Was geschah am 7. und 8. Oktober?

13. Tishri 5783

Terror:

Der 18 Jahre alte Yoel Lehingahel war vor weniger als einem Jahr mit seiner Familie aus Indien nach Nof Hagalil eingewandert. Er galt als freundlicher Junge, dessen Traum es war, baldmöglichst zu einer kämpfenden Truppe einzurücken.

Yoel war am Donnerstag zu einer Geburtstagsparty bei Freunden in Kiryat Shmona gefahren. Dort kam zu einem Streit, an dem 20 Jugendliche beteiligt waren. Bei einer Messerstecherei wurde der Junge lebensgefährlich verletzt und erlag seinen Verletzungen noch in der Nacht auf Freitag im Krankenhaus. 

Die Polizei verhaftete mehrere Jugendliche, die an der tödlichen Auseinandersetzung beteiligt gewesen waren. Der Bürgermeister der Stadt, Ronen Plot, bezeichnete die Gewalttat als Terrorakt. 

Die Familie gehört zu den 3000 Bnei Menashe, die in einer abgelegenen Region im Nordosten Indiens leben. Sie gehen davon aus, dass sie zum Stamm Menashe gehören, die vor mehr als 2000 Jahren aus Israel vertrieben wurden und vom sephardischen Oberrabbiner als jüdisch anerkannt werden. Auch wenn sie daher das Recht auf Rückkehr beanspruchen können, müssen sie sich nach der Alija einer Konversion zum orthodoxen Judentum unterziehen. In Indien leben noch etwa 7000 Bnei Menashe. 

Schliessungen während Sukkot:

Die Übergänge zu Gaza sowie zu den Gebieten von Judäa und Samaria werden, so die Aussage der IDF wie folgt geschlossen:

Sonntag, 9. Oktober, 16 Uhr bis Montag, 10. Oktober, 24:00 und Samstag, 16. Oktober, 16 Uhr, bis Sonntag, 17. Oktober, 24:00 Uhr. 

Für humanitäre Einreisen nach Israel bleiben die Übergänge selbstverständlich geöffnet. 

Jüdische Unruhestifter in Jerusalem:

Man muss sich fragen, was wäre, wenn. Wenn diese rechten, ultraorthodoxen und/oder nationalistischen Juden endlich aufhören würden, immer wieder die arabisch-muslimische Bevölkerung zu provozieren. Gäbe es dann mehr Ruhe im Land? Oder hätte diese zumindest keinen Grund mehr bei der UNO über uns zu beschweren? Oder würden der jordanische König und der palästinensische Präsident dann endlich aufhören, immer wieder verbale Giftspritzen gegen Israel loszulassen? Wir werden es aber wohl nie erfahren, denn die oben genannten Unruhestifter werden ihre völlig unpassenden Aktionen nie einstellen. Sie gehören zu ihrem feststehenden politischen Repertoire.

Unmittelbar an der Altstadtmauer von Jerusalem, in der Nähe des «Goldenen Tores», auch «Tor der Gnade» genannt, befindet sich ein muslimischer Friedhof. Das Tor wurde 1541 vom osmanischen Sultan Suleiman versiegelt, um zu verhindern, dass Messias, wenn er denn einst kommen wird, durch dieses Tor zum Tempelberg gelangt. Um den Bann zu vervollständigen, liess er einen Friedhof vor dem Tor anlegen. Weil das Betreten eines solchen für Juden zur rituellen Unreinheit führt, wird kein religiöser Jude den Platz freiwillig betreten. 

Bis auf MK Simcha Rothman von der Partei «Religiöser Zionismus», dessen Vorsitzender MK Itamar Ben Gvir ist. Während der Hohen Feiertage wurde MK Rothman gemeinsam mit anderen Unruhestiftern mehrfach von der Polizei festgenommen, als er auf dem Friedhof das Shofar blies. Mit solchen Aktionen wollen die Mitglieder der Organisation «Jewish Temple Mount» erreichen, dass der Status Quo, der für den gesamten Bereich des Tempelberges gilt, ausser Funktion gesetzt wird.

Es gab immer wieder Anträge der Polizei an die Gerichte, die Unruhestifter zumindest während der Feiertage aus dem Gebiet wegzuweisen. Aber im Gegenteil, sie müssen immer wieder unmittelbar nach der Festnahme freigelassen werden. 

Der Chef der israelischen Polizei warnte, dieses Verhalten könne auf Dauer zu einer erneuten Eskalation führen, wie im Jahr 2021, als die Unruhen zwischen jüdischer und arabischer Bevölkerung in der Operation «Wächter der Mauern» endete.

 «Springtime for Hitler» oder Otzma Jehudit:

Darf man Kunst mit Politik verknüpfen? Darf man daraus sogar eine Satire machen? Man darf! Die israelische Satiresendung «Wunderbares Land» – Erez nehederet nahm die rechtsnationale Partei «Religiöser Zionismus» aufs Korn. 

Mel Brooks hatte in den 60er Jahren die Filmkomödie «Frühling für Hitler» veröffentlicht. Die Geschichte eines korrupten Theatermachers, der mit dem Verkauf von wertlosen Anteilen an seiner Broadway Show Geld machen will, um sich dann abzusetzen. Aber entgegen allen Voraussagen, das Stück wird ein Erfolg. Das Thema, die Verunglimpfung der Nazizeit, wurde vom Publikum begeistert aufgenommen. Doch statt sich mit dem Geld abzusetzen, gehen die kulturellen Hasardeure ins Gefängnis – und schreiben weiter an ihrem nächsten Stück. 

Die Filmmusik von Mel Brooks haben die Regisseure der israelischen Satire übernommen.  MK Netanyahu hat mit seiner obsessiven Absicht, am 1. November erneut PM zu werden, erst dafür gesorgt, dass MK Ben Gvir die Bühne für seine nationalistischen und rassistischen Auftritte bekam. Das kann funktionieren, aber eben auch völlig daneben gehen. Nämlich dann, wenn der «Religiöse Zionismus» tatsächlich zur drittstärksten Kraft in Israel wird. Und MK Netanyahu dann am Gängelband von MK Ben Gvir geführt wird. 

Im Sketch fragt ein am Boden zerstörter MK Netanyahu wer ihn auf den Stuhl des PM heben und gleichzeitig vor seinen Gerichtsfällen retten wird. Die Rettung naht, in Person eines hervorragenden Doubles von MK Ben Givr umringt von einer Boygroup, die radikale Siedler darstellen. «Es ist Zeit für Ben Gvir… es ist Zeit für Otzma Yehudit!» So selbstbewusst bringt sich der rechte Politiker ins Spiel.

Was dann folgt, ist hoffentlich nur eine bittere Satire, von der wir alle hoffen, dass sie nie Wahrheit wird. Er beschreibt all das, was wir zu erwarten haben, wenn er an die Macht kommt. «Wir werden die Araber und die Linken rauswerfen, wir werden die Al-Aqsa-Moschee in einen Parkplatz verwandeln, wir werden die Schwulen wieder zurück in den Schrank schicken. Ich habe mich beruhigt, meine Freunde, es ist kein Irrtum – oder ihr habt euch nur ein wenig dem Rassismus geöffnet.»

In den Augen der Wähler ist MK Ben Gvir weit mehr als ein Unruhestifter, der überall da auftritt, wo er weiss, dass ihm der mediale Erfolg sicher ist. Für MK Netanyahu hat er sich zu einem nicht mehr kalkulierbaren Risiko entwickelt. Sollte MK Ben Gvir der Preis sein, dass es eine weitere Amtszeit Netanyahu gibt, dann wird der Preis sehr hoch sein. Dann wird er wichtige Ministerposten an Personen abgeben müssen, die zwar keine Ahnung haben von demokratischer Politik, dafür aber gnadenlos ihre rassistischen und nationalistischen Ziele verfolgen. 



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