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27./28. Elul 5782 23./24. Sept. 2022
Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden) 16:06
Shabbatausgang in Jerusalem: 17:26
Shabbateingang in Zürich: 19:04
Shabbatausgang in Zürich: 20:05
Shabbateingang in Wien: 15:52
Shabbatausgang in Wien: 17:04

Zu Beginn des heutigen Wochenabschnittes, dem letzten im heurigen Jahr, heisst es
אַתֶּם נִצָּבִים הַיּוֹם כֻּלְּכֶם, לִפְנֵי יְהוָה אֱלֹהֵיכֶם
„Heute steht ihr alle hier vor eurem Gott!“ Ihr alle, nicht eure Stammesführer, nicht eure Abgesandten, nicht die Ältesten. Nein, wir alle stehen in diesem Moment vor Gott und hören, was er uns direkt zu sagen hat.
Es ist eine der wenigen Stellen der Torah, an der sich Gott direkt an jedes Individuum wendet, nicht an das Kollektiv des Volkes Israel. Jedes Individuum hat heute den gleichen Stellenwert wie alle anderen.
Die folgende Ankündigung ist beruhigend für jeden von uns, denn sie verheisst Hoffnung auf Kontinuität und Fortbestand des Judentums. Gott verspricht nochmals, den Bund mit uns fortzuführen, aber nicht nur mit denen, die gerade physisch vor ihm stehen, sondern auch mit denen, die „heute nicht bei uns sind“ Deut 29:13 + 14.
Viele kleine Gemeinden kämpfen heute Tag für Tag und Woche für Woche ums Überleben. Denken wir gerade an die noch existierenden Gemeinden in Krisengebieten oder in Regionen, aus denen wir Juden mehrheitlich vertrieben wurde. Denken wir an Gebiete, in denen heute Krieg herrscht und aus denen Juden versuchen zu fliehen. Die Juden dort dürfen sich auch auf das Wort Gottes verlassen, dass er sie nicht vergisst, dass er den Bund mit ihnen aufrechterhält. Eine schwere, manchmal nicht tragfähige Hoffnung. Die Sehnsucht, dass es anderswo für sie wieder besser werden wird.
Denken wir auch an den Iran. Der offizielle Iran gilt als Feind Israels. Dennoch leben dort derzeit etwa 20.000 Juden. Es gibt vier Rabbiner, einer von ihnen berichtet, dass sie in völliger Religionsfreiheit leben, ja, dass es sogar möglich ist, jederzeit Fleisch zu schächten. Das ist mehr, als wir in Europa in allen Ländern haben. Die Zahl der Juden hat sich in den letzten Jahrzehnten kaum geändert. Das Leben in einem Land, das wir als für uns bedrohlich erleben, scheint für die, die dort leben, sicher zu sein. Seit 2700 Jahren.
Das Land, das uns allen als ständige Bedrohung erscheint, scheint uns mehr Sicherheit zu bieten, als wir es in Europa jemals fanden. Es gab dort keine Pogrome, keine Shoa und es gibt, man staunt, fast keine antisemitischen Vorfälle.
Gott ist eben überall. Auch dort, wo wir ihn vielleicht gar nicht vermuten.
Dürfen wir also darauf vertrauen, dass das jüdische Leben, gleich wo wir es auf der Welt suchen und finden, auf ewig weiterbestehen wird? Der heutige Wochenabschnitt, das Versprechen, den Bund auch mit denen zu schliessen, die gerade nicht bei uns stehen, gibt Hoffnung.
Das Judentum als Ganzes ist mehr als die Summe der Juden in jedem einzelnen Land.
Christian von Ehrenfels, ein österreichischer Philosoph, hat, aufbauend auf einer These von Aristoteles „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“ festgestellt, dass „das Ganze“ sich aus den Eigenschaften der Teilbereiche zusammensetzt. Sein schönstes Beispiel bezieht sich auf die Musik. So sei eine Melodie viel mehr als nur das Zusammenspiel ihrer Töne. Jeder Ton klingt für sich, sie können zu einer neuen Melodie zusammengesetzt werden, oder als Ganzes in eine neue Tonart transponiert werden.
So lebt das Judentum aus der Tradition, der Erfahrung und dem Wissen, das jeder Jude weltweit in sich trägt. Dabei ist es gleichgültig, welcher Richtung des Judentums er angehört, ob er als Jude geboren wurde, oder sich dem Prozess des Übertritts unterzogen hat. Jeder ist gleichwertig, jeder einzelnen trägt dazu bei, dass das Judentum weiterhin ein lebendiger, spannender Prozess bleibt.
Gerade vor den Jahreswechsel, nur wenige Stunden vor Beginn des neuen Jahres tut es gut, sich dieser Hoffnung hingeben zu dürfen!
Shabbat Shalom, Shana Tova, Chatima Tova und Chag Sameach!
Kerzenzünden Rosh Hashana 29. Elul 5782/1. Tischrei 5783 sowie Ende von Rosh Hashana am 2. Tischrei 5783
Jerusalem
Erew Rosh Hashana , Sonntag 17:52
Rosh Hashana, Montag, 19:07
Ende Roash Hashana, Dienstag, 19:06
Zürich
Erew Rosh Hashana , Sonntag 19:00
Rosh Hashana, Montag, 20:01
Ende Roash Hashana, Dienstag, 19:59
Wien
Erew Rosh Hashana , Sonntag 18:28
Rosh Hashana, Montag, 19:30
Ende Roash Hashana, Dienstag, 19:28
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