Was geschah am 2. Januar?

9. Tevet 5783

My home is my castle!

Der Einzug in die renovierte Villa in der Balfour Strasse wird noch einige Zeit auf sich warten lassen. Das luxuriöse Haus in Caesarea ist zu weit entfernt, um sich täglich für den Weg nach Jerusalem anzubieten. Der private Hubschrauberlandeplatz wurde dem amtierenden PM schon vor Jahren verweigert, ebenso wie der private Schnellstrassenzubringer, der quer durch ein Naturschutzgebiet führen würde. 

Und so bleiben dem PM, seiner Ehefrau Sarah und dem «first son» Yair nur die private Wohnung in der Gaza Strasse 35 in Jerusalem als mehr oder weniger unprätentiöses Quartier. 

Nun ja, zumindest von aussen betrachtet, gibt das Haus nicht viel her. Nun steht neben dem Eingangstor ein kleines Wachhaus mit einem Heizstrahler, der Zaun wurde blicksicher erhöht und die Einfahrt zum Parkplatz mit einem Zeltvorbau ebenfalls blickdicht gemacht.  Der Gehsteig wurde mit mobilen Gittern und durchbruchsicheren Pollern gegen Angriffe mit Autos abgesichert. Und klar, auf Google maps wurde das Bild geschwärzt.

Verständlich, dass sich nun die Bewohner der Strasse, einer der sensiblen Verbindungen zwischen den Aussenbezirken von Jerusalem und der Innenstadt Sorgen machen, wie lange es dauern wird, bis ihre Strasse für den Verkehr gesperrt wird. Ähnliche Proteste waren laut geworden, als PM Naftali Bennett es vorzog, in seiner privaten Wohnung in Ra’anana zu bleiben, statt in die Baustelle in der Balfour Strasse zu ziehen. 

Die haredische Parallelwelt:

Derzeit zählen 1.28 Millionen Menschen zur Gruppe der Haredim in Israel. Das entspricht etwa 13.5% der Gesamtbevölkerung. Bis zum Ende des Jahrzehnts rechnet man mit einem Anstieg auf 16%.

40 % leben in den beiden Zentren Jerusalem und Bnei Brak, 7% in Beit Shemesh. Die restlichen 53 % verteilen sich auf überwiegend ultraorthodoxe Städte oder Stadtteile.

Etwa 70% nutzen regelmässig das Internet. 78% der Frauen arbeiten regelmässig, 49% der Männer sind arbeitslos. Das Durchschnittseinkommen pro Familie lag 2022 bei etwa US$ 4.000 (verglichen mit säkularen Familien, wo es bei etwas US$ 6.100 lag).

86% spenden regelmässig an soziale Projekte. 40% leisten freiwillige Dienste innerhalb ihrer Gemeinden. Hingegen absolvieren nur 4 % der Frauen das freiwillige soziale Jahr und nur 1.200 junge Männer leisten ihren Dienst in der IDF, 50% weniger als noch im Jahr 2015.

60% der Mädchen legen eine Matura ab, bei den Jungen sind es nur 15%. 10.5% aller Studenten in Israel gehören zu diesem Sektor, wobei 90% ihre Studien an höheren Ausbildungsplätzen absolvieren, die keine Matura voraussetzen.

Die israelische Toskana:

Der neue Minister für Tourismus, Haim Katz, versprach anlässlich der Amtsübergabe, dass er dafür Sorge tragen werde, die Investitionen vor allem in den Landesteilen zu verstärken, die bisher touristisch zu wenig genutzt werden. 

Vollmundig nannte er dabei die Gebiete von Judäa und Samaria die «israelische Toskana». Das mag für einige wenige Regionen wohl zutreffend sein, ist aber derzeit sicher nicht der «unique selling point». Um das zu werden, muss sich dort zunächst die Sicherheitslage drastisch verbessern. Bisher gibt es aufgrund der anhaltenden Sicherheitsbedenken immer wieder Reisewarnungen, vor allem für Individualtouristen. 

Derzeit ist die Zahl der Ankünfte aus dem Ausland mit etwa 2 Millionen im Jahr 2022 noch mehr als die Hälfte der Zahlen von 2019 entfernt. Damals reisten mehr als 4.5 Millionen Touristen auf dem See- und Luftweg nach Israel ein.

Minister Katz will einen zweiten Schwerpunkt auf den Inlandstourismus legen, der ebenfalls mit sinkenden Zahlen kämpft. Der Grund hierfür sind günstigere und bessere Angebote aus dem Ausland.  

Anti-LGBTQ+ Bewegung in Israel:

Als gäbe es derzeit keine anderen Probleme in Israel und schon gar nicht für die gerade erst vereidigte Regierung als die sexuelle Ausrichtung von Menschen!

Erst vor wenigen Tagen hatte sich ein Rabbiner in einer absolut unverschämten und diffamierenden Weise geäussert. Jetzt glaubte auch der sephardische Oberrabbiner von Jerusalem, Shlomo Amar, sein Gift gegen die Gemeinschaft verspritzen zu müssen. 

Ihre Mitglieder seien «wilde Tiere» und die Ernennung eines Mitgliedes in die Position des Knesset-Sprechers sei untragbar. Immerhin sei der Posten «erhaben über andere». Die, die ihn gewählt haben, hätten jegliche Scham verloren. In dem Fall haben wir es wohl mit einer schamlosen Regierung zu tun, denn von 64 MKs stimmten 63 für die Wahl, Ya’akov Tesler, (VTJ) befand sich zur Zeit der Abstimmung im Ausland. 

Irgendwie hat er ja Recht mit seiner Aussage, nur in einem ganz anderen Sinn, als er es gemeint hat. Nur soll er zuerst den Dreck von der eigenen Türe fortschaffen!

Die Rolle der Sarah N.:

Dass es einen Ehevertrag zwischen dem PM und seiner Frau Sarah, zurückgehend auf das Jahr 1993, gibt, ist ein unbestätigtes Dauergerücht.

Das war der Preis, dass sie ihn den Seitensprung mit seiner Medienberaterin Ruth Bar, die ihm 1992 half, die Vorwahlen beim Likud zu gewinnen, teuer bezahlen liess.  Nicht sein erster Seitensprung! Während seiner ersten Ehe (1972-1978) mit Miriam Weizmann, Mutter der ultraorthodoxen gemeinsamen Tochter Noah, begann er ein Verhältnis mit Fleur Cates, mit der er 1981 bis 1988 in zweiter Ehe verheiratet war. Seit 1991 ist er mit seiner dritten Ehefrau Sarah verheiratet, mit der er zwei Söhne hat. 

Sarah wollte es wohl vermeiden, seine gerade erst anlaufende politische Karriere, von der sie sich auch viel persönliche Macht und Glanz erwartete, vorschnell enden zu lassen. Also schwieg sie, liess aber ihre Rechtsanwälte einen Vertrag aufsetzen. 

Dass es den Vertrag wirklich gibt, behauptet zumindest ein Journalist, der sich wegen übler Nachrede vor dem Gericht verantworten musste. Nicht nur, so behauptete er, dass Sarah bei der Einstellung von Führungskräften massgeblich mitzusprechen hätte. Sie hätte auch das Recht, bei jedem Auslandsflug dabei zu sein und zu bestimmen, wer den PM in seinem Flugzeug begleiten dürfe. 

Dass sie auf allen Flügen dabei ist, das belegen die Bilder aus der Presse. Dass sie für einen nur fünf Stunden dauernden Flug von Ben Gurion nach London zur Beerdigung der ehemaligen PM Margaret Thatcher extra ein Bett in das Flugzeug einbauen liess, ist ebenfalls bekannt. Dass das Ehepaar Netanyahu mit unglaublich viel Gepäck fliegt, das ist auch dokumentiert. Dass sich in den Koffern hauptsächlich Schmutzwäsche befindet, die im Gastgeberland gratis gereinigt werden soll, auch das ist mehr als nur ein Gerücht. 

Dass sie auch kräftig bei der Ernennung von Führungskräften in der Politik mitmischt, wird nun durch Zeugenaussagen in einem Prozess belegt, in dem ein Mitarbeiter des PM, David Shimron der Kläger ist. Angeklagt ist ein ehemals leitender Angestellter der Israel Aerospace Industries, David Artzi. Unter den Zeugen befinden sich die ehemalige Innenministerin Ayelet Shaked und der ehemaligen Verteidigungsminister und IDF-Stabschef Moshe Ya’alon sowie die ehemalige Mediensprecherin des PM, Odelia Karmon. 



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