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24./25. Cheschwan 5783 18./19. Nov. 2022
Shabbateingang in Jerusalem: (Kerzenzünden) 15:58
Shabbatausgang in Jerusalem: 17:16
Shabbateingang in Zürich: 16:29
Shabbatausgang in Zürich: 17:36
Shabbateingang in Wien: 15:55
Shabbatausgang in Wien: 17:03

Wer ist Sarah? Natürlich wissen wir das! Sarah ist die erste Frau Abrahams und die Mutter von Isaak. Natürlich wissen wir auch, dass Sarah unsere erste Erzmutter, neben Rebekka, Lea und Rachel ist. Gemeinsam mit ihren Ehemännern Abraham, Isaak und Jakob nennen wir sie unsre Erzeltern.
Aber wer ist Sarah? Ich weiss es nicht, muss man sich leider zugestehen. Zweimal haben wir bisher von ihr gehört. In Gen 11:29 steht „Die Frau von Abraham hiess Sarai“, im nächsten Vers erfahren wir, dass sie unfruchtbar war. Als Abraham mit ihr nach Ägypten zog und sie als seine Schwester ausgab, lesen wir in Gen. 12:12 und Gen 12:14, dass sie eine sehr schöne Frau war. Mehr erfahren wir von ihr nicht.
Als Abraham mit Isaak aufbrach, um die letzte grosse Prüfung durch Gott zu bestehen und seinen Sohn zu opfern, erfahren wir nicht, wie Sarah, die so lange auf ein Kind gewartet hatte, reagiert. Wahrscheinlich hat Abraham ihr nicht erzählt, was Gott von ihm verlangt hatte. Es wäre auch zu grausam gegenüber der Mutter gewesen.
Wir erfahren nur zu Beginn unseres heutige Wochenabschnittes, dass Sarah im Alter von 127 Jahren verstorben ist. Sie verstarb in Kirjat Arba, das heute eine kleine Vorstadt von Hebron in Judäa ist. Ihren Sohn hat sie nicht mehr gesehen.
Abraham war mit Isaak, nachdem sie vom Berg Morija zurückgekehrt waren, nach Be‘er Sheva weitergezogen. Warum er dort blieb und nicht zu seiner Frau ging, erfahren wir nicht. Immerhin lagen zwischen den beiden Orten mehr als 50 km. Ein flotter Wanderer könnte sie Strecke vielleicht in 10 – 12 Stunden durcheilen. Aber doch nicht Abraham!
Bis Abraham von ihrem Tod erfuhr und bis er, wie wir in Gen. 23:2 lesen „Abraham kam, um die Totenklage über sie zu halten und sie zu beweinen.“, vergingen sicher zwei bis drei Tage.
Was ihn bewogen hatte, sich so weit weg von seiner doch innig geliebten Frau zu entfernen, darüber bleiben wir im Dunkeln. Mit Sarah Tod endet die gemeinsame Zeit unseres ersten Erzelternpaares. Ihr Leben stellte den Beginn der langen Geschichte unserer Patriarchen dar. Sie markierten die Geburt des Volkes Israel. Gott hatte Abraham versprochen, Urvater eines grossen Volkes zu werden.
Die folgenden Verse des Wochenabschnittes erzählen die Geschichte, wie aus dem Nomaden Abraham, der frei war zu entscheiden, wo er leben wollte, ein Sesshafter wurde.
Um seine Frau beerdigen zu können, muss er nach einer geeigneten Grabstätte suchen. Er sprach mit Hethitern, denen das Land um Hebron herum gehörte. גֵּר-וְתוֹשָׁב אָנֹכִי ger vetoschaw anochi Ich bin [gleichzeitig] Fremder und Bewohner bei euch. In den folgenden Versen Gen 23:4 – 20 entwickelt sich ein interessantes Gespräch.
Abraham erbittet eine Grabstätte, die er als Eigentum erhalten möchte. Das setzt voraus, dass darüber ein rechtsgültiges Geschäft abgewickelt werden muss. Die Hethiter bieten ihm „ihre vornehmste Grabstätte“ als Geschenk an. Das Geschenk würde ihn weiter als geschätzten „Fremden“, ger, klassifizieren, der ein wertvolles Gastgeschenk erhält. An seinem bürgerlichen Status würde sich daran nichts ändern. Er bliebe ein Fremder in einem fremden Land, das ihm die Heimatrechte verweigerte.
Er aber möchte sie zum „vollen Geldwert“ kaufen. Er nennt auch sein Wunschgrundstück, die Höhle Machpela. Nochmals wird sie ihm als Geschenk angeboten. Und wieder bittet er darum, sie bezahlen zu dürfen. Wie meist im Orient, wo das Feilschen zur Kultur gehört, einigte man sich am Ende auf eine gemeinsame Lösung.
Die Höhe Machpela ging als Geschenk an Abraham, das dazugehörende Grundstück hingegen bezahlte er zum damaligen Verkehrswert.
Das Grundstück wird beschrieben als Land mit Bäumen und Feldern, für die nun Abraham die volle Verantwortung hatte. Aus dem Fremden, dem „ger“ war ein „toschaw“ geworden, der das volle Bürgerrecht erhalten hatte. Aus dem Nomaden war ein Sesshafter geworden.
In seinen letzten Lebensjahren schien Abraham sich nur noch seinem Familienleben widmen zu wollen. Er heiratete noch ein zweites Mal, hatte sechs weitere Söhne. Sein Erbe jedoch ging ausschliesslich an seinen zweitgeborenen Sohn, Isaak. Er verstarb im Alter von 175 Jahren.
An seinem Grab fand ein besonderes Treffen statt, Ismael und Isaac. Sie trauerten gemeinsam um ihren Vater. Gott segnete Isaak, der sich in einem Ort mit dem Namen „Be’er Lahai-Roï“ in der Negev wüste niederliess.
Danach trennten sich die Wege der Brüder. Über Ismael erfahren wir nur noch, dass er im Alter von 137 Jahren in der Nähe von Ägypten verstarb.
Hier endet die Geschichte des ersten Erzelternpaares.
Die Geschichte einer Frau, deren Wesen im Schatten blieb und die dennoch unsere erste Erzmutter ist und ihres Ehemannes Abraham, dem ersten, der von Gott ausgewählt und immer wieder geprüft und für treu befunden wurde.
Freuen wir uns auf die kommenden Wochenabschnitte, die uns die Möglichkeit geben, die spannende Lebensgeschichte der kommenden Generationen mitverfolgen zu dürfen.
Shabbat Shalom!
Kategorien:Israel
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