Was geschah am 2., 3. und 4. Dezember? 

10. Kislev 5783

Diplomatie:

Der israelische Präsident Isaac Herzog ist heute Vormittag zu einem zweitägigen Besuch in Bahrein aufgebrochen. 

Es ist der erste Besuch eines israelischen Präsidenten im Inselkönigreich im Persischen Golf. Seit 1971 ist das Königreich unabhängig von Grossbritannien. Bahrein trat der Arabischen Liga bei, die den Staat Israel boykottierte. 1994 besuchte die erste israelische Delegation unter dem damaligen Umweltminister Yossi Sarid das Land.

2005 beendete Bahrein den Boykott Israels im Gegengeschäft zu einem Handelsabkommen mit den USA. 2007 traf sich der Aussenminister des Landes anlässlich der Generalversammlung der UNO mit der damaligen israelischen Aussenministerin Tzipi Livni, was zu heftigen Kritiken im eigenen Land führte.

Im Jahr 2020 gaben Israel und Bahrein bekannt, die vollen diplomatischen Beziehungen aufgenommen zu haben. Das Abraham Abkommen wurde im September in Washington unterschrieben. Seit 2021 gibt es einen Botschafter in Israel, das seinerseits im gleichen Jahr eine Botschaft in Manama, der Hauptstadt von Bahrein eröffnete. 

Anschliessend an seinen Besuch in Bahrein wird Präs. Herzog weiter in die Vereinigten Emirate reisen. 

Im Vorfeld seiner Reise waren in Bahrein Proteste laut geworden, es gab antiisraelische Sprechchöre und Bilder, auf denen Herzog als Krimineller bezeichnet wurde. «Jede Normalisierung ist ein Verrat. Komm nicht, du bist nicht willkommen.»

Vor seinem Abflug schrieb Präs. Herzog in einer bahrainischen Zeitung: «Ich darf erleben, wie dramatisch sich der Mittlere Osten gewandelt hat. Einen wesentlichen Anteil daran hat Bahrein, das einen herzlichen, warmen Frieden mit Israel gesucht hat. Ein Kind, das beim Unterschreiben der Verträge 10 Jahre alt war, ist heute 12 Jahre alt und es darf darauf vertrauen, dass seine Zukunft besser und sicherer sein wird. Bahrein hat einen roten Teppich ausgerollt, nicht nur heute für mich, sondern für eine partnerschaftliche Zukunft, Frieden und Wohlstand, gemeinsam mit meinem Land.»

Politiker oder doch nur Marionette?

Derzeit beunruhigen zahlreiche politische Fehlentscheidungen die israelische Öffentlichkeit. Eine von ihnen betrifft das Bildungswesen, welches an den designierten «Stellvertretenden Minister für Jüdische Identität» Avi Maoz, Noam, übertragen wurde. Obwohl sein Ministerium rechtlich betrachtet, kein eigenständiges ist, sondern dem Büro des PM zugeordnet wurde (siehe Niedergang der israelischen Demokratie Teil 1 von 4) verfügt er doch über weitreichende Kompetenzen. 

Um diese zu verhindern, gibt es derzeit Bestrebungen von Bürgermeistern und Ortsvorstehern, sich aktiv gegen diesen rechts-extremen, homophoben und nationalistischen Einfluss auf die Kinder und Jugendlichen zu wenden. Es wurde sogar eine Hotline eingerichtet, auf der sich Eltern entsprechend äussern können. Bereits mehr als 200 Schuldirektoren haben sich mit einem Brief direkt an den designierten PM gewandt.

Aus der Likud Partei kamen verstörende Meldungen «Wir haben [bei den Verhandlungen] nicht gewusst, dass wir ihm die Schlüssel dazu in die Hand gaben, und nun ist es zu spät, es rückgängig zu machen. Das ist eine doppelte Katastrophe.»

MK Galit Distel Atbaryan, Likud, betonte «Netanyahu plant, in alle Entscheidungen mit einbezogen zu werden. Maoz kann nichts ohne dessen Erlaubnis tun».

Das klingt nach einer doppelten Marionette. Netanyahu hängt am Gängelband seiner ultra-rechts-nationalistisch-rassistisch-religiösen Königsmacher und einer von denen, hängt wiederum am Gängelband von Netanyahu.

Das erinnert mich an den Häuptlingsschild von Majestix. Der ist auch stets davon abhängig wie sicher er von seinen Adlati getragen wird……. 

Die Geister, die er rief….

Der designierte PM macht sich offensichtlich Sorgen, wie das Auftreten seines, bisher mit den weitreichendsten Kompetenzen ausgestatteten Ministers, MK Itamar Ben-Gvir, Otzma Yehudit, in der Öffentlichkeit ankommt. 

Einer nicht offiziell bestätigten Aussage gegenüber Kanal 12 entsprechend soll er geäussert haben, Ben-Gvir müsse seine feurigen Kommentare zu Sicherheitsfragen einschränken. «Ben Gvir muss sich beruhigen. Er muss verinnerlichen, dass er der Minister für öffentliche Sicherheit ist. Er kann sich nicht wie ein oppositioneller MK ausdrücken», wurde Netanjahu zitiert.

Ben-Gvir hat darauf gleichermassen harsch reagiert. «Netanyahu muss verstehen, dass er nicht Oppositionsführer ist, sondern Chef einer absolut rechten Regierung. Ich bin nicht in die Politik gegangen, um nun eingebremst zu werden. Und ich werde es auch nicht hinnehmen, dass er in massgeblichen Punkten von seinen Zusagen zurückgekrebst ist.»

Bei dem Treffen hinter verschlossenen Türen sei es recht laut zugegangen. Ben-Gvir soll sich auch über die Zahl der Minister und anderer Führungsrollen aufgeregt haben, die der designierte PM seiner ehemaligen Partnerpartei «Religious Zionism» zugebilligt habe. (Siehe Niedergang der israelischen Demokratie Teil 2 und 3 von 4)

Archäologie:

Im Norden des Landes ist ein weiteres Stück einer mehr als 1800 Jahre alte Strasse freigelegt worden. Der Fundort des etwa 8 m breiten und 25 m langen Strassenabschnitts liegt westlich der Stadt Tiberias am Kinneret-See.

Die israelische Antikenbehörde bezeichnete die Strasse, die zwischen Akko, Zippori und Tiberias verläuft, als «Highway Nr 6», in Anlehnung an die Bezeichnung der einzigen israelische Autobahn.

Die antike Strasse wurde im 2. Jahrhundert unter Kaiser Hadrian (76 bis 138) gebaut, später renoviert und gepflastert.

Dieses Strassenstück wurde während Grabungsarbeiten zu einem neuen Weitwanderweg des «Israel Trails» entdeckt. Dabei seien Keramikfragmente aus römischer und byzantinischer Zeit und Münzen aus römischer Zeit entdeckt worden.

Ultra-orthodoxe Frauenfeindlichkeit:

Behadrei Haredim, eine haredische Webseite muss nach einem verlorenen Prozess, der im Mai von fünf Frauen gegen sie begonnen hatte, ein Bussgeld zahlen. 

Die Frauen, Vertreterinnen von Reform und konservativen Gemeinden und Vertreterinnen von «Women of the Wall», die für die Gleichberechtigung von Männern und Frauen an der Kotel eintreten (leider manchmal mit unangebrachten und recht aggressiven Mitteln!) hatten sich im vergangenen Jahr mit Präs. Herzog getroffen. 

Bei einem Bericht auf der genannten Webseite wurden die Gesichter der Frauen unkenntlich gemacht. Damit sollte des strikten orthodoxen Verbotes, Bilder von Frauen in der Öffentlichkeit zu präsentieren, Genüge getan werden. Ein Verbot, das auch in der Orthodoxie mittlerweile diskutiert wird. 

Die Betreiber der Webseite einigten sich mit den Frauen auf eine formelle Entschuldigung. Unter der Voraussetzung, dass der Deal nicht bekannt gemacht werden sollte, wurde auch eine Entschädigung für die betroffenen Frauen vereinbart. Der Betrag wurde nicht bekannt gegeben.



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