Was geschah am 28. November?

4. Kislev 5783

Geschichte:

1941 traf sich in Berlin Haj Amin al-Husseini in Berlin mit Adolf Hitler.  

Al-Husseini, Ende des 19. Jahrhunderts in Jerusalem geboren, war von Grossbritannien als Mufti von Jerusalem eingesetzt worden. 1921 wurde er zum Führer der Palästinenser, die damals schon einen eigenen Nationalstaat anstrebten. Das politische Denken des Muftis war geprägt von Islamismus, Antizionismus und Antisemitismus. Ab 1937 arbeitete er eng mit dem NS-Regime zusammen. Ab 1941 lebte er bis zum Kriegsende in Deutschland, von wo aus er nationalsozialistische Propaganda in der arabischen Welt verbreitete.

1937 erklärte er «Die Araber und Nazideutschland bekämpfen gemeinsam den Zionismus in Palästina. Sie haben denselben Feind, die Briten und die Juden.» Adolf Eichmann betonte anlässlich eines geplanten Besuches in Palästina, der Mufti sei als das geistige Oberhaupt der Araber der geeignete Partner, um die Pläne der Nazis gegen Juden durchzusetzen.

Al-Hussesini blockierte die noch zur Auswanderung von Juden aus Europa offenen Fluchtwege, wurde Mitglied der SS und nahm so aktiv am Mord an den europäischen Juden teil. 

Nach dem Krieg wurde er als Kriegsverbrecher festgenommen, entzog sich aber der Verfolgung, indem er in Ägypten um Asyl ansuchte und es auch erhielt. 

Bevor er nach Berlin reiste, hatte er sich in Rom mit Benito Mussolini getroffen. Dieser versprach ihm, bei der Gründung eines palästinensischen Staates ohne Juden behilflich zu sein. Mussolini sagt ihm weiterhin zu, dass er mit den Juden in Palästina so umgehen könne, wie es ihm zielführend erschien, um sie zu eliminieren. Das war es auch, was Hitler von ihm verlangte: den Krieg gegen die Juden zu führen und sie «auszurotten».

Als die USA begannen, sich für die Errichtung eines jüdischen Staates einzusetzen, erklärte er am 4. März 1944 «Araber! Erhebt Euch wie ein Mann und kämpft für Eure heiligen Rechte. Tötet die Juden, wo immer Ihr sie findet. Das gefällt Gott, der Geschichte und der Religion. Es dient Eurer Ehre. Gott ist mit Euch.» Dieser Aufruf darf nicht anders als der Aufruf zum Völkermord gewertet werden. Er benutzte für diese Ansprache zwei Radiosender, die ihre Sendungen auf Arabisch brachten «Berlin auf Arabisch» und «Die Stimme des freien Arabertums».

Gestorben:

1997 verstarb die als Monique Andrée Serf am 9. Juni 1930 in Paris geborenen Künstlerin Barbara in Neuilly-sur-Seine.

1940 floh sie mit ihrer Familie aus dem von deutschen Truppen besetzten Teil Frankreichs. Bis zum Jahr 1944 fanden sie Zuflucht im Département Yvelines in der Île-de-France in der Nähe von Paris.

Nach der Befreiung wurde ihr musikalisches Talent zufällig von einem Musiklehrer entdeckt, der beschloss, sie zu fördern. So konnte sie am Konservatorium in Paris Gesang studieren. Als erste Frau in der damaligen Musikszene sang sie später neben bekannten Chansons von Jacques Brel und Georges Brassens ihre eigenen Stücke und begleitete sich selbst an einem Flügel. Das Spielen dieses Instrumentes hatte sie im Eigenstudium ausschliesslich nach Gehör erlernt.

Ihre ersten Veröffentlichungen bleiben ohne Erfolg, der Durchbruch kam erst mit ihrem Album «Barbara chante Barbara». Im Anschluss an einen Auftritt im «Jungen Theater Göttingen» entstand das Chanson «Göttingen»,welches sie in Deutsch und in Französisch aufnahm. Dieses Chanson gilt nicht nur als eines ihrer wichtigsten Werke, sondern auch als wesentlicher Beitrag zur Wiederannäherung zwischen Deutschland und Frankreich nach dem Ende des Krieges.

Das Konzert stand zunächst unter keinem guten Stern, jedoch wurde sie in der Universitätsstadt so warmherzig aufgenommen, dass sie das Engagement um eine ganze Woche verlängerte. Der Grund der Verstimmung war, dass zunächst kein Flügel auf der Bühne stand, sondern erst mühsam gesucht und gefunden werden musste. Anschliessend wurde er von zehn Studenten durch die ganze Stadt getragen. 

Sie schrieb den Text und die Rohfassung noch am letzten Tag ihrer Konzertwoche und trug ihn, noch unfertig, am Abend vor. Das Chanson wurde vom Publikum begeistert aufgenommen. Noch grösser war die Begeisterung als sie 1967 in Göttingen die deutsche Fassung vorstellte. 

Im Jahr 2003 zitierte der damalige deutsch Kanzler, Gerhard Schröder anlässlich des 40. Jahrestages des Elysée Vertrages in Versailles aus dem Chanson in der deutschen Übersetzung.

Was ich nun sage, das klingt freilich
Für manche Leute unverzeihlich:
Die Kinder sind genau die gleichen
In Paris, wie in Göttingen.

Lasst diese Zeit nie wiederkehren
Und nie mehr Hass die Welt zerstören:
Es wohnen Menschen, die ich liebe,
In Göttingen, in Göttingen

Doch sollten wieder Waffen sprechen,
Es würde mir das Herz zerbrechen!
Wer weiss, was dann noch übrig bliebe
Von Göttingen, von Göttingen.

«Göttingen» war das erste Chanson, das wir Ende der 60-Jahre am Gymnasium in Dortmund in der Originalsprache gehört haben. Es war der Grundstein zu meiner Liebe zu diesem Musikgenre.

Merci Barbara!

Meinungsfreiheit – Pressefreiheit:

2016 erklärte die damalige Ministerin für Kultur, Miri Regev, Likud, die wohl auch wieder ein Ministeramt erhalten wird (darüber werde ich morgen und in den kommenden Tagen in meinem Blog ausführlich berichten) in der Knesset:  «Was ist der Sinn eines öffentlich-rechtlichen Senders, wenn wir ihn nicht kontrollieren? Warum sollten wir Geld dafür aufwerfen, wenn sie ausstrahlen, was sie wollen?» Diese Aussage an sich ist schon als angekündigtes Ende von Meinungs- und Pressefreiheit zu verstehen. 

Aus bisher noch nicht bestätigter Quelle war jetzt im Sender Kanal 12 zu hören, dass von der Likudregierung, sobald sie an der Macht ist, die Nachrichtenabteilung des beliebten Senders «Kan» geschlossen werden soll. Als der Sender 2017 auf Sendung ging, zeigte sich der damalige PM und Kommunikationsminister Benjamin Netanyahu davon gar nicht begeistert. Der Sender sei, so seine Befürchtung, «zu links und zu schwer zu kontrollieren».

MK Moshe Tur-Paz, Yesh Atid kommentierte das Ansuchen «als erste Lektion in der Schule der Diktatoren: die Torwächter schwächen, die Medien zum Schweigen bringen, das Justizsystem schrumpfen und die Kontrollen und Gleichgewichte unterbrechen».

Prompt kam eine Entgegnung von MK Shlomo Kahri, Likud „Es gibt keinen Grund, einen öffentlich-rechtlichen Sender weiterhin mit fast 1 Milliarde NIS pro Jahr zu finanzieren. Das Herunterfahren von Kan ist nur ein Anfang, dann folgt Army Radio.“

Das ist es, jede Diktatur, sei sie rechts oder links geprägt, beginnt mit der Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit. 



Kategorien:Israel, Timeline

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