BaMidbar, Pinchas, 25:10 – 30:01

18./19. Tammus 5786                                                          3./4. Juli  2026 

Shabbateingang in Jerusalem:                                                         19:09

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                         20:31

Shabbateingang in Zürich:                                                                 21:08

Shabbatausgang in Zürich:                                                                22:26

In der vergangenen Woche haben wir vom Drama um den midianitischen Seher Bileam gehört. Nachdem wir eine Doppelsidra gelesen haben, hier die Zusammenfassung des Teils, den ich nicht besprochen habe.

Im Auftrag der Moabiter und Midianiter sollte Bileam das Volk Israel verfluchen, weil es angeblich das Land plündern würde. Gott verhinderte dies, indem er Bileam aufforderte, sein «gesegnetes Volk» in Ruhe zu lassen. Die Abgeordneten der Länder versuchten es noch einmal. Diesmal indem sie Bileam bestechen wollten. Doch der lehnte erneut ab. Gott forderte ihn auf, mit den Männern zu gehen, aber nur das zu tun, was Er, Gott, ihm befehlen werde. Als Bileam sich am nächsten Morgen ungefragt aufmachte, um mit den Abgeordneten zu gehen, provozierte er damit Gottes Zorn. Zwei Engel, die er nicht als solche erkannte, stellten sich ihm in den Weg, daher versuchte sein Esel, ihnen auszuweichen. Bileam schlug ihn, wie es gar nicht seine Art war. Die Engel bedrängten ihn immer mehr, Bileam schlug immer härter zu. Erst als der Esel ihm Vorwürfe machte, erkannte er, was er getan hatte. Gleichzeitig erkannte er die Engel. Sie erklärten ihm, dass sie in Gottes Auftrag da waren, um ihn vor sich selbst zu schützen. Sie trugen ihm auf, sich den Abgeordneten von Midian und Moab weiterhin anzuschliessen. Am nächsten Tag, nochmals aufgefordert, die Israeliten zu verfluchen, tat er genau das Gegenteil. Er segnete sie, so wie Gott es ihm vorgegeben hatte. Balak, der König der Moabiter, wollte nicht aufgeben. Ein zweites Mal verweigerte sich Bileam, indem er sich strikt an Gottes Vorgaben hielt. Diesmal stimmt Bileam einen Vers an, den wir als wunderschönes Lied kennen:

«Wie schön sind deine Zelte, Jakob, wie schön deine Wohnstätten Israel!»

Doch die Israeliten waren offensichtlich nicht ganz so perfekt, wie Gott sich das vorgestellt und es Bileam in den Mund gelegt hatte. Sie verbanden sich mit dem Dämonen Ba’al Peor, beteten ihn an und vergnügten sich mit den Midianiterinnen.

Warum es nach so vielen Jahren der gemeinsamen Geschichte auf einmal zu dieser strikten Ablehnung kam, ist kaum nachvollziehbar, immerhin war Zippora, die erste Frau von Moshe,  die Tochter des midianitischen Priesters Jitro. Und Ruth, die später zur Urgrossmutter von König David wurde, war eine Moabiterin.

Gott jedoch war so enttäuscht und zornig, dass er befahl, alle Anführer des Volkes Israel pfählen zu lassen. Ein grausamer Tod! Und jeder, der sich dem Dämon zugewandt hatte, sollte ebenfalls getötet werden. Als ein Israelit, Salus aus dem Stamm Shimons, sich erdreistete, seine midianitische Geliebte mit ins Lager zu bringen, wurden sie beide vom Priester Pinchas, dem Enkel Aarons, mit einem Speer getötet. Mord? Oder Durchsetzung des göttlichen Gebotes?

Gott lobte ihn für seinen Einsatz und bot ihm als Friedensvertrag an, dass er und seine Nachfahren ewig seine Priester sein werden. Den Israeliten aber befahl er, die Midianiter zu zerschlagen. Wieder einmal liess Gott die Zahl der wehrpflichtigen Männer erheben.

Anschliessend setzte Gott die Erbfolge ein, die von nun an gelten sollte. Entsprechend der Zahl der Männer in jedem Stamm sollte das Land, das er ihnen versprochen hatte, als Erbbesitz aufgeteilt werden. Wer welchen Landesteil erhalten sollte, würde das Los entscheiden. Das Land sollte jeweils den Namen der Stammesväter erhalten. Noch heute sind die Namen in der Bezeichnung der Regionalbehörden in Israel enthalten.

Ausser Moshe, Kaleb aus dem Stamm Juda und Joshua aus dem Stamm Ephraim lebte niemand mehr, der aus Ägypten geflohen war.

Machla, Noa, Hogla, Milka und Tirza, die letzten Überlebenden aus dem Stamm Menashe, dem Sohn Josefs, fühlten sich als Töchter um ihr Erbe betrogen. Ihr Vater Zelofhad war ohne Söhne gestorben, er war „nur“ mit fünf Töchtern gesegnet. Wer sollte für sie sorgen, wenn sie ohne Erbbesitz bleiben würden? Sie brachten ihr Anliegen vor Moshe und die Priester. Sie bekamen Recht!

Gott regelte an dieser Stelle die neue Erbfolge. Stirbt ein Mann ohne Söhne, aber mit Töchtern, so sind sie seine rechtlichen Erben. Stirbt er ohne Kinder, so geht sein Besitz an seine Brüder. Hat er auch keine Brüder, so fällt das Erbe an die Brüder seines Vaters. Hat der auch keine Brüder mehr, so fällt der Besitz an den nächsten lebenden Verwandten. Wir kennen dieses umgekehrte Springbrunnenprinzip noch heute! Ich bin sicher, nach der Entscheidung zugunsten der Töchter Zelofhads sind selbstverständlich alle Töchter in der Erbfolge begünstigt. Das Hebräische nennt in der Pluralform immer dann die männliche Form, wenn es sich um eine „gemischte“ Gruppe handelt. Korrekt gegendert, muss man heute von „erbenden Personen“ sprechen …

Kurz vor dem Ende der 40-jährigen Wüstenwanderung muss Gott noch einiges regeln. Moshe darf das verheissene Land nicht betreten und bittet Gott inständig, einen Nachfolger für ihn zu wählen. Gott wählt Joshua und fordert Moshe auf, ihn zu den Priestern zu führen, wo er sich zukünftig den Entscheiden von „Urim und Tummim“, den Los-Steinen des Hohen Priesters, unterwerfen sollte. Diese kamen immer dann zum Einsatz, wenn es für Menschen nicht eindeutig war, zu entscheiden, ob etwas in Gottes Augen gut oder schlecht war.

Für Moshe ist das keine einfache Situation. Er, der von Gott gewählte, aber von seinem Volk nicht immer unangefochtene Führer, musste damit leben, einen Teil seiner Kompetenz abzugeben. Wie sich die Wahl Joshuas auf die Kommunikation mit den Israeliten auswirken würde, würde erst die Zeit zeigen. «Lass Gott, der alle Spielarten menschlichen Lebens kennt, denjenigen zum Anführer wählen, der gleichzeitig vor ihnen geht und doch in ihrer Mitte verbleibt, der sie aus der Gefahr führt und immer wieder vereint. Das Volk des Herren darf nicht Schafen ähneln, die keinen Leithammel haben.»

Der ideale Chef, der ideale Politiker, der ideale Teamplayer. Es ist durchaus den Versuch wert, sich aus der grossen Schar der Schafe zu lösen und zumindest teilweise zum Leithammel zu werden!

Shabbat Shalom!



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