15. Cheschwan 5783
Reichspogromnacht:
1938 In der Nacht vom 9. auf den 10. November, der Reichspogromnacht, euphemistisch als «Reichkristallnacht» bezeichnet, brannten in ganz Deutschland die Synagogen, wurden Geschäfte von jüdischen Kaufleuten zerstört, Juden misshandelt und «in Schutzhaft» genommen.
Diese Nacht markiert den Tag, an dem der Antisemitismus zur Staatsräson der Nationalsozialisten erhoben wurde.
Den gewaltsamen Ausschreitungen vorangegangen war das tödliche Attentat auf Legationsrat Ernst von Rath durch den erst 17 Jahre alten Herschl Grynszpan. Grynszpan war bereits 1935 Jahren aus Deutschland nach Frankreich emigriert. 1938 erhielt er von seinen Eltern die Information, dass diese mit seinen Geschwistern und zehntausenden anderen polnischen Juden aus Deutschland an die polnische Grenze deportiert worden waren. Hintergrund der «Polenaktion» war, dass Personen, die länger als fünf Jahre nicht in Polen gelebt hatten, die Staatsangehörigkeit entzogen werden sollte. Damit wollte die polnische Regierung einer Massenausweisung polnischer Juden aus Deutschland entgegenwirken.
Sein Attentat vom 7. November 1938 auf den Legationsrat war der verzweifelte Versuch, auf das Schicksal der Juden aufmerksam zu machen, die unter menschenunwürdigen Bedingungen im Niemandsland zwischen Polen und Deutschland eingepfercht waren.
Ernst von Rath verstarb zwei Tage nach dem Attentat.
Die nun beginnenden Ausschreitungen waren Teil einer langfristig geplanten anti-jüdischen Kampagne, die bereits im Frühjahr 1938 eingesetzt hatte. Keinesfalls war sie, wie die Nationalsozialisten glauben machen wollten, der «spontane Volkszorn, das Kochen der deutschen Seele». Das Attentat auf den Legationsrat war nichts, als ein willkommener Vorwand.
Bereits am Abend des Attentates kam es in Deutschland zu vereinzelten Ausschreitungen gegen Juden. Die organisierten Pogrome begannen jedoch erst nach dem Bekanntgeben seines Todes am 9. November. In Zivil gekleidete SA-Leute und Parteiangehörige gingen gezielt gegen Synagogen und Geschäfte vor. Synagogen wurden geschändete, die Torahrollen und Gebetbücher auf die Strasse geworfen. Bei den Geschäften wurden die Glasscheiben zerbrochen und die Läden geplündert.
Auch Wohnungen von Juden wurden gewaltsam aufgebrochen, Wertgegenständen wurden gestohlen, die dort lebenden Menschen geschändet und misshandelt.
Es gab mehr als 400 Opfer der Gewalt zu beklagen, dazu kamen nicht gezählte Selbsttötungen aus Scham und Verzweiflung. Etwa 30.000 Männer und Jugendliche wurden in KZs verschleppt. Sie wurden dort «in Schutzhaft» genommen.
Mehr als 7.500 Geschäfte und fast alle der mehr als 1.500 Synagogen wurden zerstört.
Als Folge der Pogrome durften Juden keinen Handel, kein Handwerk und kein Gewerbe mehr ausüben. Wer es noch konnte, floh ins Ausland.
Diese Nacht markierte auch den Beginn des organisierten Antisemitismus, der in der Ermordung von mehr als 6 Millionen Juden gipfelte.
Geboren:
1905 wurde in München Erika Julia Hedwig Mann geboren. Sie war die erstgeborene Tochter von Thomas Mann und dessen Ehefrau Katia. Obwohl die Familie mütterlicherseits jüdisch war, wurde sie evangelisch getauft. Der «stolze Vater» und spätere Nobelpreisträger war über die Geburt einer Tochter sehr enttäuscht.
Einen Sohn hätte er «als poesievoller, mehr als Fortsetzung und Wiederbeginn meiner selbst unter neuen Bedingungen» empfunden, welche Belastung für das kleine Mädchen! Dennoch baute er zu seiner Tochter ein besonderes Verhältnis auf. Auf ihre Ratschläge hörte er später immer mehr. Ebenso eng war ihr Verhältnis zu ihrem jüngeren Bruder Klaus.
Bereits 1919 gründete sie eine Schauspielgruppe, den «Laienbund deutscher Mimiker» und stand nach einem Engagement durch Max Reinhardt schon bald auf der Bühne des Deutschen Theaters in Berlin. 1924 maturierte sie am Luisen-Gymnasium ein Berlin. Anschliessend begann sie eine Schauspielausbildung, die sie auf Grund ihrer zahlreichen Verpflichtungen aber bald wieder abbrach.
Von 1926 bis 1929 war sie mit Gustav Gründgens verheiratet. Nach verschiedenen privaten und beruflichen Rückschlägen ging sie mit ihrem Bruder Klaus auf eine mehrmonatige Weltreise. Ihre Hoffnung, in Hollywood Erfolg zu haben, erfüllte sich nicht.
Mit Bruder Klaus und ihrer Partnerin Therese Giehse gründete sie ein politisch-literarisches Kabarett «Die Pfeffermühle» in München. Sie hatten grosse Erfolge, die jedoch mit dem Beginn der nationalsozialistischen Machtübernahme ein rasches Ende fanden. Die Gründer des Kabaretts mussten in den Untergrund gehen, um nicht verfolgt zu werden.
Erika rettete die Manuskripte der Joseph Trilogie ihres Vaters und reiste in die Schweiz, wo sie Unterschlupf fand. Nach einem kurzen Aufenthalt in Südfrankreich liess sich die Familie in Küsnacht bei Zürich nieder. Mit der «Pfeffermühle» traten sie in Zürich und in anderen Schweizer Städten auf, konnten aber nicht mehr Fuss fassen. Das Programm wurde zerrissen und löste Krawalle aus. Den Grund für diese Misserfolg sah Erika im Einfluss der Nationalsozialisten auf ihre Freundin, einer Tochter von General Wille. Das Programm wurde als «deutschfeindlich» angesehen und das Ausbürgerungsverfahren gegen sie wurden eingeleitet.
Durch eine pro Forma Ehe mit einem ihr unbekannten Mann erhielt sie die britische Staatsbürgerschaft.
1936 reisten die Mann-Geschwister mit Freunden in die USA, um dort weiter mit ihrem Kabarett aufzutreten. Jedoch fand das Programm in den Staaten kein Interesse. Erika nahm ihre Arbeit gegen den Nationalsozialismus auf, indem sie Zeitungsartikel schrieb und Vorlesungen hielt.
Zwischen 1940 und 41 arbeitete sie als Kriegs-Korrespondentin für den BBC und moderierte Radiosendungen, die von London nach Deutschland ausgestrahlt wurden.
Zurückgekehrt in die Schweiz bearbeitete sie das literarische Erbe ihres Vaters Thomas und ihres Bruders Klaus Mann.
Sie verstarb am 27. August 1969 in Kilchberg bei Zürich.
Midterms in den USA:
1970/2022 Josh Shaprio, demokratischer Politiker hat es geschafft, zum ersten jüdischen Gouverneur von Pennsylvania gewählt zu werden. Er hat damit seinen republikanischen Kontrahenten Doug Mastriano auf den zweiten Platz verwiesen. Shapiro hat aus seinem Judentum während des gesamten Wahlkampfes kein Geheimnis gemacht. Jedoch wies er immer wieder auf die antisemitischen Unterstützer des Republikaners hin.
Derzeit hat Shapiro den Posten des Generalstaatsanwaltes des Bundesstaates inne.
Mastriano führte den Wahlkampf mit Unterstützung von extrem nationalistischen christlichen Gruppen. Er nahm sogar Wahlkampfspenden vom offen antisemitischen Andrew Torba an, der das extremistische und verschwörungstheoretische Netzwerk «GAB» gegründet hatte und dessen CEO er ist.
Im Staat New York ist noch nicht entscheiden, ob es einen Wechsel von einer traditionell demokratischen zu einer republikanischen Regierung geben wird. Solle dies der Fall sein, wird der erste jüdischen Gouverneur Lee Zeldin das Amt übernehmen. Das Rennen dort ist noch nicht entschieden.
Seine Unterstützer kommen hauptsächlich aus dem orthodoxen Sektor, der immerhin etwa 100.000 von 1.8 Millionen Wählern ausmacht. Mittlerweile scheint es sich herauszustellen, dass er leider nicht gewonnen hat.
Umwelt:
Nachdem sich 29 Personen mit Hornhautläsionen in medizinische Betreuung begeben mussten, nachdem sie im Kinneret gebadet hatten, hat das Gesundheitsministerium eine weitreichende Untersuchung eingeleitet.
Sollten die Tests signifikante Ergebnisse zeigen, muss man davon ausgehen, dass sich im Wasser ein Parasit befindet, der Sehstörungen auslöst, die im schlimmsten Fall bis zur andauernden Erblindung führen kann. Ausgelöst wird diese Erkrankung durch sporenbildende Pilze. Beim Menschen sind diese Pilze auch im Zusammenhang mit dem HI Virus von Bedeutung.
Das Ministerium sprach kein absolutes Badeverbot für den Kinneret aus, rät jedoch dringend dazu, sich mit Schwimmbrillen zu schützen.
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