Krieg gegen Iran – Tag 45 nach dem Ende der Waffenruhe

20. Siwan 5786

Leider muss auch heute die IDF erneut den Tod eines Soldaten bekanntgeben. Cpt. Eitan Shmuel Lemberg, 21, s’’l, verlor sein Leben gestern beim Angriff der Hisbollah mit einer Panzer-Abwehr-Rakete auf seinen Panzer. Die IDF gab kurz darauf bekannt, dass sie die entsprechende Abschuss-Infrastruktur der Hisbollah zerstört habe.

Nach dem gewaltsamen Angriff von marodierenden Haredim auf das Haus des stv. Präsidenten des OGH, Richter Noam Sohlberg, bei dem es vorgestern Abend zu grossen Sachschäden kam, gab die ehemalige Präsidentin des OGH, Esther Hayout, heute ein Statement ab: «In den letzten Stunden wurden wir Zeugen von Aufrufen extremistischer Gruppen, gegen Richter vorzugehen. Diese Aufrufe folgen dem Angriff auf das Haus meines Kollegen, des Vizepräsidenten des Obersten Gerichtshofs, Noam Sohlberg.» Die seit Oktober 2023 pensionierte Hayout fuhr fort: «Dieser Amoklauf und andere ungewöhnliche und schwerwiegende Vorfälle, die sich vor unseren Augen abspielen, stellen einen anhaltenden Angriff auf die Grundsätze unserer Demokratie dar, allen voran auf die Rechtsstaatlichkeit. Angesichts dieser Ereignisse halte ich es für notwendig, zu warnen, dass wir angesichts der täglichen Sicherheitsbedrohungen, denen Israel ausgesetzt ist, im eigenen Land in Richtung Anarchie abgleiten, und in diesem gefährlichen Moment halte ich es für notwendig, uns alle aufzufordern, innezuhalten, zur Besinnung zu kommen und zu verantwortungsvollem und ethischem Verhalten zurückzukehren, denn unser Leben hängt davon ab!»

Der libanesische Präsident Joseph Aoun klagte gegenüber CNN, der Iran nutze den Libanon als politischen Spielball für Verhandlungen mit den USA.  Gegenüber dem Iran erklärte er: «Es ist nicht euer Land, es ist unser Land.» Aoun war immer darum bemüht, den Libanon aus den regionalen Konflikten herauszuhalten. «Wir allein sind es, die über unsere Souveränität und Sicherheit entscheiden.» Durch den anhaltenden Krieg ist der Libanon in weiten Teilen stark zerstört. Aoun betonte «Das Volk hat den Krieg zwischen der Hisbollah und Israel satt.» Die Hisbollah wurde 1982 als schiitische Untergrund-Miliz gegründet. 1985 fand die offizielle Gründung als Partei statt. Derzeit verfügen sie über 13 Sitze, etwa 10 % aller Sitze im libanesischen Parlament. Sie gilt als ‘Staat im Staat’, mit Hochburgen im Süden des Landes, im östlichen Be’eka-Tal und in südlichen Vororten Beiruts. Im Jahr 2006 verabschiedete die UNO die Resolution 1701, die unter anderem besagte, dass das Gebiet zwischen der Grenze und dem Litani-Fluss entmilitarisiert werden muss. Das ist bis heute nicht erfolgt. Bemühungen der Regierung, die reguläre Armee zur Mithilfe bei der Entwaffnung einzubinden, scheiterten. Der Krieg endete im November 2024 mit einem Waffenstillstand, der die Hisbollah schwer getroffen zurückliess. Seither gilt sie nicht mehr als eigenständige Miliz, sondern als exterritorialer Teil der IRGC.

Der libanesische Parlamentssprecher Nabih Berri, der mit der Hisbollah verbunden ist, erklärte heute, man sei durchaus für einen Waffenstillstand verbunden mit einem Rückzug der vom Iran unterstützten Terror-Gruppe aus dem südlichen Libanon. Aber nur dann, wenn Israel zeitgleich aus sämtlichen besetzten Gebieten abziehen werde. Schriftliche, von seinem Büro verteilte Stellungnahmen zum aktuellen Vorschlag der USA bezeichnete er als ’ungerecht’. Der Vorschlag hätte einen «bedingungslosen Waffenstillstand zu Lande, zu Wasser und in der Luft beinhalten müssen.»

Seit die Hisbollah am 2. März 2026 den Beschuss Israels wieder aufnahm, hat sich die Lebensqualität für die Bevölkerung im Süden des Landes, im Be’eka-Tal, der Region um Tyros und seit vergangener Woche auch in Teilen von Beirut deutlich verschlechtert. Menschen, die im Herbst 2023 ihre Wohnungen verliessen und im Norden des Landes teils unter primitivsten Bedingungen Schutz suchten, kehrten unmittelbar nach Verkündigung des Waffenstillstands in ihre Heimat zurück. Jetzt wurden sie, teilweise überstürzt, aufgefordert, sich erneut zu evakuieren.

Was sie vorfinden, sollten sie noch einmal nach Hause zurückkehren, ist fraglich. Zuerst untersuchte die IDF jedes Haus auf der Suche nach Terroristen, danach kam die Hisbollah auf der Suche nach brauchbarem Material. Die libanesische Regierung hat im Norden Zelte aufgestellt, die als Auffanglager dienen. Der Vergleich mit Gaza könnte nicht verstörender sein. Warum klappt es hier und in Gaza spricht man bereits seit Anfang 2025 von neuen Lagern, die immer noch nicht bereitstehen.

In einem Feuergefecht zwischen der Hisbollah und den israelischen Givati Brigaden wurden zwei hochrangige Offiziere verletzt. Einer der beiden erlitt eine leichte Schussverletzung, während der andere von einer Drohne getroffen wurde und zur stationären Behandlung ins Krankenhaus evakuiert wurde.

Beim Beschuss einiger Zelte im Flüchtlingslager bei Khan Younis wurde leider erneut ein 18-Jähriger getötet und 16 Personen wurden verletzt. Weil von der IDF in den allermeisten Fällen dieser Art keine Kommentare abgegeben werden, warum dieser Beschuss notwendig war, bleibt immer ein unguter Geschmack. Ist es tatsächlich notwendig, dass immer wieder unschuldige Zivilisten sterben müssen, obwohl offiziell Waffenruhe herrscht?

Ein mutmasslicher Drohnen-Angriff hat entsprechend einem Bericht von Reuters zur Sperrung der Verladestellen von Rohöl an zwei Terminals in Mina al Fahal im Oman geführt. Es ist derzeit völlig unklar, wann der Angriff stattfand und von wem er ausging. Bloombeg berichtet, dass der Verlad für einige Tage eingestellt wurde.



Kategorien:Israel, Politik

Schlagwörter:

Hinterlasse einen Kommentar