3. Elul 5782
Verstorben:
1948 verstarb die am 19. April 1872 in Berlin geborenen Alice Salomon in New York. Als «Höhere Tochter» war es ihr nicht zugestanden, einen Beruf zu ergreifen. Stattdessen wurde sie für einige Zeit, wie damals üblich, als «Haustochter» in eine andere Familie aufgenommen, um dort die korrekte Haushaltsführung zu erlernen. Haustöchter halten nicht als Angestellte, sondern als temporäre Familienmitglieder.
Mit 21 Jahren schloss sie sich der «Mädchen- und Frauengruppe für soziale Hilfsarbeit» an und übernahm nach dem Tod der Gründerin im Jahr 1899 auch deren Führung. Schon ein Jahr später trat sie dem «Bund deutscher Frauenvereine» bei. Hauptaugenmerk dieser Gruppe lag auf der physischen und psychischen Betreuung von Frauen in persönlichen Notlagen.
Obwohl sie kein Abitur hatte, wurde sie zum Studium zugelassen und beendete dieses 1906 mit der Promotion zur Doktorin der Philosophie mit der Dissertation «Die Ursachen der ungleichen Entlohnung von Männer- und Frauenarbeit». Im Jahr 1908 gründete sie die erste «Soziale Frauenschule», die bis 1990 als «Staatliche Fachhochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik» existierte und ab 1991 als «Alice-Salomon-Hochschule – Berlin» weitergeführt wird.
Ihre Schule war für Salomon der Ort, an dem alles, was die Frauenbewegung an Rechten für die Frauen erreicht hatte, umgesetzt wurde. Sie sah in der sozialen Schulung «nicht nur eine Sache der Vermittlung von Wissen, sondern eine Frage der Entwicklung des Gewissens, der Pflege der Charaktereigenschaften».
Umfangreich war das Forschungsprojekt, welches sich mit dem «Bestand und der Erschütterung der Familie in der Gegenwart» beschäftigte und dafür mehr als 13 umfassende Monografien schrieb. In diesen Werken stellte sie dem Überlebenswillen der notleidenden Familien die ungünstigen Lebensbedingungen, die politische Unaufgeklärtheit und die fehlende Bildung gegenüber. Aus diesem Studienprojekt entwickelte sie die «Soziale Diagnostik», die sich mit der Beurteilung des gesamten menschlichen Lebensumfeldes beschäftigt. Die von ihr angestrebte positive Nutzung mit dem Ziel einer sozialen Gerechtigkeit wurden von den Nationalsozialisten unterbrochen. Diese missbrauchten die Forschungsansätze für ihre Zwecke in den Selektionsverfahren.
Nachdem die Nationalsozialisten sich mehr und mehr in ihre Forschung und ihren Unterricht hineindrängten, stellte sie selbst 1933 den Antrag auf Auflösung der Schule. 1937 wurde sie zur Emigration gezwungen. In New York wurden ihr als deutscher Staatsbürgerin beide Doktortitel aberkannt. 1944 erwarb sie die amerikanische Staatsangehörigkeit. Beruflich gelang es ihr nicht, in der neuen Heimat Fuss zu fassen. Ihre Memoiren erschienen erst posthum 1983 in Deutschland.
Eine Anerkennung ihrer Leistung für die soziale Gleichberechtigung im Ausbildungs- und Arbeitsprozess fand erst nach dem Krieg in Deutschland statt.
Weltzionistenkongress Basel:
Präsident Isaac Herzog betonte bei seiner Eröffnungsrede im Stadt Casino Basel vor etwa 1400 geladenen Gästen über den Begriff «Zionismus». «Wir müssen den Begriff wieder mit den Inhalten nationaler Identität, Hoffnung und Stolz verbinden. Mit dem Recht und der Pflicht der jüdischen Selbstbestimmung im biblischen Land Israel.» Er erinnerte auch an den ersten Kongress, der vor genau 125 Jahren von Theodor Herzl einberufen worden war und auf dem dieser seine Vision einer «Jüdischen Heimstatt» proklamierte. «Ich stehe heute in eben diesem Saal als Präsident des modernen Staates Israel. Aus Jerusalem, der ewigen Hauptstadt des jüdischen Volkes.»
Präsident Herzog hatte, bevor er zum Präsidenten gewählt wurde, jahrelang der Jewish Agency fungiert.
Nicht unerwähnt liess er auch, dass es in den sozialen Medien Diskussionen gegeben hätte, ob das Wort «Zionist» als antisemitischer Schmähbegriff gegen Juden und Israelis zu werten, und deshalb zu blockieren sei. Oder ob der Begriff gleichzeitig als Kritik an der israelischen Politik zu werten sein.
«Ich war entsetzt, weil unvorstellbarer Weise zu keinem Zeitpunkt angedeutet wurde, dass ‚Zionist‘ tatsächlich ein positiver Begriff sein könnte!»
Den Begriff «Zionismus» wieder positiv zu besetzen sei, so sagte er, die Herausforderung für diese Generation.
Kultur:
1995/2022 Aviv Geffen, der am Tag der Ermordung von PM Jitzchak Rabin gemeinsam mit diesem auf der Bühne in Tel Aviv stand, galt jahrelang als das Symbol für politisch linke Ansichten, die er in seinen Texten thematisierte. Ein Symbol für die Hoffnung auf einen möglichen Frieden.
Jetzt hat er offensichtlich die Seiten gewechselt. Anlässlich eines Konzertes in der Siedlung Beth El in Samaria erklärte er «Ich und ihr, meine Brüder, waren für viele Jahre voneinander getrennt. Ich habe aus Unwissenheit Dinge gesagt, um andere herabzuwürdigen. Ich bin so glücklich, dass ich hier bin. Danke für eure Einladung.»
Die derzeitige Parteiführerin von Yamina, Ayelet Shaked, habe ihm, so erklärte er, geholfen, andere zu «akzeptieren und zu respektieren».
Schade, mit dieser Wandlung tritt er die Erinnerung vieler, die ihn an der Seite eines erstmals lachenden PM Jitzchak Rabin sahen, der aus vollem Herzen das Lied vom Frieden mitsang, in den Schmutz.
Sicherheitspolitik:
Nach einem Briefing zwischen PM Yair Lapid und dem Oppositionsführer MK Netanyahu zum Thema Atomabkommen mit dem Iran zeigte sich MK Netanyahu «mehr besorgt als vorher». Seitens des Regierungssprechers kam als sofortige Reaktion «Netanyahu sabotiert und gefährdet weiterhin die Sicherheit israelischer Bürger. In Fragen der nationalen Sicherheit gibt es in Israel keine Opposition oder Koalition. Israel ist stark und wird geschlossen handeln, um seine Sicherheitsinteressen vor denen zu schützen, die versuchen, uns Schaden zuzufügen.»
Netanyahu nutzt das Treffen zu einem Wahlkampfstatement. PM Yair Lapid und VM Benny Gantz seien «bei der Arbeit eingeschlafen», so die für Netanyahu typischen Worte. «Ich habe eine klare Botschaft an die Ayatollahs in Teheran: Am 1. November werden wir eine starke und entschlossene Führung nach Israel bringen, die sicherstellt, dass sie mit oder ohne Abkommen niemals Atomwaffen haben werden.»
Bezeichnend für die unterschiedlichen Einstellungen war auch die bekanntgewordene Diskussion über das Foto, welches vom Treffen veröffentlicht werden sollte. Man konnte sich nicht einigen. Und so gibt es nun zwei «offizielle» Bilder, eines aus dem Umfeld von MK Netanyahu, auf welchem beide lächeln und eines aus dem Büro des PM, auf dem beide ernst schauen…….. wie soll man da gemeinsam Politik machen, wenn man sich schon bei solchen Kleinigkeiten nicht einig ist?
Wahlen 2022:
Wer in Israel Wahlhelfer werden will, der muss sich beim Zentralen Wahlkomitee in ein Register eintragen. Oder er kann sich auch bei der rechts-extremen NGO «Im Tirzu» über die Homepage anmelden, die die Anmeldung weitergibt. Warum, den Umweg über eine NGO machen?
Im Tirzu wurde im Jahr 2006 gegründet, bezeichnet sich selbst als strikt zionistisch und als Unterstützer für einen jüdischen und demokratischen Staat Israel. Sie unterhält 20 Zweigstellen an Hochschulen und Universitäten und zählt über 6.000 Aktivisten. Im Tirzu bekämpft u.a. BDS und den New Israel Fund, einer NGO, die weltweit aktiv ist und antiisraelische Organisationen und Medien unterstützt. So weit, so gut.
Im Jahr 2012 lancierte Im Tirzu eine Klage gegen linksgerichtete Aktivisten, die sie in der Nähe von Faschismus verorteten. Als Entschädigung verlangten sie NIS 2.6 Millionen. Das Bezirksgericht von Jerusalem wies den Grossteil der Klagen ab. Vier der fünf Angeklagten, darunter ein Journalist des Haaretz, wurden freigesprochen. Beim fünften Beschuldigten wurde zumindest eine möglicherweise falsch zu verstehende Aussage kritisiert. Prof. Sternhell, ein anerkannter Faschismusforscher erklärte, dass es zumindest Ansätze für faschistisches Denken bei dieser NGO gäbe. Andere Zeugen testierten, dass der Gründer der NGO «zugab, sich von deutschen Philosophen inspirieren zu lassen, die als Vorläufer der faschistischen Ideologie galten.»
Wahlhelfer einer so klar rechts angesiedelten Gruppe werden immer dem rechten Lager behilflich sein. Wenn sie es auch am Wahltag selbst kaum mehr manipulieren können, so werden sie doch im Vorfeld zahlreiche Besuche bei andersdenkenden Wählern absolvieren.
Kategorien:Aus aller Welt, Timeline
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