Was geschah am 12. Dezember?

18. Kislev 5783

Marokko I – Fussball WM:

Der überraschende Sieg der marokkanischen Fussball Mannschaft gegen Portugal im Viertelfinale löste grosse Jubelstürme nicht nur im eigenen Land aus. Es ist damit das erste afrikanische und arabische Team, welches jemals so weit nach vorne gekommen ist. Am Mittwoch spielen sie gegen die hoch favorisierte französische Mannschaft «Les Bleues».

Leider blieben die Freudenkundgebungen nicht überall friedlich. In arabisch dominierten Orten wie Baqa al-Gharbiyye, Bu’eine Nujeidat, Jizr al-Zarqa und Umm al-Fahm wurden Süssigkeiten verteilt und Feuerwerkskörper abgebrannt. Vereinzelt kam es aber auch, vor allem in den von Beduinen bewohnten Gebieten, zu Strassenblockaden und Freuden-Schüssen mit scharfer Munition. 

In Tel Sheva wurde, wie erst heute bekannt wurde, ein 17-Jähriger vorübergehend festgenommen, nachdem er Steine auf einen Polizeiwagen geworfen hatte. 

Marokko II -Kultur:

In der vergangenen Woche wurde in Rabat, der Hauptstadt Marokkos, erstmals ein israelisches Musical auf Hebräisch aufgeführt.

Zur Aufführung kam das in den 30-Jahren des letzten Jahrhunderts entstandene Musical «Spanischer Obstgarten» in der überarbeiteten Version von 1969. Der Autor des Musicals ist Yitzhak Navon, der später der 5. Präsident von Israel wurde.

Die Aufführung wurde initiiert von Erez, dem Sohn von Navon. Die Familie wanderte 1742 von Marokko nach Jerusalem aus und es war ihm ein Anliegen, das Werk seines Vaters in das Land ihrer Vorfahren zu bringen. 

Erez betonte, dass es eine wunderbare Erfahrung gewesen sei, in Marokko aufzutreten. Es habe keinerlei besondere Sicherheitsmassnahmen gegeben, es sei «fast so wie daheim» gewesen. 

Wie in Israel üblich, endete die Veranstaltung mit der HaTikwa, der israelischen Nationalhymne. Das Besondere war, dass die israelischen Schauspieler und Sänger diesmal von einem marokkanischen Chor begleitete wurden. 

IDF-Aktion in Jenin:

In Jenin kam es in der vergangenen Nacht zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen der IDF und Palästinensern. Dabei wurde ein 16 Jahre altes Mädchen erschossen. Sie stand auf einem der Dächer, von denen aus die IDF angegriffen wurde. Ob sie nicht als Jugendliche und Zivilistin identifiziert wurde, die dicht neben einem der Angreifer stand, oder ob sie zufällig ins Gewehrfeuer lief, wird derzeit von der IDF untersucht. 

Die in den tragischen Vorfall verwickelten Soldaten sagten in ersten Befragungen aus, keine Frauen und Jugendlichen identifiziert zu haben und nur auf angreifende Palästinenser geschossen zu haben. 

Die Schiesserei begann, nachdem IDF-Soldaten und Grenzpolizei 18 gesuchte Terroristen, drei von ihnen in Jenin, festgenommen hatten und von den Palästinensern angegriffen wurden. Sie wurden dem Inlandsgeheimdienst übergeben. 

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm – oder früh übt sich:

Der designierte «first son», Yair Netanyahu ist sich der Rolle, die er spielt, durchaus bewusst. Er hat von der Regierung verlangt, die € 120.000 die er als Entschädigung an einen ehemaligen Redakteur der online Zeitung «Walla» zahlen muss, für ihn zu übernehmen. Die Strafe war vom Bezirksgericht ausgesprochen worden, nachdem der Journalist eine Verleumdungsklage gegen Netanyahu jr. vor Gericht gebracht hatte. 

Netanyahu argumentierte, die Klage sei nur auf eine Schlamperei eines Mitarbeiters aus dem Büro des PM zurückzuführen. Die Klage sei dem Büro des PM zugeschickt und von dort nicht an ihn weitergeleitet worden. Deshalb habe er nicht von der Klage gewusst und sei daher auch nicht vor Gericht erschienen. 

Klar, Schuld sind immer die anderen, aber warum wird ein Gerichtsschreiben, dessen Empfang in der Regel zu quittieren ist, nicht ihm selbst, sondern dem Büro seines Vaters, dem damals amtierenden PM zugestellt? Seine Wohnadresse, die Residenz in der Balfourstrasse war doch bekannt. 

Der Kläger, Avi Alkalay, hatte den Fall ohne Verhandlung gewonnen, nachdem Netanyahu, so musste es das Gericht erkennen, weder etwas zu seiner Verteidigung vorgebracht hatte, noch zum Termin vor Gericht erschienen war. 

Ich bin gespannt, ob der Forderung stattgegeben wird.

Klimawandel:

Die israelischen Bauern erwarten schwere Einbussen bei der Weizenernte. Der Grund dafür ist der extrem regenarme Dezember. Die meisten Weizenfelder in Israel verfügen nicht über ein Bewässrungssystem und sind auf die Winterregen angewiesen.

Das vor wenigen Wochen ausgesäte Getreide braucht dringend Regen. Manche Felder, so die betroffenen Landwirte, habe noch genügend Reserven für zwei Wochen, einige aber nur mehr für wenige Tage. Bei anderen Feldern ist der Schaden bereits entstanden. Insgesamt werden im Norden des Landes etwa 14.000 ha mit Weizen bebaut.

Die bisher gefallene Regenmenge ist nicht ausreichend, die Temperaturen sind zu hoch und die langfristige Prognose sagt einen trockenen Winter voraus.

Zu einer Knappheit von Weizen wird es aber trotzdem nicht kommen, weil etwa 90 % des Bedarfs importiert wird. 

Regierungsbildung:

Die für heute 16 Uhr angesagte Knesset Plenarsitzung, die nur ein Thema haben solle, die Neuwahl des Knesset-Sprechers mit einem Abgeordneten des Likud wurde auf morgen Vormittag 09:30 verschoben. 

Der Grund war, dass die KMs der amtierenden Regierung die Sitzung filibustieren wollten.

Die heute stattgefundene Sitzung geriet zu einer Stunde der Danksagung an den amtierenden Sprecher, Mickey Levy. Dazu nutzten zahlreiche MKs der amtierenden Regierung die Chance, ihre Erfahrung während der vergangenen Monate zusammenzufassen. 

Störrufe der wenigen Abgeordneten des Likud, die sich im Raum befanden, wurden vom Sprecher sofort gestoppt, ein MK wurde sogar gebeten, sich entweder ruhig zu verhalten oder den Plenarsaal zu verlassen. 

Obwohl sich mehr als 100 MKs in der Knesset befanden, war keiner der Top Politiker, ausser Mansour Abbas und Ahmad Tibi anwesend.



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