Wie alles, was Gott Aaron auftrug, stand auch dieser Segen im Zusammenhang mit den Tempelopfern.
Heute gibt es keinen Tempel und deshalb auch keine Tempelopfer mehr. Die ehemals so wichtige Rolle der Priester hat aufgehört zu existieren. Aber in ihrer Besonderheit erfüllen sie auch heute noch die Verpflichtung, das Volk Israel während der Gottesdienste, die an die Stelle der Tempelarbeit getreten sind, zu segnen.
Je nach Ausrichtung der Gemeinde ruft der Kantor oder der Rabbiner nach der Wiederholung der Amida die anwesenden Männer der Nachkommen der Priesterkaste auf, vor den Aron HaKodesh, den Thoraschrein, zu treten. Die Köpfe mit dem Tallit verdeckt, beginnen diese mit dem Segensspruch „Gelobt seist du, HaSchem, unser Gott, König der Welt, der uns mit Aarons Heiligkeit geheiligt und uns befohlen hat, sein Volk Israel in Liebe zu segnen.“ Die Arme sind dabei auf Schulterhöhe angehoben und die Hände zum Zeichen der Kohanim gespreizt.
Sie wiederholen Satz für Satz den Segen, den der Kantor oder Rabbiner ihnen vorspricht und die Gemeinde antwortet jeweils mit «Amen».
Besonders eindrücklich ist der Priestersegen an der Klagemauer, der in jedem Jahr an Pessach und Sukkot durchgeführt wird. Hunderte Kohanim versammeln sich dort um sich des Tempeldienstes, der ihre Aufgabe war, an dem Ort zu erinnern, an dem er bis zum Jahr 70 CE stattfand.
Ist der Segen Teil des Tempelkultes und der Opferhandlungen? Diese Frage bewegt seit jeher die Weisen. Falls er Teil der Opferhandlungen gewesen wäre, so würde er nach der Zerstörung des Tempels obsolet gewesen sein. Also muss er einen anderen Hintergrund haben. Die Antwort finden wir im 3. Buch Moses 9:22 «Aaron öffnete seine Hände gegen das Volk und segnete sie. Nachdem er so das Sündenopfer, das Ganzopfer und die Friedensopfer dargebracht hatte, stieg er hinab.»
Interpretieren wir diese Stelle richtig, so steht der Priestersegen am Ende der Opferzeremonie und bildet den Schlusspunkt. Nachdem die Opfer dargebracht wurden, darf Aaron das anwesende Volk Israel segnen, ihnen die Gnade, den Schutz und den Frieden Gottes stellvertretend im Namen Gottes geben.
Ist das nicht eine schöne Vorstellung? Die Priester lassen uns teilhaben an der Liebe Gottes. Sie, die durch ihre Tempelarbeit eine besondere Beziehung zu Gott haben, werden von Gott ausdrücklich aufgefordert, uns an dieser Beziehung teilhaben zu lassen.
Es gibt Tendenzen, hauptsächlich in Israel, dass Frauen, die Töchter von Kohanim sind, das Recht des Priestersegens auch für sich reklamieren.
Zu Recht? Oder als Teil einer überspitzten feministischen Einstellung? Gleich wie auch immer. Haben die Frauen, die lautstark an der Kotel für ihr «gleiches Recht» plädieren, darüber nachgedacht, was die Hauptarbeit der Priester war? Richtig, es war das Opfern der Tiere, von der kleinen Taube bis hin zum mächtigen Stier. Eine physisch anstrengende Aufgabe, die sie schnell überfordert hätte.
Ich wünsche uns allen, aber auch den Frauen, die beseelt sind vom Gedanken «Emanzipation um jeden Preis», dass sie die pure Freude und Dankbarkeit empfinden können, die uns alle umhüllt, wenn wir den Segen in der Synagoge hören.
Shabbat Shalom!
Kategorien:Religion
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