16. Tishri 5783
Religion? Terror? Partner für Frieden?
Bisher unbekannte Aktivisten haben Schüsse auf ein Hotel in Bethlehem abgefeuert. Der Grund dürfte gewesen sein, dass im Konferenzraum des Hotels eine Menora und ein Magen David ausgestellt sind. Personen kamen nicht zu Schaden.
Palästinensische Social-Media Nutzer behaupteten, das Hotel würde eine Gruppe mit jüdischen Gästen erwarten, die dort das Sukkot Fest feiern wollten. Das Hotel würde, so die Anklage, damit die «Normalisierung der Beziehung» zu Israel fördern.
Als sofortige Reaktion wurde der Konferenzraum des Hotels vom Ministerium für Tourismus und Altertümer der PA geschlossen, bis eine entsprechende Untersuchung abgeschlossen ist. Hingegen hielt Elias al-Arja, der Besitzer des Bethlehem Hotels, fest, eine Gruppe von Touristen aus den Philippinen bereite sich darauf vor, dort eine christliche Religionskonferenz abzuhalten. Er sei selbst überrascht von der Dekoration gewesen. «Ich habe sie entfernt und ihnen gesagt, dass sie die Konferenz nicht in meinem Hotel abhalten dürfen. Ich will keine Probleme. Wir haben nie Partys an jüdischen Feiertagen veranstaltet. Die Veranstaltung wurde von einer Kirche aus den Philippinen organisiert.»
Nach dem Angriff trafen Sicherheitsbeamte der PA am Tatort ein und versiegelten den Bereich. Schwer bewaffnete und maskierte Mitglieder der Fatah, eine Unterorganisation der PA, sagten zu den wartenden Reportern «Wir werden niemandem erlauben, eine verdächtige Party abzuhalten. Wir werden mit eiserner Faust gegen jeden zuschlagen, der ein Normalisierungstreffen abhält, sei es in Bethlehem oder einem anderen Teil des Heimatlandes. Die Revolution wird bis zur Befreiung aller palästinensischen Länder weitergehen.»
Nach einem partnerschaftlichen Verhalten für Frieden sieht das aber nicht aus!
Sukkot:
Die Zitronatzitrone, in jüdischen Kreisen bekannt als Etrog, gehört zu Sukkot wie Sufganiot, auch bekannt als Berliner, zum Chanukkafest.
Vor etwa 2.000 Jahren wurden die ersten Etrogim in Marokko, wahrscheinlich im Atlasgebirge angepflanzt. Nach der Zerstörung des zweiten Tempels hatten zahlreiche Juden auf der Flucht bei den Berberstämmen Marokkos Unterschlupf gefunden.
Jüdische Gemeinden weltweit importieren Jahr für Jahr Hunderttausende der marokkanischen Etrogim. Sie sind Teil der «4 Sorten», die den an Sukkot verwendete «Lulav» ausmachen, der aus Bachweide, Myrtenzweig und Palmwedel, sowie eben dem Etrog besteht.
Die marokkanischen Früchte sind preiswerter als die kalabrischen. Diese können pro Stück einige Hundert US-Dollar kosten und werden von der chassidischen Gesellschaft bevorzugt. Der israelisch-orthodoxe Markt übt eine strenge Kontrolle über die Importe aus. Jedoch ist der israelische Markt nach einem Shmita Jahr, so wie es in 5782 der Fall war, auf halachisch einwandfreie Produkte aus dem Ausland angewiesen. Erst im kommenden Jahr stehen wieder israelischen Etrogim zur Verfügung.
Die verbesserten Beziehungen zwischen den beiden Staaten führen dazu, dass es heuer keinen Engpass für die begehrten Zitrusfrüchte gab!
Diplomatie:
Monatelang dauerten die teils zähen Verhandlungen zwischen hochrangigen libanesischen und israelischen Verhandlungsteams unter Leitung des jüdisch-amerikanischen Experten für Nationale Sicherheit und Energiewirtschaft, Amos Hochstein. Aber am Ende stand ein historischer Durchbruch über die maritimen Grenzen zwischen Libanon und Israel.
Streitpunkt war die Nutzung der im fraglichen Gebiet liegenden Gasfelder. Die Verhandlungen gestalteten sich schwierig, weil keiner der beiden Staaten von seinen selbst abgesteckten Grenzen abweichen wollte. Die Nutzung des Qana Gasfeldes wird nun ausschliesslich dem Libanon zugesprochen, wobei Israel einen vertraglich geregelten Anteil für jene Bohrungen erhalten wird, die auf israelischem Gebiet stattfinden.
Während auf beiden Seiten und aus den USA eine breite Zustimmung zum ausgehandelten Vertrag signalisiert wird, kommt Kritik zunächst von der Hisbollah, die aber im Laufe des Vormittags dem Vertragsentwurf zustimmte.
Heftige Kritik kam von MK Netanyahu. Ihm war es während der 12 Jahre seiner Regierung nicht gelungen, einen solchen Vertrag mit dem nördlichen Nachbarland auszuhandeln. Er nennt den Vertrag einen «Ausverkauf von strategisch wichtigen Gebieten Israels».
Das israelische Sicherheitskomitee und die Regierung müssen den Entwurf am kommenden Mittwoch noch billigen. Der libanesische Präsident Michel Aoun hat ihn bereits abgesegnet.
Die Förderarbeiten werden von Total Energies übernommen werden.
Grenzüberschreitungen:
Die Ortschaft Ghadschar, غجر oder ע’ג’ר ist eine Ortschaft, deren topografische Lage etwas Besonderes darstellt. Der nördliche Teil des Ortes liegt im Libanon, während der südliche Teil zu Israel gehört. 1932 wurde der überwiegend alawitischen Bevölkerung die Wahl überlassen, ob sie nach der Aufteilung des Mandatsgebietes zu Syrien oder dem Libanon gehören wollten. Die Entscheidung fiel zugunsten von Syrien aus. Nachdem Israel den Sechs-Tage-Krieg gewann fiel die Ortschaft 1967 unter israelische Herrschaft. Während der israelischen Besatzungszeit zwischen 1978 und 2000 wurde die Ortschaft auf libanesischem Gebiet nördlich erweitert. Die von der UNO im Jahr 2000 gezogene, als «Blaue Linie» bekannte Demarkationslinie verlief quer durch den Ort. Knapp mehr als die Hälfte des Gebietes liegen nun im Libanon, die andere Hälfte steht unter israelischer Verwaltung. Der Grenzzaun wird von der IDF bewacht, es gibt Durchlässe für die Bewohner des libanesischen Teils, die aufgrund ihrer israelischen Staatsbürgerschaft in Israel arbeiten. Die war ihnen 1981 mehr oder weniger «aufgezwungen» worden.
Der Grenzzaun war bis vor wenigen Wochen nur in einer Richtung offen, Israelis durften nicht in den nördlichen, libanesischen Teil des Ortes einreisen. Das hat sich jetzt geändert und die Bevölkerung hofft auf einen regen, spontan einsetzenden Tourismus. Ghadschar ist ein hübscher Ort, mit einer ansprechenden Architektur, Parkanlagen, wunderbare Brunnen und voller Tradition. 2.700 Einwohner hat der Ort, alle sind Alawiten, es ist der einzige alawitische Ort in Israel.
Das alles klingt nach einem modernen Märchen. Die Erleichterung, sich zwischen den beiden Ortsteilen ohne Zäune und Schranken hin- und herbewegen zu können, hat ihren Preis. Die lokale Ortsverwaltung hat den Zugang des Ortes in Richtung Libanon blockiert. Dahinter ist sowieso nur Brachland. Offiziell ist der Ort nach wie vor militärisches Sperrgebiet, das Verbot, ihn zu betreten, wird nun einfach missachtet.
Kategorien:Aus aller Welt, Timeline
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