17. Tammus 5782
Geschichte:
Um 200 BCE lebten die Hasmonäer, ein Volk, welches als königliches und priesterliches Geschlecht aus den Makkabäern hervorging, im Bereich des oberen Galiläas. Ihr Ziel war es, einen selbstständigen jüdischen Staat in der Region Palästina zu gründen.
Im Kampf gegen Herodes verschanzten sie sich in den Höhlen des Berg Arbel, der sich auf der Westseite des Kinneret erhebt. Die steilen Klippen boten den Schutzsuchenden offensichtlich Schutz genug, um dort eine Art Felsenfestung zu errichten. Von dort hat man einen atemberaubenden Blick auf Galiläa, hinauf bis zum Golan und den Berg Hermon. Nach Osten öffnet sich der Blick auf den Kinneret, der dank des regenreichen Winters nahezu randvoll ist und sich in seiner vollen Pracht zeigt.
Etwas abgelegen auf dem Plateau liegen die Überreste eines jüdischen Dorfes aus hellenistischer Zeit, also etwa 200 BCE, welches bis in die Römerzeit genutzt wurde. Im Berg finden sich Wohnhöhlen, die wahrscheinlich jüdischen Rebellen als Zufluchtsort gedient haben. Die Schlacht zwischen den Hasmonäern und römischen Soldaten fand im Jahr 40 BCE statt. Die Römer konnten die Schlacht nur gewinnen, indem sie sich von oben über die Klippen zu den Höhlen abseilten und dort in den Eingängen grosse Feuer entzündeten.
Zahlreiche Verteidiger sprangen, um nicht in die Hände der Römer zu fallen, in die Tiefe, wie Josephus Flavius in seinem Buch «Der jüdische Krieg» beschrieb.
Nach einer Restaurationszeit von nur 1 ½ Jahren wird die Festung heute wieder eröffnet.
Diplomatie:
Saudi-Arabien hat vor wenigen Tagen bekannt gegeben, den Luftraum für alle aus Israel kommenden oder nach Israel fliegenden Flugzeuge zu öffnen. Für den arabischen Staat, der ansonsten noch keinerlei diplomatische Beziehungen zu Israel hat, könnte dies ein erster Schritt in Richtung Öffnung der Beziehungen sein.
Der saudische Aussenminister betonte aber, dass die Öffnung des Luftraums nichts mit einer Änderung der Beziehungen zu Israel zu tun habe. Ein Frieden mit Israel sei möglich, aber erst, wenn die Zwei-Staaten-Lösung Wirklichkeit geworden sei. Die Ankündigung von MK Netanyahu, er werde den Frieden mit den Saudis bringen, ist damit wohl in unerreichbare Ferne gerückt. Für ihn gilt nur die extreme Ein-Staaten-Lösung. Reine nie erfüllbare Wahlpropaganda also wieder einmal.
Unmittelbare Vorteile bringt diese Öffnung all jenen arabisch-israelischen Bürgern, welche zur Wallfahrt nach Mekka reisen wollen. Die Anreisezeit reduziert sich durch den möglichen Direktflug dramatisch.
Mansour Abbas, Vorsitzender der Ra’am Partei wurde zitiert, dass er gegen diese durchaus positive diplomatische Veränderung sei. Als Grund gab er an, dass dies der Beziehung Israels zu Jordanien schaden würde.
I24News habe, so wurde schnell aus der Ra’am Partei kommentiert, Abbas falsch zitiert. «Eine Verbesserung der Beziehungen zu Israel und jedem Land in der Region, insbesondere zu Saudi-Arabien, sollte nicht auf Kosten Jordaniens gehen.“ Das sei der tatsächliche Wortlaut gewesen.
US-Diplomatie:
US-Präsident Joe Biden absolvierter als erster Präsident einen Besuch im Ostteil von Jerusalem. Bisherige Präsidenten hatten sich auf den Besuch der Altstadt beschränkt. Dabei standen in der Regel der Besuch der Grabeskirche und der Klagemauer auf dem Programm.
Präs. Joe Biden besuchte das Auguste-Viktoria-Krankenhaus, welches 1898 anlässlich des Besuches von Kaiser Wilhelm II. den deutschen Bewohnern Palästina versprochen wurde. 1910 wurde es auf dem Oelberg eröffnet. 75 % der Patienten, die heute in diesem Schwerpunktkrankenhaus versorgt werden, stammen aus dem Gazastreifen, sowie dem Gebiet von Judäa und Samaria. Durch fehlende Zahlungen der palästinensischen Autonomiebehörde stand dieses wichtige Krankenhaus einige Male kurz vor der Zahlungsunfähigkeit.
Im Jahr 2017 hatte der damalige Präsident Donald Trump die versprochenen US-Hilfsgelder um 25 Millionen US$ gekürzt, nachdem die PA die Beziehungen zu ihm auf Grund seiner Anerkennung von Jerusalem als israelische Hauptstadt abgebrochen hatte.
Präs. Joe Biden stellte nur erneut 100 Millionen US$ in Aussicht. Diese müssen aber zunächst vom Kongress gebilligt werden.
Rechte Politiker in Israel, allen voran MK Netanyahu hatten den Besuch von Präs. Joe Biden als Herabsetzung der Anerkennung von Jerusalem als Hauptstadt verurteilt. Vom präsidialen Büro in Washington wurde der Besuch als rein privater Besuch eingestuft.
Palästinensische Diplomatie:
Man sagt den Palästinensern nach, niemals eine Gelegenheit zu verpassen, um aufzufallen oder etwas zu verpassen.
So auch diesmal bei der gemeinsamen Pressekonferenz von US-Präsident Joe Biden und Präsident Mahmoud Abbas in Bethlehem.
In der ersten Reihe des mit Journalisten voll besetzten Raumes war ein Platz freigehalten worden. Darauf stand ein Bild der, unter noch unter nicht 100 %-ig sicher nachgewiesenen Umständen, erschossenen US-palästinensischen Reporterin Shiereen Abu Akleh. Unter dem Bild der Al Jazeera Korrespondentin stand zu lesen «The voice of Palestine»
Die Frau war im Mai bei einem Schusswechsel zwischen Soldaten der IDF und palästinensischen Schützen tödlich getroffen worden. Israel wird seitens der PA angeklagt, sie willkürlich erschossen zu haben. Um den bedauerlichen Vorfall endgültig aufklären zu können, bat Israel, gemeinsam mit Palästinensern eine Autopsie vornehmen zu dürfen. Dieser Wunsch wurde abgelehnt. Eine Kugel, die erst Wochen nach dem Vorfall an amerikanische Forensiker übergeben wurde, konnte auf Grund starker Verformungen und Abnutzungen nicht identifiziert werden.
Die Familie der Journalistin forderte Präs. Joe Biden auf, sie während seines Aufenthaltes in Israel zu empfangen. Der US-Aussenminister telefonierte mit der Familie und lud sie zu einem Gespräch nach Washington ein.
US-Diplomatie II:
Für grosse Aufregung sorgte die Beflaggung des präsidialen Autos «The Beast». Während des Aufenthalts trug das Fahrzeug Wimpel von den USA und von Israel. Bei der Fahrt nach Ostjerusalem zu seinem privaten Besuch im Auguste-Viktoria-Krankenhaus zierten zwei US-Wimpel den Wagen.
Anschliessend auf der Fahrt nach Bethlehem wurde der linke Wimpel durch die palästinensische Flagge ersetzt.
Auch hier sahen sich rechte Politiker und «Israelkenner» düpiert. Sie sahen darin die indirekte Anerkennung eines palästinensischen Staates…Und mehr als das, sie hätten erwartet, dies vorher mit den jeweiligen Aussenministerien abzuklären.
Wissen wir, ob das nicht passiert ist? Nicht alles muss an die Öffentlichkeit getragen werden.
Resümee eines Besuches:
Noch einmal fanden sich die wichtigsten Politiker des Landes auf dem Flughafen ein, um Präs. Joe Biden in Richtung Saudi-Arabien zu verabschieden.
Auf dem roten Teppich vor dem Flugzeug hatten sich PM Yair Lapid, Präs. Isaac Herzog, US-Botschafter Tomes Nides und Israel-Botschafter Mike Herzog versammelt, um noch einmal ein kurzes Gespräch zu führen.
Der alternierende PM Naftali Bennett hatte es vorgezogen, sich nicht in den Vordergrund zu spielen. Überhaupt muss festgehalten sein, dass es diesmal keinerlei peinlichen Momente gab, wie wir sie beim Besuch des vormaligen Präsidenten Donald Trump erleben mussten, als sich ein MK des Likud aufdringlich und unaufgefordert zum Selfie heranschlich. Es wurden auch keine Ehefrauen angeschleppt, wie wir es von Sarah Netanyahu gewohnt waren.
Auffallend waren die vielen fröhlich lachenden Gesichter, die wir während der Übertragungen sahen. Alles in allem, ein positiver Besuch, der keine weltbewegenden Veränderungen bringen wird.
Aber, es herrschte eine grossartige Stimmung und es gab viele private Gespräche zwischen PM Yair Lapid und Präs. Joe Biden.
Nach den unruhigen Trump-Netanyahu Jahren war er eine echte Wohltat.
Kategorien:Aus aller Welt, Israel, Timeline
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