26. Elul 5782
Politik:
Bei seiner Rede vor der UN-Vollversammlung betonte PM Yair Lapid, er unterstütze die Vision einer Zwei-Staaten-Lösung mit einer strikten Trennung zwischen Palästinensern und Israel.
Mit dieser Rede spricht erstmals seit vielen Jahren ein israelischer PM die Gründung eines palästinensischen Staates in diesem Gremium an. Er wies aber auch auf die Gefahren hin, die sich aus einer autonomen Staatsgründung ergeben könnten und betonte die Notwendigkeit, immer und zu jedem Zeitpunkt für die Sicherheit Israels Sorge zu tragen.
Die Rede wird von politischen Beobachtern ganz klar als Standorterklärung und als Aufruf an Wähler des linken und mitte-links Spektrum, seiner Politik und ihm die Stimme zu geben.
Seine proaktiven Bemühungen, Kontakt mit dem palästinensischen Präsidenten Abbas zu halten und ihm zu den moslemischen Feiertagen zu gratulieren, hatte er eingestellt. Der Grund waren die ungeheuren Äusserungen zum Thema «israelischer Holocaust von Palästinensern».
Die Rede stiess nicht bei allen Politikern auf Gegenliebe. JM Gideon Sa’ar warnte vor einem in der Westbank entstehenden Terrorstaat. Von seinem Vorgänger Naftali Bennett war zu lesen «Es gibt keinen Grund, die Idee eines palästinensischen Staates aufzubringen. Die Regierung, der ich vorstand, hat viel in der West Bank erreicht, ohne Zugeständnisse zu machen, die Israels Sicherheit gefährden könnten. Es gibt keinen Platz für einen zweiten Staat zwischen dem Mittelmeer und dem Jordan und keine Notwendigkeit für einen palästinensischen Staat. Leere Worthülsen wie «Zwei-Staaten-Lösung» haben wir in den 90-er Jahren hinter uns gelassen.»
Schade, dass sich Bennett, ebenso wie andere Politiker damit klar auf die Seite einer rechts-nationalen Regierung stellen, die im Falle eines Wahlsieges den demokratischen Staat Israel in nicht allzu ferner Zukunft ruinieren werden.
Diplomatie:
2018/2022 Als der damalige US-Präsident Donald Trump beschloss, die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen, war seine britische Kollegin, Theresa May, ganz und gar nicht begeistert von diesem historischen Schritt.
Die neue PM von Grossbritannien, Liz Truss, hatte bereits vor ihrer definitiven Wahl vor wenigen Wochen ihren Parteifreunden erklärt, dass eines ihrer Ziele sei, die britische Botschaft ebenfalls nach Jerusalem zu verlegen.
Zwischenzeitlich haben sich die beiden Staatsoberhäupter in New York getroffen. «Ich verstehe die Bedeutung des Standortes der britischen Botschaft in Israel. Ich habe bereits einige Gespräche mit meinem Freund PM Yair Lapid über das Thema geführt.»
Derweil sind in Grossbritannien Kritiken von ehemaligen UK-Diplomaten laut geworden, die bekräftigen, man solle mit dem Umzug warten, bis ein palästinensischer Staat gegründet worden wäre.
Wahlkampf 2022:
Als im Juni 2021 IM Ayelet Shaked gemeinsam mit dem damaligen Parteichef und ehemaligen PM Naftali Bennet ihre Partei «Yamina» in die Regierungskoalition einbrachte, schien ihre politische Welt geordnet. Die beiden hatten zuvor dazu beigetragen, die Regierung Netanyahu zu stürzen und Neuwahlen zu forcieren.
Als PM Bennett sein Amt vertragsgemäss an PM Lapid weitergab, übernahm sie den Parteivorsitz von Yamina. Die Kleinpartei rutschte in den Wahlumfragen immer weiter ab, es scheint derzeit ungewiss, ob sie die notwendigen 3.25 % zum Eintritt in die Knesset erreichen wird.
Angesichts des bevorstehenden Misserfolges korrigiert sie nun wieder einmal ihren politischen Standpunkt. Sie bat, man mag es kaum glauben, die politische Rechte «um Vergebung, dass sie der Koalition beigetreten sei.» Ihre letzte Hoffnung, doch wieder in der Politik Fuss zu fassen, ist eine Wahlplattform gemeinsam mit ihrer alten Partei «Jüdisches Heim», wo sie auf dem ersten Listenplatz steht.
Was IM Shaked in den letzten Jahren politisch betrieben hat, entpuppt sich als purer eigennütziger Opportunismus, den ihre Wähler hoffentlich mit der Stimmverweigerung abstrafen werden.
Bevölkerung:
Pünktlich zu Rosh Hashana, das am kommenden Sonntagabend beginnt, gibt es die neuesten Bevölkerungszahlen. In Israel leben derzeit 9.6 Millionen Menschen, 74 % davon sind jüdisch, 21 % arabisch und 5 % gehören anderen Ethnien an.
Unter den über 20 Jahre alten Juden definieren sich 45.3 % als säkular, 19.2 % als traditionell, 13.9 % als traditionell-religiös, 10.7 % als religiös und 10.5 % als haredisch.
Set dem vergangenen Jahr ist die Bevölkerungszahl um 1.8 % gestiegen. Es hab 177.000 Geburten. Corona verursachte den Tod von 4.000 Menschen.
Das Statistische Zentralamt sagt Bevölkerungszahlen von 10 Millionen für das Jahr 2024 und 20 Millionen für 2065 voraus. Auf Grund des Krieges in der Ukraine stiegt die Zahl der Neueinwanderer auf überdurchschnittliche 59.000 Personen an.
Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei Männern bei 80.5 und bei Frauen bei 84.6 Jahren.
Tourismus:
Israel kämpft immer noch mit den niedrigen Zahlen des Incoming Tourismus. Zwar sind die Zahlen in den vergangenen Sommermonaten wieder angestiegen, aber immer noch deutlich niedriger als vor der Corona Pandemie. Gleichzeitig ist die Zahl der Israelis, die das Land verlassen, um ihre Ferien zu geniessen deutlich angestiegen.
Die Vergleichszahlen für den August zeigen, dass die Zahl der Anreisen aus dem Ausland um mehr als 25 % gesunken sind. Man geht davon aus, dass auch in den kommenden Wochen, der zweiten klassischen Reisezeit während der Feiertage, die Zahlen ähnlich negativ sein werden.
Tourismusfachleute bestätigen aber, dass es sich bei den rückläufigen Ergebnissen nicht unbedingt um Corona bedingte Einbrüche handelt, sondern dass sich die Erwartungen der Reisenden geändert haben. Sie geben mehr Geld für kürzere Reisen aus, kommen in kleineren Gruppen oder als Individualtouristen. Für die steigende Unzufriedenheit, die in der Folge zu weiteren Einbrüchen führt, gehören unter anderem die Störungen im Flugbetrieb. Verlorenes Gepäck, lange Wartezeiten, abgesagte Flüge sind nicht das, was sie erwarten. In den Hotels wird allgemein ebenfalls über Mitarbeitermangel geklagt, dem auf der anderen Seite deutlich überhöhte Preise gegenüberstehen.
Ein Sektor, der sich schneller zu erholen scheint, ist die Kreuzfahrt. Die Gäste kommen an, bringen ihr Hotel mit, haben fixierte Zeiten und gleichbleibende Qualität bei den Transfers und Besichtigungstouren und kehren abends gut gelaunt wieder in ihr eigenes Restaurant zurück.
Leider muss man festhalten, dass dieser Tagesgast der israelischen Wirtschaft nicht hilft.
Kategorien:Aus aller Welt, Israel, Timeline
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