Was geschah am 13. Dezember?

19. Kislev 5783

Regierungsbildung:

Normalerweise gehöre ich nicht zu denen, die bereits am frühen Morgen Fernsehen schauen, aber heute war ein Ausnahmetag.

Ab 09:30 versuchte der Knesset Sprecher, Mickey Levy, Ordnung in die Runde zu bringen. Während der amtierende PM Yair Lapid eine ausgezeichnete Rede hielt, musste der Knesset Sprecher einige Male MKs, vor allem immer wieder Bezalel Smotrich, bitten, ruhig zu sein, seinen Platz einzunehmen. Andernfalls müsse er ihn hinaus begleiten lassen…… Kurz darauf das Gleiche mit geänderten Vorzeichen. Der designierte PM Benjamin Netanyahu ergriff das Wort und musste sich nun den Zwischenrufen aus den Regierungsreihen stellen. 

Nach einer kurzen technischen Panne und mühsamen Anwesenheitskontrolle, zeigten die nächsten Bilder einen glücklichen MK Yariv Levin, der sofort als neuer Knesset Sprecher seinen Platz einnahm. Gerade, dass er noch die Zeit fand, sich ordentlich von seinem Vorgänger zu verabschieden.

Er wurde mit allen 64 Stimmen der designierten Regierungskoalition gewählt, 45 Stimmen erhielt die Kandidatin von Yesh Atid, Meirav Ben Ari, und 5 MKs unterstützten den Vorsitzenden der Hadash-Ta’al Partei, Ayman Odeh. 

Mit der Übernahme des Amtes kann die designierte Regierung jetzt ihre geplanten Gesetzesänderungen auf den Weg bringen. (mehr dazu morgen im Blog)

Skurrile Sonderwünsche:

Die Partei Vereintes Torah Judentum (VTJ) verlangt als Voraussetzung für einen endgültigen Beitritt zu Regierungskoalition, dass der Staat Israel, einer der bisher weltoffensten und modernsten im Nahen Osten, sich zurück in die Vergangenheit schiesst.

Geht es nach ihnen, darf am Shabbat und während der Feiertage kein Strom mehr erzeugt werden. Damit würde das ganze Land zum Stillstand verdonnert. Ohne Strom ist Israel kaum verteidigungsfähig.  TV, kein Internet, keine Klimaanlagen, kein öffentlicher Verkehr, keine Haushaltsgeräte. Aber auch keine Sicherheitssysteme, keine Sirenen, streng genommen auch keine Versorgung von Krankenhäusern, Alters- und Pflegeheimen, keine Möglichkeit im Notfall Hilfe, wie Polizei oder Rettung herbeizurufen. Selbstverständlich auch keine Bewässerung mehr. Ein ganzes Land in Knebelhaft von einer sehr kleinen Minderheit. Dümmer goht’s nümmer!

Wenn man dem designierten PM auch nur ein einziges Wort glauben dürfte, dann liegt ihm nichts ferner, als auf diese Forderungen einzugehen. So betonte er jedenfalls heute Vormittag bei seiner Rede. Überhaupt, er garantiere, dass sich nichts, aber auch gar nichts ändern werde.

Ein weiterer Gesetzesentwurf wurde von Nissim Vaturi, Likud eingebracht. Das neue Gesetz soll jedem PM und Knesset Sprecher, der weniger als zwei Jahre im Amt war, alle aus dem Amt resultierenden Rechte und Vergünstigungen streichen. 

Dazu gehören u.a. Steuervergünstigungen und eine Grabstätte am Herzlberg, ein Chauffeur, ein Büro in der Knesset mit zwei Mitarbeitern.

Betroffen davon wären nur der ehemalige PM Naftali Bennett als auch der noch amtierende PM Yair Lapid, sowie Knesset Sprecher Mikey Levy. Ein perfider politischer Racheakt an politischen Gegnern.

MK Itamar Ben-Gvir ist immer noch nicht zufrieden mit dem, was er bisher schon erhalten hat. Er stellt eine weitere Forderung und betont, der Posten des stellvertretenden Vorsitzenden des Komitees für Gesetzgebung sei ihm versprochen worden. Wenn er ihm nun nicht definitiv zugesprochen wird, wäre das ein Grund, den endgültigen Vertrag über eine Koalition nicht zu unterzeichnen. 

Archäologie:

Unweit des Toten Meeres wurde eine Art hölzerner Knobelbecher mit einem gut schliessenden Deckel aufgefunden. 

Der Inhalt der erstaunlich gut erhaltenen Box waren 15 Dreifachdrachmen aus der Zeit um die Zeitwende. Geprägt wurden sie unter der Regierungszeit von Pharao Ptolomäus VI, also um die Zeit als der Seleukiden König Antiochus VI mit seinen harten Verfolgungen gegen die Juden begann, die im Aufstand der Makkabäer gipfelten.

Dass die Juden als Folge dieser Bedrohung in die Gegend um das Tote Meer flohen, wird durch diesen historisch bedeutenden Fund belegt. 

Chanukka:

Am kommenden Sonntag beginnt das diesjährige Chanukka Fest, welches bis zum Abend des 26. Dezembers dauertTraditionell zünden wir an jedem Abend eine Kerze mehr am acht-armigen Leuchter an, bis am letzten Abend alle acht Kerzen erstrahlen. 

Jedes Jahr findet an der Kotel ein öffentliches Kerzenzünden statt. Als Vorbereitung wurde dazu bereits die grosse bronzene Chanukkia an der Kotel aufgestellt. Sie ist etwa zwei Meter hoch und breit. Das Gewicht beträgt etwa eine Tonne.

Das öffentliche Kerzenzünden findet abends um 16:30 statt. Am Freitag werden auf Grund des Shabbatbeginns die Kerzen bereits um 15:40 und am Samstagabend erst nach dem Ende von Shabbat um 19:00 gezündet. 

Selbstverständlich wird die Zeremonie jeweils live übertragen.



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