23. Cheschwan 5783
Gestorben:
1942 verstarb in Girenbad bei Zürich Joseph Schmidt, geboren am 4. März 1904 in Dawideny, Bukowina, heute Ukraine.
Schmidt wurde als Sohn orthodoxer Eltern geboren, die beide sehr musikalisch waren. Schon in jungen Jahren sang er mit seiner ausgeprägten Knaben Alt-Stimme in der Synagoge von Czernowitz.
Neben seiner jiddischen Muttersprache lernte er rasch Hebräisch, Deutsch, Französisch, Englisch und Rumänisch.
1924 hatte er in Czernowitz seinen ersten Soloauftritt mit traditionellen jüdischen Liedern und Arien von Verdi, Puccini, Rossini und Bizet. Nach einem Aufenthalt in Berlin, den er zu Studienzwecken nutzte, kehrte er in seine Heimat zurück und wurde Kantor in der heimatlichen Synagoge.
Seine eigentliche Karriere begann, als er 1929 nach Berlin zurückzog. Seine Grösse von nur 1.50 liess ihn für eine Bühnenkarriere ungeeignet erscheinen, jedoch brillierte er mit seinem wunderbaren Tenor in jeder Radioaufzeichnung und bei Schallplattenaufnahmen.
Während die Nationalsozialisten mit ihren antisemitischen Gesetzen das Leben der jüdischen Bevölkerung in Europa immer schwerer machte und bedrohte, feierte Schmidt seine grössten Erfolge in den USA. Dort widerlegte er erfolgreich das Vorurteil, dass er für Bühnenauftritte nicht geeignet sei!
Während in Deutschland bereits ein Berufsverbot für Juden in den meisten Berufen bestand, konnte er in den Niederlanden und in Belgien weiterhin auftreten. Während der deutschen Invasion in Frankreich wurde er inhaftiert. Eine von ihm geplante Flucht in die USA misslang. Er konnte 1942 über die Schweizer Grenze fliehen, wurde aber bald darauf ohne Papiere und ohne Geld festgenommen. Ein Freund, der jüdische Tabakfabrikant Julius von Orlow, bot sich an, für die Unterhaltskosten Schmidts aufzukommen. Dieses Angebot wurde von den Stadtvätern abgelehnt.
Schmidt wurde in das Lager Girenbad, gebracht. Dieses Lager bestand von 1942 bis 1945. Ursprünglich wurde es vom Verband Schweizerischer Israelitischer Armenpflegen (VSJF) als privates Hilfswerk für jüdische Flüchtlinge geführt. Später diente es als Quarantäne- und Auffanglager der Schweizer Armee, wurde aber weiterhin von der VSJF finanziert. Im Lager herrschten fürchterliche Zustände, es ist kalt und feucht, das Essen ist rationiert, das Lagerpersonal zeichnet sich durch Sadismus aus.
Kurz nach seiner Internierung erkrankte er an einer Entzündung des Kehlkopfs und der Luftröhre und klagte über Herzbeschwerden. Nach einer Einweisung in das Unispital Zürich wurden die Symptome im Hals und an der Luftröhre behandelt, eine Abklärung der Herzbeschwerden wurde jedoch abgelehnt. Er wurde als «lagertauglich» entlassen und in das Lager zurückgeschickt. Zwei Tage später verstarb er bei einem Spaziergang. Nur einen Tag, bevor die von ihm beantragte Arbeitsbewilligung für die Schweiz eintraf.
Joseph Schmidt ist auf dem jüdischen Friedhof «Unterer Friesenberg» in Zürich beigesetzt.
Rechtsbeugung:
Dass im geplanten Kabinett vom designieren PM Benjamin Netanyahu auch rechtskräftig Verurteilte sitzen werden, ist ein offenes Geheimnis. Da können sie in der Regel nicht viel anrichten.
Ganz anders aber ist es, wenn sie auf einmal einen massgeblichen Ministerialposten innehaben. So wie es der designierte PM Benjamin Netanyahu für seinen Best Buddy MK Aryeh Deri plant. Deri peilt das Finanzministerium an. Das hiesse, den Bock zum Gärtner machen. Deri wurde für diverse Finanzvergehen bereits zweimal rechtskräftig verurteilt und sass eine Haftstrafe von einigen Monaten ab.
Diese Strafen schliessen im Prinzip eine Ernennung zu Minister aus, eine entsprechende Klage gegen die Ernennung kann von jedem MK beim Obersten Gericht erhoben werden. Dies wird der Klage wahrscheinlich stattgeben. Deri seinerseits könnte beim Zentralen Wahlkomitee einen Antrag auf Suspendierung stellen, der aber ebenfalls aller Wahrscheinlichkeit nach abgelehnt wird.
Der designierte PM Benjamin Netanyahu hat daher folgenden Plan gefasst, wie er doch noch zu seinem Ziel, das möglicherweise koalitionsrettend ist, kommen kann. Als ersten Schritt muss er den amtierenden Knesset Sprecher Mickey Levy durch einen Getreuen seiner Partei ersetzen lassen. Unmittelbar danach kann er versuchen, das Aufhebungsgesetz durch die Knesset zu bringen, mit dem jeder Entscheid des Obersten Gerichtes von der Knesset aufgehoben werden kann.
Damit wäre dann auch der Weg frei, um alle unbequemen Hindernisse aus dem Weg zu schaffen. Nicht nur MK Aryeh Deri könnte dann sofort jeden Ministerposten erhalten und, ganz wichtig, alle Verfahren gegen den designierten PM können eingestellt werden.
Regierungsbildung:
Die Jerusalem Post berichtet heute, dass der designierte PM Benjamin Netanyahu seinem potenziellen Koalitionspartner MK Bezalel Smotrich die Rute ins Fenster gestellt hat. Sollte der sich nicht bis zum kommenden Mittwoch, 23. November, entschlossen haben, sich den Planungen des designierten zukünftigen Regierungschefs zu beugen, so werde er eine Minderheitsregierung mit nur 57 MKs bilden.
Diese würde sich dann wie folgt zusammensetzen: Likud 34, Otzma Yehudit 6, Shas 9, United Tora Judaism 7, Noam 1. Sollte sich MK Itamar Ben-Gvir an seine Aussage, nicht ohne seinen Kollegen MK Bezalel Smotrich in eine Regierung einzutreten, halten, so käme diese geplante Koalition sogar nur auf 52 Sitze. Laut einer Meldung in der Zeitung Arutz Sheva hat heute am Vormittag der Vorsitzende von United Tora Judaism, MK Jitzhak Goldknopf festgehalten, ohne Smotrich nicht in eine Koalition eintreten zu wollen. Dann hätte der designierte PM sogar nur mehr 45 MKs hinter sich.
Bisher war noch jeder Versuch, eine Regierungskoalition auf die Beine zu stellen, eine schwere Aufgabe für den designierten PM, aber diesmal scheinen die Geburtswehen nahezu unüberwindbar zu sein.
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