Was geschah am 11. September

15. Elul 5782

Geschichte:

1921 wurde in der Jezreel Ebene westlich von Nazareth der erste Moschaw Israels gegründet. Er erhielt den Namen Nahalal, der zurückgeht auf das Buch Joshua. 

Die Siedlung zeigt die für Moschawim, genossenschaftliche landwirtschaftliche Siedlungen, typische Rundform. Um den Ortskern gehen speichenförmig die Strassen und Wege ab. Jeder Bewohner des Moschaw erhält ein gleich grosses Stück Land zugeteilt.

Das Grundprinzip der Moschawim ist, dass jeder für sich allein wirtschaftet, dass aber der Einkauf und die Zuteilung und Nutzung der Geräte genossenschaftlich organisiert ist. Dieses Vorgehen steht im Gegensatz zum Kibbutz, der in der klassischen Form kein Privateigentum kannte. Der Grund für diese neue Siedlungsform, die noch heute vielfach in Israel vorkommt, war, dass man zwar die genossenschaftliche Art der Nutzung beibehalten, aber gleichzeitig die eigentliche private Familienstruktur aufrechterhalten wollte. 

Mitgründer dieses ersten Moschaws waren ehemalige Mitglieder vom ersten Kibbutz Israels, Degania, unter anderem die Familie von Moshe Dajan, der auch hier beigesetzt ist. 

Geboren:

1929 wurde Greta Klingsberg in Wien geboren. Im Alter von 13 Jahren wurde sie in das KZ Theresienstadt verschleppt. Dort spielte sie mehr als 50-mal die weibliche Hauptrolle der Aninka in der Kinderoper Brundibár.

Die Komposition dieser Oper wurde als Wettbewerb 1938 vom tschechoslowakischen Erziehungsministerium ausgeschrieben. Es kam nicht mehr zur Aufführung, nachdem die Nazis die Tschechoslowakei annektiert hatten. 

Die erste Uraufführung sollte anlässlich des 50. Geburtstages von Otto Freudenfeld, dem Direktor des jüdischen Waisenhauses in Prag im Jahr 1941 stattfinden. Jedoch begannen ab 30. November 1941 die Kindertransporte nach Theresienstadt. Aus dem Waisenhaus in Prag wurde ein Lazarett. Die Vorstellungen Ende 1942/Anfang 1943 fanden in stark vereinfachter Form und im Geheimen statt. Am 23. September 1943 wurde die Oper erstmals in Theresienstadt aufgeführt. Insgesamt 55-mal wurde sie gespielt.

Die zehn Solisten bleiben während der gesamten Zeit gleich, die 40 Chorteilnehmer mussten immer wieder ausgetauscht werden. Die Sänger wurden regelmässig nach Auschwitz verschleppt und dort ermordet.

Im Propagandafilm «Theresienstadt», in dem auch eine kurze Szene der Oper zu sehen war, sollte dem Zuschauer die angebliche Normalität, in der die KZ-Insassen lebten, vorgaukeln. 

Greta Klingsberg wanderte nach der Befreiung zunächst nach London und später nach Jerusalem aus, wo sie am Konservatorium Gesang studierte.  Eine hebräische Übersetzung des Librettos von Brundibár geht auf sie zurück.

Gesundheit:

1995/2009/2022 In Australien wurde im Jahr 2009 das Projekt «R U OK?» gestartet. Gavin Larkin startete es in Erinnerung an seinen Vater, der im Jahr 1995 Selbstmord begangen hatte. Vielleicht hatte niemand dem Vater zugehört, vielleicht könnte er noch leben, wenn jemand die richtige Frage gestellt hätte. «Are you ok?» wurde abgekürzt zu «R U OK».

Wie oft möchte man selbst auf die entsprechende Frage mit «Nicht gut!» antworten und weiss doch, dass die Reaktion sehr oft Schweigen ist. Die Frage ist nur oberflächlich gemeint, der «besorgte» Fragende selbst gar nicht in der Lage, sich weiter auf den Betroffenen einzulassen. 

Corona hat gezeigt, dass viele Menschen an ihre Grenzen gestossen sind. Physisch und psychisch. Einsamkeit, Ängste, Abhängigkeiten, das Bewusstsein der eigenen Unzulänglichkeit. Und auf der anderen Seite die Vorurteile «Wird schon wieder!» «Stell dich doch nicht so an!» «Kenn ich auch alles!» Reaktionen, die den Betroffenen noch mehr herunterziehen. 

Michal Herzog, die Gattin unseres Präsidenten Isaac Herzog, hat nun die Patenschaft für dieses Projekt in Israel übernommen. Nach Australien wird somit Israel zweite Land sein, dass dieses Projekt in die Gesellschaft übernimmt. «Wir müssen über das Thema reden und ohne Angst über psychische Gesundheit sprechen!» 



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